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Aktivitäten internationaler Organisationen in der Containerschifffahrt

Erstellt am: 14.04.2003 | Stand des Wissens: 26.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Bedingt durch die Internationalität weltweiter Verflechtungen in der Containerschifffahrt üben verschiedene Organisation Einfluss auf eine sichere und reibungslose Abwicklung der Transport- und Umschlagprozesse aus. Die International Maritime Organization (IMO), deren Mutterorganisation die UN ist, übernimmt dabei die einflussreichste Rolle. Folgende Regelwerke und Abkommen werden unter anderem von der IMO verwaltet:
  • MARPOL: Internationales Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe [BSH12],
  • ISPS-Code (International Ship and Port Facility Security Code): regelt im Zuge der Verschärfung der Sicherheitsvorschriften nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 die Absicherung von Schiffen und Hafenanlagen gegen terroristische bzw. kriminelle Übergriffe [Eggers05],
  • Kollisionsverhütungsregeln (Internationale Regeln von 1972 zur Verhütung von Zusammenstößen auf See): geben das Wegerecht und die Lichterführung von Schiffen auf See vor,
  • SOLAS (Safety of Life at Sea): Internationales Übereinkommen zum Schutze des menschlichen Lebens auf See. Unter anderem werden die Mindestanforderungen von Rettungsequipment und die technische Sicherheit auf den Schiffen geregelt.
  • Weitere Regelwerke sind beispielsweise der ISM-Code (International Management Code for the Safe Operation of Ships and for Pollution Prevention) mit Maßnahmen zum sicheren Betrieb von Schiffen oder die STCW (International Convention on Standards of Training, Certification and Watchkeeping for Seafarers), welche für Seeleute geltenden Ausbildungsstandards festlegt.
  • Zusätzlich existiert das International Maritime Bureau (IMB). In Kooperation mit der IMO wird privatwirtschaftlich organisiert die Bekämpfung der Piraterie verfolgt.
Wichtige Aktivitäten gehen zudem unter anderem von der UNCTAD (United Nations Conference On Trade And Development), der ISO (International Organization for Standardization) und der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) aus.
Von Bedeutung für die Containerschifffahrt war der 1974 angenommene UNCTAD-Verhaltenskodex für Linienkonferenzen. Der Beitrag zur Dienstleistungs- und Wettbewerbsordnung in der internationalen Linienschiffahrt hat jedoch durch die Abschaffung von Linienkonferenzen beispielsweise in der EU und den USA an Relevanz eingebüßt.
Die ISO als internationale Vereinigung der Standardisierungsgremien von 148 Ländern verabschiedet internationale Standards in allen technischen Bereichen, darunter technische, klassifikatorische und Verfahrensstandards. Das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) ist seit 1951 Mitglied der ISO und seit 1961 für die Standardisierung der weltweit eingesetzten Container verantwortlich. Als Nicht-Regierungsorganisation hat die ISO bis heute verschiedenste Standards entwickelt, welche von Terminologie, Klassifikation, Abmessungen, Spezifikationen über Testmethoden bis hin zu Handling und Sicherheit von Containern reichen [Brei93, S. 34-41].
Im Bereich der OECD ist die Containerschifffahrt kein ständiges Thema. Innerhalb des Port-Cities Programme wird zum Beispiel untersucht, inwiefern Häfen einen Wertbeitrag für die Entwicklung von Städten und Regionen darstellen und welche politischen Steuermechanismen zur Anwendung kommen. Im Jahr 2014 wurde "The Competitiveness of Global Port-Cities" veröffentlicht, ein vergleichender Report zu allen untersuchten Hafenstädten. Unter anderem liegt dabei ein Report für Hamburg vor.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Entwicklungen der Containerschifffahrt (Stand des Wissens: 26.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?38577
Literatur
[Brei93] Schönknecht, Rolf, Prof. Dr., Peters, Dirk, Biebig, Peter, Prof. Dr., Böhm, Christine, Hübner, Herbert, Jenssen, Bruno, Prof. Dr., Kuhlmann, Günther, Prof. Dr., Laue, Uwe, Prof. Dr., Linde, Horst, Prof. Dr., Lüsch, Jürgen, Prof. Dr.-Ing., Mencl, Ralph-Christian, Dr., Sinnig, Elvira, Dr., Wagener, Norbert, Dr., , Breitzmann, Karl-Heinz, Prof. Dr. Containerlinienschiffahrt, veröffentlicht in Rostocker Beiträge zur Verkehrswirtschaft und Logistik, Ausgabe/Auflage Heft 2, Rostock, 1993, ISBN/ISSN 0944-5919
[BSH12] International Maritime Organization MARPOL Umweltübereinkommen - Informationen zum Internationalen Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe, 2012
[Eggers05] Eggers, D. ISPS Code Hintergründe und Ziele, 2004/05/26
Glossar
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist ene chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
ISPS-Code Der "International Ship and Port Facility Security Code" (Internationales Übereinkommen für die Gefahrenabwehr auf Schiffen und in Hafenanlagen) regelt als Anlage zum internationalen Schiffssicherheitsübereinkommen SOLAS die Gefahrenabwehr auf Seeschiffen und in Seehäfen.
OECD Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) besteht gegenwärtig aus 30 Mitgliedsländern, die hinter Demokratie und Marktwirtschaft stehen. Aufgrund der aktiven Beziehungen zu 70 weiteren Ländern, nichtstaatlichen Organisationen und zur Gesellschaft besitzt OECD eine globale Reichweite. OECD ist durch seine Publikationen, Statistiken, ökonomischen Arbeitsabdeckungen und makroökonomischen Sozialausgaben, um Ausbildung, Entwicklung, Wissenschaft und Innovationen zu fördern, bekannt.
Linienkonferenzen Linienkonferenzen sind eine seit langer Zeit typische Kooperationsform der Linienschifffahrt. Sie sind ein ständiges Gremium von Reedereien für ein abgegrenztes Fahrtgebiet und vereinbaren intern Tarife und Bedingungen, oft auch Kapazitäten und Frequenzen. Zu unterscheiden ist zwischen offenen und geschlossenen Linienkonferenzen. Offene Konferenzen nehmen beitrittswillige Reedereien auf, geschlossen erst nach Zustimmung der Konferenzmitglieder (daher auch "regulierte" Konferenz). Die EU-Gruppenfreistellung vom allgemeinen Kartellverbot wurde durch den Wettbwerbsrat 2006 mit Wirkung 10/2008 aufgehoben. Preisvereinbarungen und Kapazitätsregulierung sind verboten, wie zuvor bereits im US-Verkehr.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?40990

Gedruckt am Freitag, 29. Mai 2020 12:39:05