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Entwicklung des Fernverkehrsangebots der Deutsche Bahn AG

Erstellt am: 03.05.2013 | Stand des Wissens: 26.10.2018
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Mit der Umstellung des Fernverkehrsangebots des Deutsche Bahn AG Konzern (DB AG) im Zuge des Programms "Marktorientiertes Angebot im Personenverkehr" (MORA P) kam es zu einem Rückgang der Betriebskilometer im Fernverkehrsnetz. In der 1. Stufe von MORA P Mitte 2001 und der damit verbundenen Einstellung von Linien des InterRegio (IR) verringerten sich die Betriebskilometer von 175,9 auf 161,5 Millionen Kilometer, also um mehr als 14 Millionen Kilometer zwischen den Jahren 2000-2001, was einer Abnahme von über 8 Prozent entspricht. Die späte Einführung des reduzierten Angebotskonzepts Mitte 2001 beeinflusste ebenso die Betriebsleistung des Jahres 2002, die um weitere 14 Millionen Kilometer abnahm (auf 141,1 Millionen Kilometer). Trotz der Mitte 2002 eingeführten 2. Stufe von MORA P war der Rückgang um 3,7 Millionen Kilometer auf 137,4 Millionen Kilometer im Jahr 2003 relativ gering (ein Minus von 2,6 Prozent gegenüber Vorjahr), da hier IR- in InterCity-Verkehre umgewandelt wurden. [DBAG01; DBAG02; DBAG03a; BagA03]
Parallel zur sinkenden Betriebsleistung verzeichnete der Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) der DB AG im Zeitraum von 1998 bis 2003 einen kontinuierlichen Rückgang der Fahrgastzahlen [DBAG01; DBAG02; DBAG03a]. Insbesondere mit der Umstellung des Fernverkehrsangebots im Zuge des Programms MORA P in den Jahren 2001 bzw. 2002 und mit der Einführung des neuen Preis- und Erlösmanagements Personenverkehr (PEP) 2003 verzeichnete der Fernverkehr starke Einbrüche. Laut der Geschäftsberichte der DB Fernverkehr AG zeichnet sich von 2004 bis 2013 eine positive Tendenz der Fahrgastzahlen im SPFV ab (Abbildung 1), welche sich auch in den folgenden Jahren weiter fortsetzt.

Abb. 1: Fahrgäste pro 100 Betriebskilometer im SPFV der DB AG, 1998-2012Abb. 1: Fahrgäste pro 100 Betriebskilometer im SPFV der DB AG, 1998-2012 (eigene Darstellung nach [DBAG01; DBAG02; DBAG03a; DBAG04d; DBAG05; DBAG06; DBAG07c; DBAG08b; DBAG09o; DBAG10h; DBAG13f; DBAG14a])

Die Zahl der Fahrgäste in Relation zum Angebot ließ sich mit Umwandlung der IR-Linien in Nahverkehrsangebote in den Jahren 2001 und 2002 leicht steigern (Abbildung 1). Das Abstoßen schwach ausgelasteter Strecken führte in gewissem Maße zu einer erhöhten Gesamtauslastung im SPFV. Die Einführung der 2. Stufe von MORA P Mitte Dezember 2002 brachte allerdings in den folgenden Jahren deutliche Einbrüche mit sich. Als Ursache wird in Fachkreisen das ebenfalls Mitte Dezember 2002 eingeführte, nicht akzeptierte neue Preissystem PEP genannt. Erst 2008 pendelten sich die Fahrgastzahlen im Verhältnis zum Angebot wieder auf dem vorherigen Niveau ein. Zwischen den Jahren 2009-2013 wurde ein weiterer Anstieg der Kundenzahlen verzeichnet, während die gefahrenen Betriebskilometer trotz zwischenzeitlicher Schwankungen in den beiden genannten Jahren ungefähr gleich ausfielen [DBAG13f; DBAG14a]. So wurde 2013 ein Rekordwert bezüglich der pro 100 Kilometer Betriebsleistung beförderten Fahrgäste erreicht.

Abb. 2: Umsatzerlöse in Euro pro Betriebskilometer im SPFV der DB AG, 1998-2013Abb. 2: Umsatzerlöse in Euro pro Betriebskilometer im SPFV der DB AG, 1998-2013 (eigene Darstellung nach [Bung11, S. 39; DBAG13f; DBAG14a])

Im Zeitraum von 1998 bis 2013 lässt sich eine Steigerung der Umsatzerlöse im SPFV von über 60 Prozent konstatieren (Abbildung 2). Die Erlöse pro Kilometer stiegen nach der 1. Stufe von MORA P um fast 10 Prozent an. Mit der Ein- bzw. Durchführung von Stufe 2 und PEP erfolgte ein Umsatzabfall von ebenfalls 10 Prozent. Insgesamt bestätigen Umsatzerlöse weit über dem Niveau der Fahrpreissteigerung das Erreichen der gesetzten betriebswirtschaftlichen Ziele im SPFV-Angebot und widersprechen so der häufig vorgebrachten Kritik in Bezug auf die Einschränkung und Umstellung des Fernverkehrsangebots der DB AG.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Regionale Erschließungsqualität des Schienenpersonenfernverkehrs (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?409784
Literatur
[BagA03] Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des SPNV (Hrsg.) Wir verbinden Deutschlands Regionen, schnell - direkt - attraktiv: Konzept zur Entwicklung eines interregionalenExpressnetzes, Berlin, 2003
[Bung11] Bunge, Stephan Analyse und Bewertung der regionalen Erschließungsqualität im Schienenpersonenfernverkehr, veröffentlicht in Schienenverkehrsforschung an der Technischen Universität Berlin, Ausgabe/Auflage 3/2011, Eurailpress in DVV Media Group, Hamburg, 2011
[DBAG01] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Reise&Touristik AG: Geschäftsbericht 2000, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2001/05
[DBAG02] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Reise&Touristik AG: Geschäftsbericht 2001, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2002/05
[DBAG03a] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Reise&Touristik AG: Geschäftsbericht 2002, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2003/05
[DBAG04d] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2003, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2004/05
[DBAG05] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2004, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2005/03
[DBAG06] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2005, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2006/04
[DBAG07c] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2006, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2007/03
[DBAG08b] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2007, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2008/04
[DBAG09o] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2008, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2009/03
[DBAG10h] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2009, Deutsche Bahn AG, Frankfurt (Main), 2010/04
[DBAG13f] o. A. DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2012, DB Fernverkehr AG, Frankfurt am Main, 2013/03
[DBAG14a] o. A. DB Fernverkehr AG - Geschäftsbericht 2013, DB Fernverkehr AG, Frankfurt am Main, 2014/03
Glossar
Betriebsleistung
Die Betriebsleistung ist eine Kennzahl für den Umfang eines bestehenden Schienenverkehrsangebots bezogen auf eine bestimmte Bezugsperiode (z. B. ein Jahr). Sie definiert sich als Produkt einer Verkehrsmenge (Summe eingesetzter Züge, Wagen, Fahrzeuge oder Sitzplätze) und der von ihr zurückgelegten Wegstrecke in km je betrachteter Zeiteinheit.
Betriebsleistung = (Verkehrsmenge * Wegstrecke) / Bezugsperiode
Gebräuchliche Einheiten für die Betriebsleistung sind Zugkilometer [Zugkm], Fahrzeugkilometer [Fzgkm] oder Sitzplatzkilometer pro Jahr (z. B. [Zugkm/a]).
Marktorientiertes Angebot im Personenverkehr Das Marktorientiertes Angebot im Personenverkehr (MORA P) war ein zweistufiges Projekt des Deutschen Bahn AG Konzerns. Ziel des MORA P war es die wirtschaftliche Stabilität des Transportangebots im Schienenpersonenverkehr langfristig zu sichern.
Schienenpersonenfernverkehr
Der Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) ist die Beförderung von Reisenden mit Eisenbahnzügen über längere Strecken mit mehr als einer Stunde Fahrzeit oder 50 km Entfernung. Im Gegenzug zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bzw. dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird der SPFV eigenwirtschaftlich betrieben und muss sich betriebsökonomisch selbst tragen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?409628

Gedruckt am Dienstag, 16. Juli 2019 20:19:22