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Möglichkeiten zur Verbesserung und Vereinfachung der Lärmzertifikationsverfahren für Hubschrauber

Erstellt am: 10.04.2003
Autoren:   Heinrich, S.
Ahmed, S. R., Dr-Ing.
Schultz, K.-J., Dr-Ing.
Splettstoesser, Wolf, Dr-Ing.
Erscheinungsjahr / -datum:   1999/11
Herausgeber:   DLR - Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik (AS)
Verlag / Ort:   DLR / Braunschweig
Zitiert als:   [BMVBW99f]
Art der Veröffentlichung:   Projektbericht
Sprache:   deutsch
Review
Erstellt am: 29.07.2003 | Stand des Wissens: 26.03.2010
 
Ziel / Zweck
Während der Lärm von Verkehrsflugzeugen seit Jahrzehnten untersucht wird und mittlerweile umfangreiche Regeln zur Lärmzertifizierung vorliegen, interessieren sich die Gremien der Luftfahrtbehörden erst seit wesentlich kürzerer Zeit für eine methodische Reduktion des Hubschrauberlärms. Ziel des Forschungsberichtes ist es, die Meinungsfindung der zuständigen deutschen Behörden (BMVBW und LBA) zu den international anstehenden Fragen der Hubschrauber-Lärmzertifikation zu erleichtern und einen Überblick über die diskutierten Handlungsoptionen und ihre Auswirkungen zu geben.

Methodik und Durchführung
  • Literaturauswertung
  • Modellentwicklung
  • Datenanalyse
  • Theoretisch-konzeptionelle Arbeit
Nach einer Literaturrecherche und einer Analyse des Diskussionsstandes im CAEP werden verfügbare Flugversuchsdaten untersucht und ein Konzept für zukünftige Flugversuche erstellt. Weiterhin wurden Modelle zur Umrechnung der verschiedenen Lärmmessdaten formuliert und Überlegungen für motifizierte Lärmzertifikationsverfahren angestellt.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen
In dem Vorhaben wurden anhand von verfügbarem Material (Literatur und Messwerte) Fragen der Hubschrauberlärmzertifikation sowie der Hubschrauberlärmimmission im Hinblick auf die Ermittlung von Lärmschutzzonen untersucht. Dabei wurden insbesondere zwei besonders bedeutsame Themenkomplexe behandelt:

  • Verbesserung und Vereinfachung der zur Zeit verwendeten Lärmzertifizierungsverfahren für Hubschrauber nach Kapitel 8 und 11 des ICAO Annex 16.
  • Verbesserung der Lärmemissionsvorhersage für eine genaue Ermittlung von Lärmschutzzonen beim Hubschrauberüberflug.
Zum einen wurde untersucht, wie die Lärmzertifikation zu verbessern (zu vereinfachen) und damit zu verbilligen ist. Andererseits wurde die Frage aufgeworfen, ob Lärmzertifikationsergebnisse (wenn nötig, unter Erweiterung von Kapitel 8) auch für die Bestimmung der individuellen flächendeckenden Schallimmission in Lärmschutzzonen (sog. Lärmflächen oder "foot prints") verwendet werden können. Es wurde herausgestellt, daß dieses zwei im Grunde konträre Anforderungen beinhaltet. Dieses wurde schon deutlich bei der Verfolgung der langjährigen Diskussion um die relevanten Themenkomplexe im Rahmen des CAEP der ICAO.

Auf der einen Seite wurde für leichte Hubschrauber die vereinfachte Kapitel-11-Lärmzertifikation eingeführt. Durch eine inzwischen beschlossene Erweiterung der Gewichtsgrenze für leichte Hubschrauber auf 3175 kg fallen indes inzwischen die meisten gängigen Hubschrauber darunter, so daß es fraglich wurde, diese Kapitel-11-Lärmzertifikationsergebnisse für die Beurteilung im Rahmen einer Landeplatzverordnung gelten zu lassen, da die an Landeplätzen üblichen Flugprozeduren Landeanflug und Start unberücksichtigt bleiben.
Auf der anderen Seite müssen für eine Landeplatzverordnung oder auch zur Berechnung von Lärmschutzzonen Daten zur Verfügung stehen, die einen Hubschrauber zuverlässig beurteilen.

Zusätzlich zu den in das CAEP eingebrachten Untersuchungen hinsichtlich Vergleich Kapitel 8/Kapitel 11 wurden in diesem Bericht eigene Vergleichsuntersuchungen vorgestellt, wobei als Grundlage verschiedene ältere FAA-Berichte sowie eine Liste aktueller Lärmzertifikationsergebnisse des LBA dienten. Die ermittelten Schwankungen zwischen Kapitel-8- und Kapitel-11-Bewertung der einzelnen Hubschrauber sind beträchtlich. Es wurde deshalb empfohlen, daß zwar gewisse Vereinfachungen hinsichtlich Meßtechnik und Auswertung, wie sie für Kapitel 11 gelten, auch für ein künftiges vereinfachtes Kapitel 8 (Kapitel X) zur Anwendung kommen könnten, daß jedoch die Meßphilosophie (3 Mikrofone, 3 Flugprozeduren) beibehalten werden sollte. Solche unter vereinfachten Bedingungen ermittelten Kapitel-X-Lärmzertifikationsergebnisse könnten wahrscheinlich durchaus als Basis für die Beurteilung eines Hubschraubers im Rahmen einer Landeplatzverordnung verwendet werden. Zur endgültigen Klärung dieser Frage sind aber sehr detaillierte Überflugmessungen erforderlich, welche das gesamte nach unten abgestrahlte Schallfeld erfassen.

Einige wenige solcher detaillierter Überflugmessungen konnten bereits hinsichtlich dieser Fragestellung ausgewertet werden. So wurde auch ein im DLR entwickeltes empirisches Verfahren zur Ermittlung von Bodenlärmkonturen vorgestellt, das auf den Daten dieser wenigen verfügbaren detaillierten Messungen beruht. Es wurde jedoch betont, daß das Verfahren noch durch weitere detaillierte Überflugmessungen validiert werden muss. Solche Überflugmessungen waren im Rahmen des Vorhabens vorgesehen, konnten jedoch aus technischen Gründen noch nicht durchgeführt werden.

Einordnung in die Forschung / Relevanz für die Politikberatung
Der Bericht stellt wesentliche Grundlagen für eine Weiterentwicklung der Lärmzertifikation für Hubschrauber zusammen und macht die Diskussion innerhalb der Fachgremien des CAEP auch für Externe transparent. Die Inhalte der Diskussion werden für die Politikberatung nutzbar gemacht. Für die endgültige Formulierung von neuen Zertifizierungsbedingungen und Grenzwerten sind weitere Untersuchungen zur Validierung der bislang verfügbaren Messwerte erforderlich. Ebenso sind für die Konzeption einer Landeplatzverordnung für Hubschrauber in Deutschland weitere Untersuchungen erforderlich, die im Bericht "Definition für erhöhte Schallschutzanforderungen für Hubschrauber auf der Basis der Lärmzertifikation und Erarbeitung von Schutzkriterien für lärmsensible Zeiten" fortgesetzt werden.

Downloads

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Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?40540

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 01:58:29