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Ramsey pricing

Erstellt am: 28.11.2012 | Stand des Wissens: 11.03.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Ramsey Preise werden bei natürlichen Monopolen zur wohlfahrtsoptimalen Preisgestaltung unter der Bedingung einer Fixkostendeckung angewandt.
Wohlfahrtsökonomisch ist die Grenzkostenpreislösung der Monopollösung vorzuziehen. Bietet ein Monopolist jedoch zu Grenzkostenpreisen an, steht er einem Verlust in Höhe der Fixkosten gegenüber. Das Ziel der Ramsey-Preisbildung ist es daher, eine wohlfahrtsmaximierende Preisstruktur zu schaffen, unter der Bedingung einer Fixkostendeckung (Second Best Lösung).
Um diese Second-Best Lösung zu erreichen, wird bei der Ramsey-Preisbildung angenommen, dass ein einziges Gut von verschiedenen unabhängigen Konsumentengruppen mit unterschiedlichen Preiselastizitäten nachgefragt wird. Zur Deckung der Fixkosten besteht der Preis des Konsumenten aus den Grenzkosten des Gutes und einem Aufschlag auf diese Grenzkosten. Unter der Annahme, dass die Kreuzpreiselastizität null bzw. vernachlässigbar ist, werden die prozentualen Zuschläge umgekehrt proportional zur Preiselastizität berechnet [Aber03a, S. 332; Kenn91].
Nutzer, die auf eine Preisänderung stark reagieren, werden daher mit einem geringeren Zuschlag belastet als solche, die eine niedrigere Preiselastizität aufweisen. Eine niedrige Elastizität kann bedeuten, dass Konsumenten kaum Auswahlmöglichkeiten haben.
Formal lässt sich die Ramsey-Preisbildung mit der folgenden Formel ausdrücken:

RamseyPreisbildungFormelAbb. 1: Ramsey Preisbildung [FrWe93, S. 158] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Bei der Ramsey Bepreisung nach Kundengruppen handelt es sich um eine Differenzierung dritten Grades. Eine solche Differenzierung ist beispielsweise bei der Bahn zu beobachten, indem für verschiedene Kundengruppen unterschiedliche Tarife erhoben werden. Das Ramsey Preisbildungsprinzip kann nicht nur für verschiedene Kundengruppen, sondern auch in Bezug auf verschiedene Produktgruppen angewandt werden. Dadurch wird dem Monopolisten jedoch eine interne Subventionierung zwischen den Produktgruppen gewährleistet, woraufhin sich verändernde Präferenzen der Nachfrager u.U. nicht berücksichtigt werden [FrWe93, S. 159].
Die praktische Umsetzung der Ramsey Bepreisung weist einige Probleme auf. Zum einen besteht in der Praxis meist ein Informationsproblem bezüglich der Grenzkosten, der Nachfragefunktion und der Preis- und Kreuzpreiselastizitäten. Da die Beschaffung dieser Informationen oftmals sehr aufwendig und teuer ist, werden in der Praxis meist restriktive Annahmen getroffen wie z.B. konstante Grenzkosten und eine unabhängige und lineare Nachfrage. Des Weiteren ist die politische Durchsetzbarkeit einer solchen Preisstruktur aufgrund von Gerechtigkeitsvorstellungen der Gesellschaft meist schwierig. Geringe Preiselastizitäten weisen meist diejenigen Personengruppen auf, die z.B. aus finanziellen Gründen sich keiner anderen Alternative bedienen können. Wird der Tarif von öffentlichen Verkehrsmitteln für Geringverdiener ohne eigenes Auto erhöht, bleibt diesen Konsumenten keine alternative Transportmöglichkeit [BoFi99, S. 180f.]. Darüber hinaus weisen die Kreuzpreiselastizitäten in der Praxis meist einen Wert ungleich Null auf, so dass diese in die Preisbildung mitberücksichtigt werden müssen [FrWe93, S. 159].
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Differenzierte Preisbildungsprinzipien (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?404813
Literatur
[Aber03a] Aberle, G. Transportwirtschaft, veröffentlicht in Aber03, Oldenbourg / München, 2003
[BoFi99] Borrmann, J., Finsinger, J. Markt und Regulierung, Verlag Franz Vahlen, München, 1999/09/14, ISBN/ISSN 3800624710
[FrWe93] Fritsch, M., Wein, T., Ewers, H-J. Marktversagen und Wirtschaftspolitik: mikroökonomische Grundlagen staatlichen Handelns, Verlag Franz Vahlen, München, 1993, ISBN/ISSN 3800617463
[Kenn91] Kenneth, T. Ramsey Prices, veröffentlicht in Optimal Regulation: The Economic Theory of Natural Monopoly, The MIT Press, Cambridge, USA, 1991/08/12, ISBN/ISSN 0262200848
Glossar
Grenzkosten Die Grenzkosten des Faktoreinsatzes bezeichnen die zusätzlichen Kosten, die für den Einsatz jeweils einer zusätzlichen Faktoreinheit entstehen oder anders ausgedrückt: sie bezeichnen die Kosten der jeweils "letzten" Faktoreinheit. Da nur die variablen Kosten sich verändern, gehen auch nur diese in die Grenzkosten ein. Fixe Kosten werden nicht berücksichtigt. Die Grenzkosten des Faktoreinsatzes entsprechen im allgemeinen, d.h. bei proportionalen variablen Kosten, den variablen Durchschnittskosten. Weist jedoch die Funktion der variablen Kosten einen diskontinuierlichen Verlauf auf, weil bspw. ab einer bestimmten Grenze variable Abschreibungen entstehen, dann müssen die variablen Kosten der letzten Faktoreinheit zur Bestimmung der Grenzkosten herangezogen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?402933

Gedruckt am Dienstag, 25. Februar 2020 16:21:43