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Betriebliche Anforderungen und Auswirkungen des schnellen Schienengüterverkehrs

Erstellt am: 19.11.2012 | Stand des Wissens: 28.03.2019
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Trassenproblematik
Für jeden Zug muss eine Fahrplantrasse vorgeplant werden. Es obliegt dem Eisenbahninfrastrukturunternehmen, die Fahrtwünsche der Eisenbahnverkehrsunternehmen in einem sicheren und stabilen Netzbelegungsplan zu koordinieren und den Betrieb auf dieser Basis dann zuverlässig durchzuführen. Die knappen Ressourcen müssen optimal vergeben werden, was bei einer einheitlichen Fahrdynamik, das heißt bei einer identischen Geschwindigkeit für alle Züge auf einer Strecke, in größeren Zeiträumen am besten gelingt.

Ein mit 160 Kilometer pro Stunde verkehrender Zug des schnellen Schienengüterverkehrs (sSGV) läuft früher oder später auf vor ihm mit einer Höchstgeschwindigkeit von lediglich 120 Kilometer pro Stunde fahrende Güterzüge auf und muss sich dann deren Geschwindigkeit anpassen, bis die nächste Überholungsmöglichkeit erreicht ist. Die Gesamteffizienz - das zeigten die Versuche zwischen Hannover und Fulda/Würzburg im Zeitraum zwischen 1990 und 1992 - leidet daher durch nur wenige schnelle Güterzüge gegenüber einer harmonischen Belegung mit vielen Güterzügen gleicher Fahrtgeschwindigkeit. (Vergleiche hierzu beispielsweise [SiHö90]).

Begegnungsproblematik
Insbesondere bei der Begegnung zweier Güterzüge treten große Luftdruckschwankungen auf. Die Begegnung mit dem schnellen Personenverkehr in Tunnelabschnitten dürfen fahrplanmäßig nicht vorgesehen sein und sind signaltechnisch auszuschließen [EBA08, S. 23, Möll08, S.2]. Einige Vorfälle mit Güterzügen auf Schnellfahrstrecken (SFS) zeigen, dass diese Problematik relevant ist. In Konsequenz werden Tunnel heute nur noch in eingleisiger Bauweise und mit Querschlägen zwischen den beiden parallelen Richtungstunneln ausgeführt [EBA08, S. 10]. Damit ergeben sich in den kritischen Bereichen keine Begegnungen mehr und das Rettungskonzept vereinfacht sich.

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Realisierungspotenziale schneller Schienengüterverkehrsangebote (Stand des Wissens: 13.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?402425
Literatur
[Möll08] Möller, M. Richtlinie 810.0200A61: Bautechnik, Leit-, Signal- und Telekommunikationstechnik - Technischer Netzzugang für Fahrzeuge - Schnellfahrstrecken für Geschwindigkeiten über 250 km/h, 2008/04/15
[SiHö90] Siegmann, J., Hörstel, J., Gaidzik, M., Sustrate, V., Kruse, B., Günzel, H. ICE - G
Sehr schneller Güterverkehr auf der Pilotrelation Hamburg - München, Hannover, 1990
Rechtsvorschriften
[EBA08] Anforderungen des Brand- und Katastrophenschutzes an den Bau und den Betrieb von Eisenbahntunneln
Glossar
Eisenbahninfrastrukturunternehmen Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) ist ein Rechtsbegriff des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG). Gemäß § 2 Abs. 1 AEG sind Eisenbahninfrastrukturunternehmen öffentliche Einrichtungen oder privatrechtlich organisierte Unternehmen die eine Eisenbahninfrastruktur betreiben.
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Schnellfahrstrecke
Eine Schnellfahrstrecke (SFS) ist eine Eisenbahnstrecke, die mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h oder mehr befahren werden kann. Der Begriff entstand im Rahmen der technischen Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs (HGV). Er ist nicht geschützt beziehungsweise einheitlich definiert. Die obere Geschwindigkeitsgrenze von SFS schwankt daher zwischen 160 und 200 km/h. Zu beachten ist, dass ab einer Geschwindigkeit von 160 km/h statt der punktförmigen (PZB) eine linienförmige Zugbeeinflussung (LZB) zur Zugsicherung notwendig ist!
Schneller Schienengüterverkehr
Als schnellen Schienengüterverkehr (sSGV) werden Verkehre bezeichnet, die für die Geschwindigkeiten über 120 km/h zugelassen sind. Die Güterzüge des sSGV sind mit Leit- und Bremstechnik ausgerüstet, die auch im Schienenpersonenfernverkehr zum Einsatz kommt. Diese Angebotsform ist insbesondere im Kombinierten Verkehr (vor allem Seehafenhinterlandverkehr) anzutreffen.
Fahrplantrasse Die Fahrplantrasse bezeichnet die gemäß Fahrplan vorgesehene Belegung einer Streckenabschnittsfolge durch eine Zugfahrt. Anhand einer Fahrplantrasse wird der Lauf eines Zuges somit sowohl in zeitlicher als auch in räumlicher Dimension spezifiziert.
Eisenbahnverkehrsunternehmen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind öffentliche Einrichtungen oder privatrechtlich organisierte Unternehmen, die Eisenbahnverkehrsleistungen erbringen. "Eisenbahnverkehrsunternehmen" stellt einen europarechtlichen Begriff dar, welcher durch nationales Recht in Form von § 2 (1) des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) konkretisiert wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?402384

Gedruckt am Freitag, 12. August 2022 12:09:12