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CargoSprinter

Erstellt am: 15.11.2012 | Stand des Wissens: 26.02.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Der CargoSprinter war ein für den Kombinierten Verkehr konzipierter Gütertriebwagen mit Dieseltraktion, der von den Firmen Windhoff und Bombardier/Waggonfabrik Talbot auf Basis von Containertragwagen entwickelt wurde (siehe Abbildung 1). Das Konzept und die Technik des Triebwagens waren stark dem Lkw-Bau entlehnt, zum Beispiel basierte der Antrieb des CargoSprinters auf Lkw-Dieselmotoren. Ziel war es, ein Fahrzeug zu entwickeln, das hinsichtlich der Investitionskosten und der Flexibilität mit dem Lkw vergleichbar sein sollte. Ein Cargo-Sprinter-Triebzug konnte bis zu zehn Wechselbehälter, wie beziehungsweise Container, befördern. Die Höchstgeschwindigkeit bei maximaler Zuladung von 160 Tonnen betrug 100 Kilometer pro Stunde (km/h), bei 112 Tonnen Zuladung betrug die Höchstgeschwindigkeit 120 km/h [Dorn97, S. 35, Abb. 12].
CargoSprinter_500x496.jpgAbb. 1: CargoSprinter (Quelle: Windhoff Bahn- und Anlagentechnik GmbH)
Das Kuppeln von mehreren Transporteinheiten zu einem größeren Verband konnte minutenschnell mit Hilfe einer automatischen Zugkupplung und kontaktloser Daten- und Energieübertragung erfolgen. Auf diese Weise war es möglich, in kurzer Zeit eine siebenteilige Container-Triebzugkombination zusammenzustellen. Betrieblich war daher vorgesehen, dass an gemeinsamen Zielpunkten die Einzeleinheiten individuell voneinander getrennt oder neu zusammengestellt werden und so eine Feinverteilung der Ladung bei einem gemeinsamen Hauptlauf möglich ist. Für einen automatischen Betrieb waren die Fahrzeuge jedoch nicht ausgestattet.

Mit dem CargoSprinter sollten Verkehre aus Gleisanschlüssen in der Fläche für die Schiene zurückgewonnen werden. Zusammen mit der Deutsche Bahn Cargo AG hatte die Spedition Hellmann Worldwide Logistics GmbH & Co. KG ein Konzept ausgearbeitet, welches 34 CargoSprinter-Verbindungen beinhaltete. 340 Wechselbrücken wären somit auf die Schiene verlagert worden, die gleichzeitig 170 Lkw-Fahrten eingespart hätten. 1997 wurde auf verschiedenen deutschen Strecken der Testbetrieb aufgenommen. Eine unbefristete Zulassung wurde den Triebwagen der Baureihe 690/691 durch das Eisenbahn-Bundesamt nie erteilt.

Durch Baumaßnahmen der Deutschen Bahn AG (DB AG) während der Expo 2000 reduzierte sich die Pünktlichkeit auf zeitweise nur 70 Prozent. Deshalb stieg die Spedition Hellmann aus dem Programm aus [Schw00, S. 576 ff.]. Der CargoSprinter verschwand drei Jahre nach seiner Vorstellung durch die DB AG vollständig von der Bildfläche. Die ÖBB-Holding AG (Österreichische Bundesbahn) kaufte im Jahre 2004 drei der seit 1999 abgestellten CargoSprinter-Garnituren der DB AG auf und baut sie zu "Tunnelrettungssprintern" um. "Das Konzept der ÖBB-Rettungszüge erfordert zwei Dieseltriebfahrzeuge, eines schiebend hinter den Feuerwehrwagen (und stets bereit für eine Fluchtfahrt der Einsatzkräfte) und ein zweites für einen eventuellen Pendeldienst mit dem Rettungswagen" [Petr11]. Die Rettungszüge sind vornehmlich entlang des 8371 Meter langen Tauerntunnels stationiert. Einer der CargoSprinter gelangte über die ÖBB in die Schweiz. Dort fungiert er als Pendelzug mit einer Lokomotive der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) am anderen Ende und wird für den Baustofftransport zwischen einer Kiesgrube und einer Großbaustelle in Zürich eingesetzt [Petr11].
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Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Realisierungspotenziale schneller Schienengüterverkehrsangebote (Stand des Wissens: 13.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?402425
Literatur
[Dorn97] Dorn, Carsten Innovative Fahrzeugtechnik für den Güterverkehr , veröffentlicht in Einsenbahningenieur, Ausgabe/Auflage 06/1997, DVV Media Group GmbH, Hamburg , 1997/06, ISBN/ISSN 0013-2810
[Petr11] Petrovitsch, H. Retter im Tunnel, veröffentlicht in Eisenbahn Magazin, Ausgabe/Auflage 01/2011, Alba Publikation Alf Teloeken GmbH & Co. KG, Düsseldorf, 2011/01, ISBN/ISSN 0342-1902
[Schw00] Schwarz, Axel Umschlag de luxe, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 12/2000, DVV Media Group GmbH, Hamburg , 2000/12, ISBN/ISSN 0020-9511
Glossar
Traktion Unter Traktion versteht man im Schienenverkehrsbereich die kraftgetriebene Fortbewegung von Triebfahrzeugen. Bei der Art des Antriebssystems unterscheidet man heutzutage i. d. R. Triebfahrzeuge mit dieselelektrischen oder -hydraulischen bzw. rein elektrischen Aggregaten zur Kraftübertragung (auch: Diesel- bzw. Elektrotraktion).  Die Traktionsart Dampf wird hierzulande nur noch im Bereich von Museumsbahnen eingesetzt. Mehrere gekoppelte Triebfahrzeuge bilden eine sog. Mehrfachtraktion. Üblicherweise werden diese nach der Anzahl der eingesetzten Triebfahrzeuge benannt (z. B. Doppel- oder Dreifachtraktion).
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Hauptlauf Unter dem Hauptlauf ist im Kombinierten Verkehr der gebündelte Transport von Ladeeinheiten zwischen zwei Umschlagpunkten zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Transportmittel. Transporte vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger werden als Vor- bzw. Nachlauf bezeichnet.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist ene chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Eisenbahn-Bundesamt Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für die Eisenbahnen des Bundes und Eisenbahnunternehmen mit Sitz im Ausland für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Es nimmt darüber hinaus die Landeseisenbahnaufsicht über die nichtbundeseigenen Eisenbahnen auf Weisung und Rechnung von 13 Bundesländern für diese wahr.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Wechselbehälter Ein für den Gütertransport bestimmter Behälter, der im Hinblick auf die Abmessungen von Straßenfahrzeugen optimiert wurde und mit Greifkanten für den Umschlag zwischen den Verkehrsmitteln - in der Regel Straße-Schiene - ausgestattet ist. Gebräuchlich sind Behälter mit Längen von 7 m (Klasse C) und 13 m (Klasse A).
Triebfahrzeug
Ein Triebfahrzeug (Tfz) ist ein einzelnes Regeleisenbahnfahrzeug mit einem eigenen Fahrzeugantrieb (Lokomotiven, Triebwagen). Eine Sonderform bilden Triebköpfe, die in einem fest gekoppelten Triebzug zusammen mit antriebslosen Mittel- und Steuerwagen betrieben werden. Lokomotiven kommen normalerweise im Verbund mit gekoppelten Reisezug- oder Güterwagen zum Einsatz. Triebwagen sowie auch Triebzüge werden als gekoppelten Einheiten gleichen Typs in sogenannten Triebwagenzügen eingesetzt. Weitere Tfz sind Kleinlokomotive und selbstfahrende Nebenfahrzeuge.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?402123

Gedruckt am Samstag, 15. August 2020 10:33:43