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Entwicklung der Endgerätepenetration als Voraussetzung für die Nutzung von Informations- und Kommunikationsdiensten

Erstellt am: 30.10.2012 | Stand des Wissens: 13.09.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Voraussetzung für die Nutzung von Informations-, Auskunfts-, Routenplanungs-, Navigations- und auch Elektronischen Ticket-Diensten (E-Ticket-Dienste) ist die Verfügbarkeit der entsprechenden Endgeräte beim Verkehrsteilnehmer. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen stationär nutzbaren und mobil einsetzbaren Endgeräten. Im Folgenden wird insbesondere die Entwicklung der Endgeräteverfügbarkeit beim privaten Nachfrager (wie Computer, Mobiltelefone mit besonderem Fokus auf Smartphones und Navigationsgeräte) aufgezeigt. Dabei ist davon auszugehen, dass Computer inklusive Notebooks und Laptops in der Regel für die Nutzung von Diensten in der Pre-Trip-Phase (vor Fahrtantritt) genutzt werden, während Dienste über Mobiltelefone insbesondere Smartphones, aber auch Tablet-PCs vorwiegend in der On-Trip-Phase (während der Reise) zum Einsatz kommen. Dies gilt ebenso für fest im Fahrzeug eingebaute Navigationsgeräte.

401054_Kategorisierung von Endgeraten_13-09-2019.pngAbb. 1: Kategorisierung von Endgeräten
Anfang des Jahres  2017 verfügten entsprechend der Angaben des statischen Bundesamtes 90 Prozent der deutschen Haushalte über einen Computer (stationär und/ oder mobil). 91,1 Prozent der deutschen Haushalte besaßen einen Internetanschluss (stationär und/oder mobil) [DESTATIS18c, S. 182]. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands ab dem Alter von 10 Jahren kommt die empirische Erhebung des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2017 zu dem Ergebnis, dass 84 Prozent das Internet privat nutzen. Im ersten Quartal 2017 haben zudem 81 Prozent der Internetnutzer ab 10 Jahren einen mobilen Zugang zum Internet genutzt [DESTATIS18c, S. 217].
Der Ausstattungsgrad privater Haushalte mit Computern, deren Internetanbindung sowie die Intensität der Internetnutzung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht [DESTATIS18c]. Bei der Internetnutzung ergibt sich insbesondere ein differenziertes Bild in Bezug auf die verschiedenen Altersgruppen. Wie nachfolgende Abbildung verdeutlicht, nutzten im Jahr 2014 nahezu alle Bürger bis 40 Jahre mindestens selten das Internet, bei den 40- bis 59-Jährigen sind 82 bis 94 Prozent und bei den über 60-Jährigen lediglich 45 Prozent, wobei von einer weiteren stetigen Steigerung der Nutzungszahlen in den älteren Bevölkerungsgruppen auszugehen ist. Werden dazu die nachfolgenden Jahre 2015 bis 2017 verglichen, steigt vor allem der Anteil an Internetnutzenden bei den Personengruppen ab 50 Jahren deutlich [KoFr17, S. 435].
Internetnutzung.JPGAbb. 2: Internetnutzung nach Altersgruppen im Zeitverlauf 2003 - 2017 (ARD/ZDF Onlinestudie) [KoFr17, S. 435] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ähnlich sieht die Entwicklung der Penetration von Mobiltelefonen und deren Nutzung aus. Laut dem "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V." (BITKOM) vom August 2013 besitzen über 63 Millionen Bundesbürger ein Mobiltelefon, das sind 90 Prozent der über 14-Jährigen in Deutschland [Bit13]. Betrachtet man dies auf Haushaltsebene, so erhöhte sich die Anzahl der privaten Haushalte mit mindestens einem Mobiltelefon von 33 Millionen im Jahr 2012 auf 36 Millionen im Jahr 2017 [DESTATIS18c, S. 182]. Die Internetfähigkeit von Mobiltelefonen wird als Entscheidungskriterium für den Kauf eines neuen Endgeräts immer wichtiger. Zunehmend an Bedeutung gewinnen hier die Smartphones nicht zuletzt unter dem Aspekt der Nutzung mobiler Dienste zur Unterstützung der individuellen Mobilität, indem die Orientierung und das Routing im Verkehr sowie eine verkehrsträgerübergreifende komfortable Tür-zu-Tür-Mobilität unterstützt wird. Die komfortable Internetnutzung und die Implementierung von vielfältigen nutzerfreundlichen Diensteangeboten werden dabei insbesondere durch die technische Ausstattung der Smartphones ermöglicht. Dazu zählen unter anderem:
  • große Displays mit hohen Auflösungen
  • immer leistungsfähigere Prozessoren,
  • leistungsfähige hochauflösende Kameras für Fotografie, Video aber auch Gesichtserkennung,
  • multiple Konnektivität (zum Beispiel "High Speed Packet Access" (HSPA+), "High Speed Uplink Packet Access" (HSUPA), "Wireless Local Area Network" (WLAN), "Global Positioning System" (GPS), Bluetooth, "Near Field Communication" (NFC), "Long-Term-Evolution" (LTE)),
  • vielfältige Hardwaresensorik (zum Beispiel Accelerometer, location sensors, Gyroscope, Magnetometer, Proximity Sensor, Luxmeter),
  • zunehmende Kapazitäten auf internen und externen Speichern,
  • leistungsfähige Betriebssysteme für mobiles Internet (zum Beispiel iOS und Android),
  • installierte Software (zum Beispiel Sprachassistenten, Kartenmaterial, Navigations-/Routing-Software),
  • komfortable mobile Internetnutzung inklusive des vom installierten Betriebssystem abhängigen Zugriffs auf die entsprechenden Online-Application (App) -Marktplätze (zum Beispiel Apple App-Store und Google Play).
Der Absatz von Smartphones stieg in Deutschland von 5 Millionen im Jahr 2008 [ComS15a] auf 25 Millionen Smartphones im Jahr 2017, scheint sich aber auf diesem Niveau zu stabilisieren, da der Absatz im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurückging [Amet17, S. 7].
Wohingegen die tägliche Unterwegsnutzung des Internets 2015 noch bei 18 Prozent der ab 14-Jährigen lag, greifen 2017 rund 30 Prozent unterwegs auf das Internet zu. Vor allem die Personengruppe der 14- bis 29-Jährigen nutzt das mobile Internet besonders intensiv, hier liegt der Wert bei rund 64 Prozent [ARD17, S. 7]. In verschiedenen empirischen Studien wird klar herausgearbeitet, dass bei der Entscheidungsfindung zur Anschaffung eines Smartphones unter anderem  die Verfügbarkeit von Anwendungen zur Routenplanung und Navigation einen großen Einfluss hat.
Klassische Navigationsgeräte können im Gegensatz zu den multifunktionalen Smartphones als Stand-alone-Geräte bezeichnet werden, die entweder als festes Navigationssystem in einem Fahrzeug eingebaut sind oder als tragbare Endgeräte fahrzeugunabhängig genutzt werden können. Während der Absatz von Navigationsgeräten zwischen 2005 und 2008 von 0,67 Millionen auf 4,3 Millionen im Jahr stetig stieg, verringerte er sich bis 2016 auf 1,7 Millionen im Jahr. Es kann von einer gewissen Sättigung beziehungsweise einer Verdrängung durch Smartphone und Tablet PCs ausgegangen werden. Wie die nachfolgende Abbildung verdeutlicht, stieg die Penetration von mobilen tragbaren Navigationsgeräten stärker als die von festeingebauten. Jeder zweite Haushalt verfügte zu Beginn des Jahres 2017 über ein Navigationsgerät [DESTATIS18c, S. 182]. Mit der zunehmenden Penetration der multifunktionalen Smartphones mit vielfach integrierten Navigationssystemen und nutzerfreundlichen Applikationen zur Routenplanung und Navigation wird die Bedeutung der tragbaren Stand-alone-Navigationsgeräte zurückgehen.
Die Verfügbarkeit und Funktionalitäten der Endgeräte inklusive ihrer Internetfähigkeit sind entscheidende Voraussetzungen für die Nutzung von Informations- und Kommunikations- (IuK-) Diensteangeboten. Beispielsweise können Dienste über die Endgeräte nur dann mit dynamischen Daten arbeiten, wenn eine Internetverbindung hergestellt ist. In den vergangenen Jahren wurden die Endgeräte enorm weiterentwickelt und der Trend geht vom fest installierten Endgerät zu kleinen, mobilen und vielseitig einsetzbaren sogenannten multifunktionalen Geräten. Hinzu kommt, dass die Leistungsfähigkeit der Speicher, der Betriebssysteme und der generelle Funktionsumfang weiterhin ständig steigen. Die Vergrößerung der Displays erleichtert die Nutzung von Texten, Bildern aber auch geografischen Karten, womit die Bedienfreundlichkeit deutlich erhöht wird.
"Die mobile Internetnutzung hat den Durchbruch im Massenmarkt geschafft" [Bitk10]. Voraussetzung dafür war unter anderem die schnelle Akzeptanz und Verbreitung der Smartphones. Funktionen, die in der Vergangenheit fast ausschließlich auf stationären Endgeräten möglich waren, sind nunmehr von überall aus nutzbar. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass Engpässe bei der Bandbreite und damit der Down- und Upload-Geschwindigkeiten durch den Ausbau der "Universal Mobile Telecommunications System" (UMTS) und LTE-Netze an Bedeutung verlieren werden.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Literatur
[Amet17] Hannes Ametsreiter Smartphone-Markt: Konjunktur und Trends 2017, 2017/02/22
[ARD17] Projektgruppe ARD/ZDF-Multimedia (Hrsg.) Kernergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2017, 2017/10/11
[Bit13] BITKOM - Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Hrsg.) 63 Millionen Handy-Besitzer in Deutschland, 2013/08/26
[Bitk10] Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Hrsg.) Internet per Handy erobert den Massenmarkt, 2010/10/05
[ComS15a] comScore Anteil der Smartphone-Nutzer an allen Mobilfunknutzern in Deutschland von Januar 2010 bis August 2013, 2015
[DESTATIS18c] Statistisches Bundesamt Statistisches Jahrbuch 2018 , 2018
[KoFr17] Wolfgang Koch, Beate Frees ARD/ZDF-Onlinestudie 2017: Neun von zehn Deutschen online, veröffentlicht in Media Perspektiven, Ausgabe/Auflage 9/2017, 2017/09
Weiterführende Literatur
[StaBu14] Statistisches Bundesamt 63% der Internetnutzer/-innen surfen auch mobil, 2014
[InDe15] Institut für Demoskopie Allensbach (Hrsg.) Allensbacher Computer- und Technik-Analyse: Computergestützte Navigation und digitale Karten, Allensbach, 2015
[Bit11] Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Hrsg.) Handy statt Festnetz, 2011/10/09
[Destatis17b] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Kapitel 6 Einkommen, Konsum, Lebensbedingungen aus dem Statistischen Jahrbuch 2017, 2017/10/16
[Destatis17c] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Kapitel 7 Kultur, Medien, Freizeit aus dem Statistischen Jahrbuch 2017, 2017/10/16
[StaBu15] Statistisches Bundesamt Wirtschaftsrechnungen. Laufende Wirtschaftsrechnungen. Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern, 2015
Glossar
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
Bluetooth Technologie für die drahtlose Übermittlung von Sprache und Daten über kurzwe Distanzen im frei verfügbaren ISM-Band (Industrial-Scientific-Medical-Band)
WLAN Als Wireless Local Area Network (deutsch: drahtloses lokales Netzwerk) wird ein lokales Funknetz und dessen verschiedene Techniken und Standards bezeichnet.
HSPA
High Speed Packet Access (HSPA) ist die Weiterentwicklung von UMTS, dem Mobilfunkstandard der dritten Generation. HSPA erzielt höhere Datenraten als UMTS und kann je nach Richtung des Datentransfer in HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) und HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) unterschieden werden. HSDPA kommt beim Download von Daten zum Einsatz und kann bis zu 14,4 Megabit pro Sekunde erreichen. Im Gegensatz dazu ist beim HSUPA der Upload von Daten gemeint, der 5,76 Megabit pro Sekunde erzeugen kann.
NFC Near Field Communication (NFC) ist eine drahtlose Übertragungstechnologie, die zum kontaktlosen Datenaustausch zwischen Geräten im Close-Coupling-Entfernungsbereich (nur wenige Zentimeter) dienen soll und bei zuständigen Standardisierungsgremien spezifiziert ist, z.B. ISO 18092, ECMA 340, ETSI TS 102 190. NFC wurde ab dem Jahr 2002 entwickelt (Firma NXP und Sony). Dabei wurde z.B. auf RFID- und Bluetooth-Standards zurückgegriffen. An der Weiterentwicklung sind im NFC-Forum zusammengeschlossene Unternehmen beteiligt (www.NFC-Forum.org) Der Funkstandard NFC ist gezielt auf geringe Reichweiten im Zentimeterbereich entwickelt worden, um das Ausspähen der übertragenen Daten zu erschweren. Durch die extrem kurze Distanz sind unbeabsichtigte Verbindungen nahezu ausgeschlossen. NFC arbeitet im Frequenzband von 13,56 Megahertz mit einer Übertragungsrate von maximal 424 Kilobit pro Sekunde und einer Reichweite von 10 bis 20 Zentimetern.
LTE
Long-Term-Evolution (LTE) ist nach dem analogen Mobilfunknetz, dem GSM-Standard (2G) und dem UMTS-Standard (3G) der inzwischen vierte Mobilfunkstandard (4G), der deutlich höhere Downloadraten mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde erreichen kann.
LTE-Advanced, kurz LTE-A, ist eine Erweiterung von LTE und soll Datenraten bis zu einem Gigabit pro Sekunde beim Herunterladen von Inhalten erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das klassische LTE Netz mit der neuen Technologie aufgerüstet werden.
UMTS Abkürzung für Universal Mobile Telecommunications System. Internationaler Standard für zellulare Mobilfunknetze, der bei einer Datenübertragungsrate von bis zu 2 Megabit pro Sekunde neben den klassischen Mobilfunkdiensten auch mobile Multimediaanwendungen und einen Internetzugang ermöglicht.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?401054

Gedruckt am Dienstag, 18. Februar 2020 04:18:52