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Handelsunternehmen

Erstellt am: 29.08.2012 | Stand des Wissens: 20.05.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Ein Handelsunternehmen beschäftigt sich mit dem Vertrieb von Gütern, insbesondere Waren (Sachleistungen), ohne diese wesentlich zu be- oder verarbeiten. Ein reines Handelsunternehmen besitzt im Regelfall die Fertigungstiefe null [HoHe11, S.98]. Grundsätzlich wird zwischen Einzelhandel (Retail-Branche) und Großhandel (Wholesale-Branche) unterschieden. Dabei beliefert der Großhandel den Einzelhandel in verschiedenster Form je nach Sortimentsplanung [Tiet93]. Häufiger ist die äquivalente Benutzung der Begriffe Handelsbetriebe und Handelsunternehmen anzutreffen [BaHa15, S. 1; Zent12, S. 1ff.].

Jedes Handelsunternehmen erbringt unterschiedliche Leistungen und Aufgaben als Schnittstelle zwischen dem Hersteller und den gewerblichen und nicht-gewerblichen Konsumenten der Produkte. Standardisierte Handelsfunktionen sind zum Beispiel Raumüberbrückungsfunktionen (Transport der Waren aus der Produktions- beziehungsweise Lieferantensphäre in die Nähe der Kunden), Zeitüberbrückungsfunktionen (Lagerhaltung) und Sortimentsfunktionen (konsumorientierte Bündelung von Produkten verschiedener Hersteller) [Pfoh18a, S. 99f.; ArIs08, S. 525].

In der logistischen Kette übernehmen das Handelsunternehmen zumeist die Rolle der Senke, also den Ort, an dem die Güter und Waren angeliefert und angenommen werden. Eine Überlastung der Laderampe kann beispielsweise Störungen bei der Verladung verursachen und hat Konsequenzen für alle beteiligten Akteure. Dazu gehören zum Beispiel Engpässe bei der Verfügbarkeit von Waren und Schwierigkeiten bei der Fahrer- und Fahrzeugdisposition. Folglich sollte es grundsätzlich das Ziel aller beteiligten Akteure der Lieferkette sein, Störungen und Ineffizienzen an der Laderampe zu minimieren. Das Machtgefüge im Rampenmanagement ist jedoch derart ausgestaltet, dass große Handelsunternehmen gegenüber den einzelnen Frachtführern und Speditionen eine deutlich stärkere Verhandlungsposition haben. Die Konsequenzen der Ineffizienzen an der Rampe, wie zum Beispiel lange Warte- und Standzeiten oder blockierte Fahrzeuge, können in der Konsequenz vielfach auf die Frachtführer beziehungsweise Speditionen abgewälzt werden [BAG11, S. 9]. Die Verlader beziehungsweise die Handelsunternehmen haben so zumeist kein Interesse, entsprechende Anpassungen am Rampenmanagement vorzunehmen, da sie die negativen Konsequenzen nicht tragen, an Veränderungen jedoch aktiv mitwirken müssten [Berg11]. Im Handbuch,"Schnittstelle Laderampe - Gute Beispiele", das im Jahr 2014 vom BMVI herausgegeben wurde, wurden Unternehmen zu der Wartezeit an der Laderampe befragt. Ein größerer Anteil von den Befragten nahm seit dem Jahr 2010 keine Veränderung der Wartezeit wahr. Ebenfalls bewerten rund 44 Prozent der Unternehmen die im Handbuch beschriebenen Lösungsansätze für nicht hilfreich, weitere 33 Prozent bewerten diese mit "neutral". Nur wenige Unternehmen gaben an, Maßnahmen eingeleitet zu haben, um eine Verbesserung an der Laderampe zu erzielen [BAG16a, S. 2f.].


Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Rampenmanagement (Stand des Wissens: 13.03.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?397693
Literatur
[ArIs08] Arnold, D., Isermann, H., Kuhn, A., Furmans, K., Tempelmeier, H. Handbuch Logistik, Ausgabe/Auflage 3., neu bearbeitete Auflage, Springer-Verlag / Berlin Heidelberg, 2008, ISBN/ISSN 3540729283
[BAG11] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) (Hrsg.) Marktbeobachtung Güterverkehr, Sonderbericht zur Situation an der Laderampe, 2011/01
[BAG16a] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) (Hrsg.) Marktbeobachtung Güterverkehr Abläufe an den Laderampen verbessern, Druckerei des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur Bundesamt für Güterverkehr, 2016/03/21
[BaHa15] Barth, Klaus, Hartmann, Michaela, Schröder, Hendrik Betriebswirtschaftslehre
des Handels (7.Auflage), 2015, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-8349-7184-5
[Berg11] Bergrath, J. Stresszone Rampe, Handelsembargo, 2011/10
[HoHe11] ten Hompel, Michael , Heidenblut, Volker , , Taschenlexikon Logistik, 2011
[Pfoh18a] Pfohl, Hans-Christian Logistiksysteme (9.Auflage), Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg, 2018, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-662-56228-4
[Tiet93] Tietz, B., Der handelsbetrieb: Grundlagen der Unternehmenspolitik, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, 1993
[Zent12] Zentes Joachim, Handbuch Handel: Strategien Perspektiven Internationaler Wettbewerb, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2012, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-8349-3847-3, ISBN/ISSN 978-3-8349-3847-3
Glossar
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?397466

Gedruckt am Samstag, 28. Mai 2022 01:06:12