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Strukturelle Rahmenbedingungen des Güterverkehrs

Erstellt am: 07.04.2003 | Stand des Wissens: 24.08.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Strukturwandel, Deregulierung und Liberalisierung haben die ökonomischen Rahmenbedingungen des Güterverkehrs verändert. Zudem bestimmen moderne und flexible Logistikkonzepte das Marktgeschehen [Aber94, S. 8]. Daraus resultiert ein erheblicher Anpassungsdruck auf die verschiedenen Akteursgruppen im Güterverkehr, wie die Verlader, Transporteure oder Empfänger. Industrie, Handel und Konsumenten stellen hohe Anforderungen an Flexibilität, Geschwindigkeit und Preis der Leistungserstellung im Güterverkehr. Diese Entwicklung führt oft zu mehr Güterverkehr - mit entsprechenden Konsequenzen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur.

Infolgedessen ist die Güterverkehrsleistung in Deutschland bis zum Jahr 2008 stärker gewachsen als die Wirtschaftsleistung (siehe Abbildung 1). Die Bundesregierung misst dies anhand des Indikators "Gütertransportintensität", welcher die inländische Güterbeförderungsleistung in Tonnenkilometern in Relation zum preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) beschreibt. Ziel der Bundesregierung ist es, bis zu Jahr 2020 die Gütertransportintensität um 5 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr 1999 zu senken. Im Zeitraum 1999 bis 2012 stieg die Gütertransportintensität jedoch um 8,8 Prozent an. Im Jahr 2009 kam es aufgrund der Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Leistungen sowie zu einem Einbruch der Beförderungsleistung, sodass sich die Transportintensität kurzzeitig dem angestrebten Ziel annäherte. Im Jahr 2010 stieg die Beförderungsleistung mit der wirtschaftlichen Erholung jedoch wieder an. Die neusten verfügbaren Daten zeigen nun einen leichten Rückgang der Gütertransportintensität seit 2010 (siehe Abbildung 1).

Rahmenbedingungen-Grafik.jpgAbb. 1: Entwicklung der Gütertransportintensität in Deutschland [Destatis16, S.20] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Im Detail wird die Entstehung von Güterverkehr durch verschiedene Effekte und Entwicklungen beeinflusst, die im Folgenden beschrieben werden:
  • Liberalisierungs- und Deregulierungseffekt: Globale Warenströme führen zu einem massiven Anstieg des internationalen Güterverkehrs. Der Güterverkehr in Deutschland ist in diesem Zusammenhang von dem Wegfall der innerdeutschen Grenzen, dem Ausbau des europäischen Binnenmarktes und der EU-Osterweiterung geprägt.
  • Güterstruktureffekt: Der Wandel der Produktionsstruktur von Massengütern zu hochwertigen Stückgütern hat Auswirkungen auf den Güterverkehr und die Logistik. So stieg zum Beispiel der Anteil der auf der Schiene transportierten Fahrzeuge und Maschinen sowie Halb- und Fertigwaren am Schienengüterverkehrsaufkommen von 17,5 Prozent im Jahr 2000 auf 25,5 Prozent in 2010 [BMVBS13y].
  • Logistikeffekt: Neue Logistikkonzepte in der Industrie und dem im Handel haben verkehrsträgerspezifische Wirkungen und erhöhen die Güterverkehrsleistung, wie zum Beispiel der Trend, Lagerflächen und -kosten zu reduzieren und deshalb Güter bedarfssynchron in immer kleineren Sendungsgrößen bei höherer Lieferfrequenz anzuliefern [Pann94] [Strau97].

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Güterverkehrs (Stand des Wissens: 19.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293786
Literatur
[Aber94] Aberle, G. Makrologistische Rahmenbedingungen für den Aufbau von Logistikketten, Berlin, 1994
[BMVBS13y] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin Verkehr in Zahlen 2013/2014, Ausgabe/Auflage 42. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2013, ISBN/ISSN 978-3-87154-493-4
[Destatis16] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Umweltökonomische Gesamtrechnungen
Nachhaltige Entwicklung in Deutschland
Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie, 2016
[Pann94] Pannek, G. , Talke, W. Güterverkehrszentren - Funktionalität und Handlungsbedarf, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 1994/3, 1994
[Strau97] Strauß, S. City-Logistik - Ein Instrument zur Verringerung des städtischen Güterverkehrs, veröffentlicht in Schriftenreihe Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7, Kassel, 1997
Glossar
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.
Güterstruktureffekt
Der Güterstruktureffekt beschreibt die Veränderung der Zusammensetzung des Verkehrsaufkommens im Entwicklungsprozess der Volkswirtschaften. Dabei findet die Umwandlung der Produktionsstruktur von Massengütern in hochwertige Stückgüter statt. Konträr dazu steht der Gütermengeneffekt, der durch eine relative Abnahme des Verkehrsaufkommens und eine gleichzeitige Zunahme der Tonnenkilometer gekennzeichnet ist.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?39404

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 11:29:27