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Flughafen Berlin - Sachlage, Besonderheit unabhängige Abflugverfahren

Erstellt am: 03.05.2012 | Stand des Wissens: 24.01.2019
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg BER hat das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung gemäß Paragraph 27 a Luftverkehrsordnung [LuftVO] im Januar 2012 die Flugrouten bestätigt. Diese wurden durch die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) unter Einbeziehung der Fluglärmkommission und des Umweltbundesamtes geplant.

Eine erste Entwurfsplanung für die Routen eines zukünftigen Großflughafens für die Region Berlin Brandenburg gab es schon im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 1997. Diese Entwürfe sahen noch parallele Abflugrouten (abhängiger Betrieb der beiden Start- und Landebahnen) für den Flughafen vor. Die Bevölkerung, aber auch die Politik, nahm diese Entwurfsplanung mehrheitlich als gegeben an. So wurden Baugebiete nicht nur, aber auch unter der Beachtung des zu erwartenden Lärmaufkommens in der Flughafenumgebung ausgewiesen. Jedoch ist eine Festlegung der Flugrouten im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens nicht vorgesehen. Der Entwurf dient lediglich als Orientierung für die Gesamtplanung. Die DFS [DFS10] und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung [BAF11] weisen auf diesen Sachverhalt immer wieder hin. 

Die DFS plante aufgrund des technologischen Fortschrittes und unter der Beachtung des zu erwartenden Verkehrswachstums sowie mit Einhaltung internationaler Richtlinien, komplett neue Flugverfahren im Abflug, welche mit dem vorhandenen Bahnabstand von 1.900 Metern einen unabhängigen Betrieb beider Start- und Landebahnen erlauben. Als dies im September 2010 der Fluglärmkommission und somit der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde, rief dies aufgrund der nun deutlich veränderten Lärmbetroffenheit eine Welle an Protesten hervor. Die erste Version einer finalen Luftraumstruktur wurde im Juli 2011 dem Bundesaussichtsamt für Flugsicherung vorgelegt. Gemäß Paragraph 32 b Luftverkehrsgesetz [LuftVG] fand eine Abstimmung mit der Fluglärmkommission statt und einzelne Änderungsvorschläge wurden angenommen. 

Parallel zu der fachlichen Erörterung durch Fluglärmkommission und Umweltbundesamtes, fand eine kontroverse öffentliche Diskussion der Flugrouten und insbesondere der damit einhergehenden Lärmbetroffenheit statt. Dazu wurden zahlreiche Bürgerinitiativen mit verschiedensten Interessen gegründet. Deren Forderungen entsprechend weit gestreut waren, zum Beispiel: 
  • Neugestaltung der Flugrouten in Anlehnung an die Verfahrensplanung im Planfeststellungsverfahren,
  • konsequentes Nachtflugverbot,
  • langfristige Schließung und Verlegung des Flughafens nach Spremberg.
Im September 2011 wurde die finale Auslegung der Flugrouten dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung [BAF12] nach eingängiger Prüfung und der nach Paragraph 32 Absatz 4 c [LuftVG] erforderlichen Benehmensherstellung mit dem Umweltbundesamt, welche soweit wie möglich berücksichtigt wurde, übergeben. Am 26. Januar 2012 erfolgte die entsprechende Festlegung der An- und Abflugverfahren per Rechtsverordnung nach Paragraph 27 a Absatz 2 [LuftVO] durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. 

Dabei war in den Stellungnahmen der Deutschen Flugsicherung GmbH und des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung immer wieder festzustellen, dass der zu erwartende Fluglärm maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der Verfahren hatte (Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm Paragraph 29 b Absatz 2 [LuftVG]). Beispielsweise nutzte die DFS, das eigens für die Bewertung der Lärmbelastung entwickelte System Noise Impact Reduction and Optimization System, um verschiedene verfahrenskonforme Entwürfe gegeneinander abzuwägen [DFS10]. Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung stellte zudem im Abwägungsvermerk zur abschließenden Entscheidung dar, dass unzumutbare Lärmauswirkungen auf ein Minimum beschränkt sind und immer durch die überwiegenden Gründe der sicheren, geordneten und flüssigen Abwicklung des Verkehrs gerechtfertigt sind, welchen nach Paragraph 27 c [LuftVG] Vorrang einzuräumen ist [BAF12]. 

Schlussendlich sind durch den neuen Flughafen weit weniger Personen durch Fluglärm betroffen als durch die an den bisherigen zwei Berliner Flughäfen implementierten Verfahren. Nachdem am 20.03.2012 die Flugrouten im Bundesanzeiger veröffentlicht und damit rechtskräftig festgesetzt wurden [72DVO/LuftVO], können diese mit der Inbetriebnahme des Flughafens auch genutzt werden. Nach der Eröffnung des Flughafens wird zudem der reale Betrieb zeigen, wie groß die Betroffenheit der Bevölkerung tatsächlich ist. Dafür wird wie an allen internationalen Verkehrsflughäfen ein Netz von Lärmmessstationen zur Überwachung installiert. Entsprechend den daraus gewonnen Erkenntnissen kann es zu Verfahrensanpassungen kommen. 
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gestaltung von Flugrouten (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?389710
Literatur
[BAF11] Bundeaufsichtsamt für Flugsicherung BAF FAQ: Wie werden Flugverfahren im Planfeststellungsverfahren für einen neuen oder zu erweiterten Flugplatz berücksichtigt ?, 2011
[BAF12] Bundeaufsichtsamt für Flugsicherung Festlegung von Flugverfahren für den Verkehrsflughafen Berlin Brandenburg (BER), 2012/01/26
[DFS10] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH FAQ's der DFS zum Thema BBI Flugrouten, 2010/10/22
Weiterführende Literatur
[stahn12] Deutsche Umwelthilfe e.V. Deutsche Umwelthilfe und Kommunen klagen gegen "Wannsee-Route" am neuen Berliner Flughafen, 2012/03
[72DVO/LuftVO] 72. DVO des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung zur Luftverkehrs-Ordnung (Festlegung von Flugverfahren für An- und Abflüge nach Instrumentenflugregeln zum und vom Flughafen Berlin Brandenburg
[LuftVG] Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389663

Gedruckt am Freitag, 10. April 2020 10:50:19