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Bodengestützte Abflugverfahren

Erstellt am: 03.05.2012 | Stand des Wissens: 29.04.2020
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Bodengestützte Abflugverfahren erfolgen auf Basis der terrestrischen Funknavigation. Die hierfür am Boden errichteten Funknavigationsanlagen, wie zum Beispiel Ultrakurzwellen Drehfunkfeuer (Very-High-Frequency Omnidirectional Radio Range) oder Funkentfernungsmessgeräte (Distance Measuring Equipment) beziehungsweise deren Kombination, stellen eine Navigation zwischen festgelegten Wegpunkten sicher. 
Konventionelle Abflugverfahren leiten startende Luftfahrzeuge ausgehend von der Startbahn über sogenannte Standardisierte Abflugrouten für Instrumentenflüge (Standard Instrument Departure, SID) in das kontrollierte Flugroutennetz für den Reiseflug. Die Startverfahren sind grundsätzlich im Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publication, AIP) eines jeden Flugplatzes veröffentlicht, an dem Flugbewegungen nach Instrumentenflugregeln koordiniert werden. Sie sind dort als Kartenmaterial und in Textform enthalten.
Die Abflugverfahren unterliegen aus Sicht der Verfahrensplanung und Flugsicherung verschiedenen Restriktionen. In Abhängigkeit beispielsweise des Start- und Landebahnsystems, dem Verkehrsaufkommen und der Art der operierenden Luftfahrzeuge an einem Verkehrsflughafen können unterschiedliche Verfahrensweisen den einzelnen Abflugrouten zugewiesen werden. Neben fest definierten horizontalen und vertikalen Routenführungen müssen sich die Piloten an Vorgaben bezüglich Fluggeschwindigkeit, Steiggradienten, Funkfrequenzen und Wegpunkten in Verbindung mit Kursangaben halten. Ferner sind einzelne Abflugrouten ausschließlich bestimmten Luftfahrzeugmustern (entsprechend der maximalen Startmasse oder den Antriebsarten Strahltriebwerk/Propellertriebwerk) vorbehalten oder dürfen nur in festgelegten Zeitintervallen beflogen werden. All jene Festlegungen tragen dazu bei, dass der abfliegende Flugverkehr verfahrensseitig sicher und geordnet organisiert werden kann.
Eine besondere Art von Abflugverfahren sind sogenannte lärmoptimierte Abflugverfahren (Minimum Noise Routing), die nahezu für jeden Flugplatz entworfen und in der AIP ausgewiesen werden. Diese speziellen Startverfahren beachten die lokale Topografie und Besiedlungsstruktur und leiten Luftfahrzeuge auf Flugrouten, die bestimmte Gebiete von Fluglärm entlasten. Solche Verfahren sind allerdings nur dann zulässig, wenn Sicherheits- und/oder Kapazitätsbelange davon nicht beeinflusst werden. Neben der Optimierung des lateralen Verlaufes von Flugrouten zur Lärmvermeidung bestimmter Gebiete, können auch die Vertikalprofile der Routen nach Lärmschutzbelangen verbessert und angepasst werden.
Die folgende Abbildung zeigt einen Kartenausschnitt aus der AIP, welche ein lärmoptimiertes Abflugverfahren am Flughafen Frankfurt am Main darstellt.
MNR.jpgAbb. 1: Ausschnitt einer Karte zu Minimum-Noise-Routing-Standard-Instrument-Departure-Routes in Frankfurt am Main aus dem Luftfahrthandbuch [AIP12] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ergänzend unterliegen Abflugverfahren allerdings flugleistungstechnischen beziehungsweise zulassungsseitigen Anforderungen. Zum Beispiel existiert in den Certification Specifications 25 (Zulassungsvorschrift für große Luftfahrzeuge - CS25, [EASA-CS-25]) eine Segmentierung des Startflugpfades. Innerhalb dieser Segmente muss das Luftfahrzeug bestimmte Mindestanforderungen (zum Beispiel hinsichtlich der Steigleistung) erfüllen und diese bei der Zulassung auch nachweisen. Weiterhin sind die einzelnen Segmente abgegrenzt und durch verschiedene flugbetriebliche Randbedingungen (beispielsweise Einfahren der Fahrwerke, Auswahl der Klappenstellung) definiert. Ergänzt werden die Startvorgaben durch die individuellen Prozeduren der Fluggesellschaften (Standard Operating Procedures), die im Rahmen gesetzlicher Anforderungen und spezifischer Eigenschaften der einzelnen Luftfahrzeuge kosten-/umwelteffiziente Startverfahren erlauben.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
An- und Abflugverfahren (Stand des Wissens: 03.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?418561
Literatur
[AIP12] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (Hrsg.) Aeronautical Information Publication, 2012
Rechtsvorschriften
[EASA-CS-25] Certification Specifications for Large Aeroplanes CS-25
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389634

Gedruckt am Samstag, 26. September 2020 19:59:38