Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Bodengestützte Nicht-Präzisionsanflugverfahren

Erstellt am: 03.05.2012 | Stand des Wissens: 29.04.2020
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Nicht-Präzisionsanflugverfahren (Non Precision Approach) unterscheiden sich, unabhängig ob boden- oder satellitengestützt, insofern von Präzisionsanflügen (Precision Approach), als dass bei dieser Art von Anflugverfahren dem Luftfahrzeugführer keine Gleitwegführung bereitgestellt wird [Mens14]. Somit ist ausschließlich eine Navigation mithilfe der Kursführungsinformation möglich, welche die Einhaltung des lateralen Flugkurses unterstützt. Die Kursführungsinformationen können der Cockpitbesatzung mithilfe verschiedener Funknavigationsanlagen zur Verfügung gestellt werden.
Diese terrestrischen Funknavigationsanlagen ermöglichen eine Wegpunktnavigation, welche ohne Bodensicht und somit unabhängig von Wettereinflüssen und Lichtverhältnissen durchgeführt werden kann. Der Flugweg eines Luftfahrzeuges resultiert bei dieser Navigationsart aus einem Netz von festgelegten Wegpunkten, die sich zwischen Start- und Zielort erstrecken und folglich im Strecken- sowie An- beziehungsweise Abflug Anwendung finden [Rich09a]. Die Gesamtheit aller Wegpunkte und dabei zu beachtende Verfahren und Eigenschaften (beispielsweise die jeweiligen Funkfrequenzen) sind in dem in Luftfahrthandbüchern (Aeronautical Information Publication, AIP) publizierten Kartenmaterial enthalten.
Prinzipiell werden die nachstehend aufgelisteten Funktionen von den Funknavigationsanlagen erfüllt [Rich09a]:
  • Entfernungsmessung zwischen Luftfahrzeug und Bodenstation,
  • Bestimmung der Schrägentfernung (Winkel) zwischen Luftfahrzeug und Bodenstation,
  • Bestimmung der Standortkoordinaten,
  • Ermittlung von Geschwindigkeit und Flughöhe des Luftfahrzeugs über Grund.
Je nach Art der verwendeten Funkwellen variieren Reichweite und Einsatzbereich der Navigationssysteme. Die am häufigsten verwendeten Funknavigationseinrichtungen sind [Rich09a]:
  • Ungerichtetes Funkfeuer (Non Directional Beacon, NDB),
  • Ultrakurzwellen Drehfunkfeuer (Very-High-Frequency Omnidirectional Radio Range, VOR),
  • Funkentfernungsmessgerät (Distance Measuring Equipment, DME),
  • Rundsichtradar (Surveillance Radar Element),
  • Landekurssender (Localizer).
Oftmals werden verschiedene Funknavigationseinrichtungen kombiniert (zum Beispiel Ultrakurzwellen Drehfunkfeuer/Funkentfernungsmessgerät oder ungerichtetes Funkfeuer/Funkentfernungsmessgerät) und sind in eigens dafür vorgesehenen Anflugkarten im Luftfahrthandbuch ausgewiesen. Im Präzisionsanflugverfahren ist bei Ausfall des Gleitwegsenders eines Instrumentenlandesystems keine vertikale Führungsinformation für die Piloten mehr vorhanden. In diesem Fall steht nur der Landekurssender zur Verfügung. Es handelt sich somit nur noch um ein Nicht-Präzisionsanflugverfahren.
Die aufgeführten Navigationseinrichtungen und deren Bodenstationen weisen meist einen ähnlichen Aufbau auf und bestehen vereinfacht häufig aus einem Antennensystem, einer Sende- beziehungsweise Empfangseinrichtung sowie weiteren spezifischen Komponenten. Ebenso müssen auch die Luftfahrzeuge über Bordanlagen verfügen, mithilfe derer die Funkwellenübertragung zwischen Boden und Luft erfolgt. In Abhängigkeit des jeweiligen Navigationsverfahrens sind bordseitig Antennensysteme zum Empfangen respektiver Senden verbaut. Ergänzt werden diese durch Auswerteeinheiten, welche die empfangenen Signale interpretieren und auf dem entsprechenden Bediengerät und der zugehörigen Anzeigeeinheit als für den Piloten nutzbare Information ausgeben [Mens14].
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
An- und Abflugverfahren (Stand des Wissens: 03.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?418561
Literatur
[Mens14] Heinrich Mensen Moderne Flugsicherung, Organisation, Verfahren, Technik, veröffentlicht in VDI-Buch, Ausgabe/Auflage Auflage: 4. Aufl. 2014 (28. Oktober 2014), Springer Berlin Heidelberg, 2014, ISBN/ISSN ISBN-10: 364254293X
[Rich09a] Technische Universität Dresden, Richter, W. Systeme und Verfahren der Anflugnavigation Band 2, Ausgabe/Auflage 1., TUDPRESS, Dresden, 2009/01, ISBN/ISSN ISBN 978-3941298057
Glossar
Radar Radio Detecting and Ranging Dieses elektromagnetische Ortungsverfahren beruht auf dem Prinzip des Echos. Man unterscheidet zwischen Primär- und Sekundärradar.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389603

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 07:10:19