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Abflugverfahren nach Sichtflugregeln

Erstellt am: 03.05.2012 | Stand des Wissens: 28.04.2020
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Abflugverfahren nach Sichtflugregeln (Visual Flight Rules, VFR) können ausschließlich durchgeführt werden, wenn die nach Luftverkehrsordnung [LuftVO] definierten und geforderten Sichtwetterbedingungen (Visual Meteorological Conditions, VMC) vorherrschen. Im Gegensatz zu Instrumentenabflugverfahren sind keine festen Abflugrouten (Standard Instrument Depature, SID) definiert, welche die startenden Luftfahrzeuge im Anschluss auf das vom Flugsicherungsdienstleister kontrollierte Streckennetz von Flugrouten führen.
Sichtabflüge und deren Durchführung entsprechen grundlegend den Verfahren, wie sie bei Sichtanflügen zum Einsatz kommen. Ein standardisiertes Abflugverfahren erfolgt häufig über die sogenannte Platzrunde (Circuit und Pattern) [NfL II 37/00]. Es sind zudem Abflugverfahren möglich, die über sogenannte Meldepunkte und unabhängig von der Platzrunde erfolgen. Die wesentlichen Inhalte des Flugplatzverkehres für Sichtabflüge sind im Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publication, AIP) als Sichtflugkarte/Flugplatzkarte beziehungsweise in Textform veröffentlicht [NfL II 37/00]. Da die Navigation im Sichtflug ohne funknavigatorische Einrichtungen erfolgt, werden die Meldepunkte anhand geografischer Fixpunkte definiert. Diesbezüglich werden häufig zum Beispiel Autobahnkreuze oder markante Bauwerke aufgeführt und in den Karten für Sichtflugregeln verzeichnet. In Kombination mit Kursangaben über Grund und einzuhaltenden Flughöhen wird dem Luftfahrzeugführer ein sicherer und koordinierter Abflug vom jeweiligen Flugplatz ermöglicht. Zusätzlich kann im Vorfeld des Abfluges Funkkontakt zur Flugaufsicht hergestellt werden.
Auch bei Flügen nach Instrumentflugregeln (Instrument Flight Rules, IFR) können Sichtabflüge durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um Abflüge, die unter Beibehaltung der Erdsicht ganz oder teilweise von den veröffentlichten Instrumentenabflugverfahren abweichen [NfL I 60/11]. Diese besonderen Abflugverfahren sind nur unter bestimmten Randbedingungen zulässig (zum Beispiel ausschließlich am Tag, Vorhandensein von Sichtwetterbedingungen) und erfolgen in enger Zusammenarbeit mit dem Flugverkehrskontrolldienst. Auch an internationalen Verkehrsflughäfen, wie beispielsweise Frankfurt am Main, werden derartige Abflugverfahren angewandt. In den meisten Fällen sind diese allerdings nur für bestimmte Luftfahrzeugmuster (zum Beispiel in Abhängigkeit der Startmasse oder installierter Triebwerksarten) zulässig.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
An- und Abflugverfahren (Stand des Wissens: 03.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?418561
Rechtsvorschriften
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)
[NfL I 60/11] NfL I 60/11 Sichtabflüge nach Instrumentenflugregeln
[NfL II 37/00] NfL II 37/00 Flugplätze ohne Flugverkehrskontrolle

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389531

Gedruckt am Montag, 21. September 2020 20:22:50