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An- und Abflugverfahren

Erstellt am: 03.05.2012 | Stand des Wissens: 28.04.2020
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

An- und Abflugverfahren sind eng verknüpft mit den existierenden Standardstreckenführungen im Nahbereich von Flugplätzen (Terminal Maneuvering Area). Sie dienen der geordneten und sicheren Übergabe operierender Luftfahrzeuge vom Streckennetz zum Flugplatz (Ankunft) beziehungsweise vom Flugplatz in das Streckennetz (Abflug). Die Regelung und Überwachung von An- und Abflügen im Flughafennahbereich erfolgt durch das Flugsicherungspersonal des jeweiligen Flugsicherungsdienstleisters. In Deutschland ist der Flugsicherungsdienstleister hauptsächlich durch die Deutsche Flugsicherung GmbH vertreten.
Vor der Planung und Festlegung von An - und Abflugverfahren sind die Flüge generell hinsichtlich der angewandten Flugregeln zu unterscheiden:
  • Flüge nach Instrumentenflugregeln (Instrumental Flight Rules, IFR),
  • Präzisionsanflugverfahren (vertikale und laterale Führung des Luftfahrzeugs),
  • Nichtpräzisionsanflugverfahren (ohne vertikale Führung des Luftfahrzeugs),
  • Flüge nach Sichtflugregeln (Visual Flight Rules, VFR),
  • Mischformen, bei denen ein Flug nach Instrumentenflugregeln beginnt und nach Sichtflugregeln endet oder nach Sichtflugregeln beginnt und nach Instrumentenflugregeln endet.
Maßgeblich für die Anwendung der Flugregeln sind die am Flugplatz vorherrschenden meteorologischen Bedingungen. Der planmäßige Linienflugverkehr und auch ein Großteil des Geschäftsflugverkehrs finden jedoch unter Anwendung von Instrumentenflugregeln und somit unabhängig vom Wetter statt. Die Gestaltung von Flugrouten innerhalb des Flughafennahbereichs basiert primär auf den Ansprüchen des Flugverkehrs nach Instrumentenflugregeln. Die Anforderungen an die Gestaltung von Flugrouten nach Instrumentenflugregeln im Flughafennahbereich sind nicht homogen und durch die jeweilige Flugphase bestimmt. Grundsätzlich ist bei der Flugroutenplanung innerhalb des Flughafennahbereichs zwischen Ab- und Anflugverkehr zu unterscheiden.
Je nach vorhandener Start- und Landebahnkonfiguration, Verkehrsaufkommen, Verkehrszusammensetzung, Betriebskonzept und Hinderniskulisse an den Verkehrsflughäfen verfügen diese über unterschiedliche An- und Abflugverfahren. Bei der verfahrensplanerischen Festlegung dieser Flugverfahren und auch im späteren laufenden Betrieb hat die flugbetriebliche Sicherheit stets oberste Priorität. Nachgelagert finden kapazitive, fluglärmrelevante und wirtschaftliche Aspekte Beachtung. Trotz der stringenten nationalen und internationalen Richtlinien und der dort formulierten konsequent einzuhaltenden Vorgaben können die Flugsicherungsdienstleister in Zusammenarbeit mit den Cockpitbesatzungen spezielle Arten von An- und Abflugverfahren flexibel durchführen. Diese können beispielsweise dazu beitragen, dass Kapazitätseinschränkungen vermieden werden und ein optimaler Verkehrsfluss gewährleistet werden kann. Ergänzend können Flugverfahren vor allem während der lärmsensiblen Nachtstunden so gewählt werden, dass die Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung minimiert werden können. Des Weiteren besteht die Möglichkeit für Flugverkehrsgesellschaften, mithilfe von besonderen Flugverfahren, kraftstoffeffiziente und zur Kostenoptimierung beitragende Anflüge durchzuführen. Diesbezüglich sei weiterhin erwähnt, dass im Unterschied zum zivilen Luftverkehr, im militärischen Sektor aus gefechtstaktischen Gründen weitere spezielle Start- und Landeverfahren genutzt werden, welche in vorliegenden Syntheseberichten allerdings nicht thematisiert werden.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
An- und Abflugverfahren (Stand des Wissens: 03.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?418561
Glossar
Verkehrsfluss
Unter Verkehrsfluss versteht man die Anzahl der Fahrzeuge, die eine vordefinierte Verkehrs(quer)fläche pro Zeiteinheit durchfährt.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389506

Gedruckt am Freitag, 25. September 2020 13:02:31