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Vertikale Planungsebene bei der Verfahrensplanung

Erstellt am: 30.04.2012 | Stand des Wissens: 16.10.2018
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die vertikale Planungsebene beschränkt sich im Wesentlichen auf die Festlegung von Mindestflug-, Entscheidungs- und Mindestsinkflughöhen, welche vorrangig durch die Richtlinien der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO (International Civil Aviation Organization) dokumentiert sind (zum Beispiel [LuftVO]). In Abhängigkeit der anzuwendenden Flugregeln (Sicht - oder Instrumentenflugregeln) sind flugregelspezifische Sicherheitsmindestflughöhen definiert, die eine Kollision des Luftfahrzeuges mit Hindernissen am Boden vermeiden sollen [ICAOAn14].
Nach Paragraph 36 Luftverkehrsverordnung [LuftVO] ist für den Flugverkehr nach Sichtflugregeln über besiedeltem Gebiet, Industrieanlagen, Menschenansammlungen, Unglücksorten und Katastrophengebieten eine Sicherheitsmindesthöhe von 300 Metern über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 600 Metern vorgeschrieben. In allen anderen Fällen gilt eine Mindestflughöhe von 150 Metern über Grund. Diese Sicherheitsmindesthöhen müssen vom Piloten entsprechend des im Luftfahrzeug installierten Höhenmessers eingehalten werden. Für den Flughafennahbereich ist für den Sichtflugverkehr mindestens eine Platzrunde definiert. Diesen Platzrunden sind abhängig von der örtlichen Hindernissituation Mindestflughöhen zuzuweisen, die einen 1.000 Fuß Vertikalabstand zum höchsten Hindernis der Platzrunde gewährleisten.                                                                                                                                                      
Für Flüge nach Instrumentenflugregeln gilt nach Paragraph 36 [LuftVO] eine Sicherheitsmindesthöhe von 1.000 Fuß über dem höchsten Hindernis im Umkreis von acht Kilometern. Die Sicherheitsmindesthöhe für den Instrumentenflugverkehr muss bei der Flugroutenplanung beachtet werden. Im Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publication, AIP) veröffentlichte Flugrouten zeigen, neben dem Verlauf der Flugroute, auch deren Mindestflughöhe [AIP12]. Folgt der Pilot einer Flugroute entsprechend der veröffentlichten Mindestflughöhe, muss keine zusätzliche Sicherheitsmindesthöhe eingehalten werden, da diese bei der veröffentlichten Flugroute bereits integriert ist.Die Planung von Flugrouten für den Instrumentenflugverkehr innerhalb des Flughafennahbereichs bezüglich vertikaler Restriktionen ist wesentlich komplexer, da die vertikale Flugroutenführung innerhalb des Flughafennahbereichs vorrangig durch steigenden (für startende Luftfahrzeuge) und sinkenden (für landende Luftfahrzeuge) Flugroutenverlauf gekennzeichnet ist. Die folgenden Parameter sind bei der vertikalen Flugroutenplanung innerhalb des Flughafennahbereichs zu beachten:
  • sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Luftverkehrs auf den An- und Abflugrouten (Paragraph 27 c  [LuftVO]),
  • Minimierung der Lärmbetroffenheit der Bevölkerung,
  • Hindernissituation und damit einzuhaltende Mindesthöhe über Hindernissen (Minimum Obstacle Clearance MOC - 75 Fuß über dem höchsten Hindernis).
Die folgende Abbildung 1 zeigt diese Mindesthöhe über Hindernissen in der vertikalen Ebene.

MOC_ICAO_PANSOPS.jpgAbb. 1: Mindesthöhe über Hindernissen (MOC) (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Die Mindesthöhe über Hindernissen spielt besonders bei der Flugroutenplanung für den vertikalen Verlauf der Flugroute eine entscheidende Rolle. Im Luftfahrthandbuch wird jedoch nicht die Mindesthöhe über Hindernissen, sondern die sogenannte Sicherheitsflughöhe Minimum Sector Altitude (MSA) veröffentlicht. Abhängig von der im Flughafennahbereich vorherrschenden Hindernissituation wird ein fest definierter Bereich des Flughafennahbereichs (zum Beispiel 25 nautische Meilen Radius um eine am Boden installierte Navigationsanlage in Flugplatznähe) in Sektoren untergliedert und für jeden Sektor die notwendige Mindestflughöhe ausgewiesen. Diese Sicherheitsflughöhe MSA berücksichtigt die bei der Planung zu prüfende Mindesthöhe über Hindernissen. Damit ist der im Flughafennahbereich auftretende Flugverkehr auch abseits der ausgewiesenen Flugrouten vor Kollisionen mit Hindernissen geschützt.
Die folgende Abbildung 2 zeigt den am Flugplatz zu erwartenden Verkehr (in Abhängigkeit verschiedener Luftfahrzeugtypen) und damit einhergehende Flugleistungsprofile für startende Luftfahrzeuge mit gegebenfalls abweichenden Steiggradienten in der vertikalen Ebene, um zu gewährleisten, dass kritische Hindernis sicher überflogen werden können.

Climb_Gradients_ICAO_PANSOPS.jpgAbb. 2: Bei der vertikalen Flugroutenplanung zu beachtende Mindeststeiggradienten bei Hindernissen im Abflugbereich nach [PANS-OPS06] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gestaltung von Flugrouten (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?389710
Literatur
[AIP12] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (Hrsg.) Aeronautical Information Publication, 2012
[ICAOAn14] Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization-ICAO) (Hrsg.) ICAO Anhang 14: Aerodromes, Montreal, Canada, 2004
[PANS-OPS06] Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization-ICAO) ICAO DOC 8168: "Procedures for Air Navigation Services - Aircraft Operations (PANS-OPS)", Ausgabe/Auflage 5., Montreal, 2006
Rechtsvorschriften
[LuftVG] Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)
Glossar
ICAO
Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation zur Vereinheitlichung und Regelung der Zivilluftfahrt durch Veröffentlichungen von Richtlinien und Empfehlungen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389221

Gedruckt am Dienstag, 7. April 2020 22:01:54