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Verfahrensplanung

Erstellt am: 30.04.2012 | Stand des Wissens: 11.03.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

In Deutschland gibt es nationale gesetzliche Regelungen über den Ablauf der Flugroutenplanung und die dabei geltenden Gestaltungsanforderungen. Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) greift bei der Planung und Anordnung der Flugrouten auf internationale Richtlinien und Regelungen zurück (zum Beispiel Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO Document 8168 - Procedures for Air Navigation Services - Aircraft Operations [PANS-OPS06]. 

Routenbeschreibungen finden im Allgemeinen nur für den Luftverkehr nach Instrumentenflugregeln statt. Für den Luftverkehr nach Sichtflugregeln kann es abhängig vom genutzten Luftraum (zum Beispiel Luftraum D in Flugplatznähe) Einschränkungen bezüglich bestimmter zu überfliegender Gebiete geben. Prinzipiell ist der Sichtflug jedoch an keine feste Routenstruktur gebunden. Für den Instrumentenflug ist eine detaillierte Ausarbeitung der Verfahren im Rahmen der Flugroutenplanung notwendig. Hierzu müssen Flugrouten mit entsprechenden Verfahrensschutzräumen in lateraler und vertikaler Richtung definiert werden. Priorität hat dabei die sichere Abwicklung des Sichtflugverkehrs auf den definierten Flugrouten. Die Verfahrensplanung untergliedert sich in Anflug-, Abflug- und Streckenverfahrensplanung.

Besondere Aufmerksamkeit bei der Planung der Luftraumstruktur für den Streckenverkehr gilt den Aspekten der Sicherheit und Kapazität. Aufgrund der vergleichsweise großen Höhe findet eine Lärmbelastung der Bevölkerung nur im geringen Maß statt. Routen im sogenannten Air Traffic Service (ATS) - Streckennetz werden durch direkte Verbindungen von Wegpunkten definiert. Die Wegpunkte sind im sogenannten Luftfahrthandbuch (Aeronautical Information Publication, AIP) veröffentlicht und durch feste Koordinaten definiert. Die Verbindung zwischen mindestens zwei Wegpunkten entspricht der Flugroute. Diese ist ebenfalls, inklusive aller für die Route geltenden Beschränkungen, in der Aeronautical Information Publication veröffentlicht. Bei der Planung von Flugrouten für den Streckenverkehr ist die temporäre oder permanente Einhaltung von Sperrgebieten, beispielsweise für militärische Übungen, zu gewährleisten und deren Struktur entsprechend in das Routennetz zu implementieren. Die folgende Abbildung 1 zeigt beispielhaft die Darstellung von Flugrouten in der AIP.

Abb. 1: Beispielhafter Ausschnitt einer Streckennetzkarte des unteren Luftraums über dem Ruhrgebiet [AIP12]

Als Bindeglied zwischen den Flugplätzen und dem Streckennetz sind An- und Abflugrouten zu implementieren. Deren Planung ist, im Vergleich zu den in großer Höhe liegenden und meist geradlinig verlaufenden Streckennetzrouten, wesentlich komplexer. Bei der Verfahrensplanung müssen neben den immer geltenden Primärziel (Sicherheit des Luftverkehrs [LuftVG]), die unterschiedlichsten Belange berücksichtigt werden. Die Verfahrensplanung der An- und Abflugrouten ist maßgeblich von folgenden Bedingungen abhängig [DFS10a]:
  • nationale und internationale Vorgaben und Richtlinien (zum Beispiel: Procedures for Air Navigation Services - Aircraft Operations (PANS-OPS)),
  • vorhandenes Streckennetz und den zugehörigen Verknüpfungspunkten,
  • Übergabebedingungen an angrenzende Kontrollzentralen (Wie viel Verkehr können diese aufnehmen?),
  • flugphysikalische Eigenschaften, der typischerweise zu erwartenden Luftraumnutzer (Luftfahrzeugtypen),
  • eventuell vorhandene Flugbeschränkungsgebiete, Sperrsektoren,
  • Kapazitätseckwerte der Sektoren und damit einhergehender Arbeitsbelastung der Lotsen,
  • Konfiguration und Nutzung des Start- und Landebahnsystems,
  • Kapazitätseckwerte des Flugplatzes (Wie viel Verkehr kann dieser abarbeiten?),
  • Prognosen des zu erwartenden Verkehrs (Anzahl der Flugbewegungen, eingesetzte Luftfahrzeugmuster, räumliche und zeitliche Verteilung der Verkehrsströme),
  • Optimierung der Kapazität,
  • Topographie der Flughafenumgebung (Hindernisse und Besiedlung),
  • Lärmbetroffenheit der umliegenden Bevölkerung,
  • kreuzende Routen zu benachbarten Flugplätzen.

Wissenslandkarten

Glossar
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gestaltung von Flugrouten (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?389710
Literatur
[AIP12] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (Hrsg.) Aeronautical Information Publication, 2012
[DFS10a] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH Flughafen Berlin Brandenburg (BER) Flugrouten , 2010/10/22
[PANS-OPS06] Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization-ICAO) ICAO DOC 8168: "Procedures for Air Navigation Services - Aircraft Operations (PANS-OPS)", Ausgabe/Auflage 5., Montreal, 2006
Rechtsvorschriften
[LuftVG] Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
Glossar
ICAO
Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation zur Vereinheitlichung und Regelung der Zivilluftfahrt durch Veröffentlichungen von Richtlinien und Empfehlungen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389212

Gedruckt am Freitag, 10. April 2020 10:37:59