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Deutsche Flugsicherung GmbH und Flugroutengestaltung

Erstellt am: 30.04.2012 | Stand des Wissens: 11.03.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) ist vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) durch Rechtsverordnung mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben zur Flugsicherung beliehen. Aufgrund dieses gesetzlichen Auftrages plant die Deutsche Flugsicherung GmbH gemäß Paragraph 32 Luftverkehrsgesetz [LuftVG] die An- und Abflugverfahren an kontrollierten Flugplätzen. Priorisiert wird dabei eine sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Luftverkehrs, wie in Paragraph 27 [LuftVG] vorgeschrieben. Ergänzend wird bei der Planung ein ausreichender Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm gefordert, Paragraph 29 b Absatz 2 [LuftVG]. Innerhalb des vielschichtigen Prozesses der An- und Abflugroutenplanung und Routenfestlegung ist die Deutsche Flugsicherung GmbH jene Instanz, welche mit der konkreten flugbetrieblichen Verfahrensplanung beauftragt ist. Hierfür ist im Speziellen die interne Abteilung Verfahrensplanung zuständig. Oberste Priorität bei diesem Planungsprozess hat stets die Gewährleistung ausreichender Sicherheit bei der Betriebsabwicklung. Erst nachgeordnet finden als weitere Basiselemente Lärmaspekte und Kapazitätskriterien Beachtung. Folgende Rahmenbedingungen werden von den Experten der Deutschen Flugsicherung GmbH im Einzelnen berücksichtigt: 
  • nationale und internationale Richtlinien (zum Beispiel - national: "Betriebsanweisung für die Flugverkehrskontrolle" und international: Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO - Organisation Document 4444 - Procedures for Air Navigation Services - Air Traffic Management [ICAO07]),
  • vorhandene Flugrouten (Air Traffic Service (ATS)-Routen), Harmonisierung mit Anflugrouten,
  • Übergabebedingungen an angrenzende Kontrollzentralen und -sektoren,
  • Flugbeschränkungsgebiete nach Paragraph 11 [LuftVO],
  • Flugleistungen der Luftfahrzeuge entsprechend ICAO-Kategorien zur Abbildung ihrer flugbetrieblichen Eigenschaften,
  • Flughafenlayout (zum Beispiel, Anzahl und Lage vorhandener Start- und Landebahnen),
  • Bahnnutzungskonzept (zum Beispiel, Parallelbetrieb der Start- und Landebahnen),
  • Verkehrsprognose (Anzahl der Flugbewegungen, Art der eingesetzten Luftfahrzeugmuster, Verkehrsströme inklusive Verkehrsspitzen),
  • Umsetzbarkeit der Vorgaben seitens Bahnkapazität.
Die innerhalb dieses Planungsprozesses entwickelten Konzepte von Flugroutensystemen werden eingangs der Fluglärmkommission bereitgestellt. Nach Evaluation dieser Entwurfsplanungen durch die Fluglärmkommission gemäß Paragraph 32 b [LuftVG] werden die konsolidierten Entwürfe, gegebenenfalls erweitert um Empfehlungen oder auch Änderungsvorschläge, wiederum an die Deutsche Flugsicherung GmbH übermittelt. Ausgehend von den eingereichten Empfehlungen erfolgt ein weiterer Abwägungsprozess innerhalb der Deutschen Flugsicherung GmbH. Sollten die durch die Fluglärmkommission vorgeschlagenen Maßnahmen seitens der Deutschen Flugsicherung GmbH als ungeeignet im Sinne einer sicheren und geordneten Verkehrsabwicklung beurteilt werden, so muss dies der Kommission unter Angabe der Gründe mitgeteilt werden. Ist die Prüfung durch die Fluglärmkommission hingegen positiv, so reicht die Deutsche Flugsicherung GmbH das entwickelte Routenkonzept an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung weiter, welches die weiteren per Gesetz definierten Verfahrensschritte bis hin zur endgültigen Festlegung der Flugrouten realisiert. Als abschließenden Schritt veranlasst die Deutsche Flugsicherung GmbH die Aktualisierung der Flugverfahren im Luftfahrthandbuch und ferner die Veröffentlichung entsprechender "Notice to Airmen" (Informationen und Direktiven bezüglich temporärer Änderungen im Luftfahrthandbuch) und ebenso des Flugroutenkonzeptes selbst in den "Nachrichten für Luftfahrer".
 
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gestaltung von Flugrouten (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?389710
Literatur
[ICAO07] Internationale Zivilluftfahrtorganisation (International Civil Aviation Organization-ICAO) ICAO DOC 4444 "Procedures for Air Navigation Service - Air Traffic Management (PANS/ATM)", Ausgabe/Auflage 15., ICAO/Montreal, 2007
Rechtsvorschriften
[LuftVG] Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
ICAO
Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation zur Vereinheitlichung und Regelung der Zivilluftfahrt durch Veröffentlichungen von Richtlinien und Empfehlungen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389182

Gedruckt am Dienstag, 7. April 2020 21:44:32