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Gestaltung von Flugrouten

Erstellt am: 30.04.2012 | Stand des Wissens: 23.04.2020
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die Gestaltung der Flugrouten in der näheren Flughafenumgebung ist ein aktuelles sowie kontrovers diskutiertes Thema [DFS10a]. Dies ist hauptsächlich dem, in den letzten Jahren gewachsenen, Bewusstsein der Bevölkerung zum Thema Lärmschutz geschuldet. Als Konsequenz sind die Betreiber von Flugplätzen und Flugsicherungsdienstleister um einvernehmliche Lösungen im Konsens mit der Bevölkerung bemüht. Hierbei darf es jedoch nicht zu Einschränkungen von Sicherheit und Kapazität im Luftverkehr kommen. Nach Paragraph 32 des Luftverkehrsgesetzes [LuftVG] plant in Deutschland die DFS Deutsche Flugsicherung GmbH (DFS) die An- und Abflugverfahren an internationalen Verkehrsflughäfen. Ziel ist es, nach Paragraph 27c [LuftVG] eine sichere, geordnete und flüssige Abwicklung des Luftverkehrs zu gewährleisten. Zusätzlich müssen nach Paragraph 29 b Absatz 2 [LuftVG] Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gegen den Fluglärm durchgeführt werden.
Eine beratende Funktion bei der Flugroutenplanung übernimmt das Umweltbundesamt (UBA) und die Fluglärmkommission. Die endgültige Genehmigung der Flugrouten findet durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung statt [BAF13]. Besonders bei einem Flugplatz Aus- und -neubau formiert sich mit dem einhergehenden Planfeststellungsverfahren oft eine große Anzahl an Bürgerinitiativen gegen das Vorhaben, da eine Verschlechterung der persönlichen Lebenssituation befürchtet wird. Bedenken bei einer Neuauslegung der Flugrouten sind insbesondere:
  • ein Anstieg der Lärmbetroffenheit,
  • ein erhöhtes Auftreten von Blue-Ice-Vorfällen  (während des Fluges am Luftfahrzeug gebildeter Eisansatz kann sich aufgrund der höheren Temperaturen in tieferen Luftschichten beim Landeanflug vom Luftfahrzeug ablösen),
  • eine Gefahr durch abfallende Luftfahrzeugteile und
  • generell die Zunahme des externen Risikos für den Einzelnen, dass heisst die Wahrscheinlichkeit bei ununterbrochenem Aufenthalt an einem Ort außerhalb des Flughafengeländes durch den Luftverkehr ums Leben zu kommen.
Bei Bauprojekten an Flugplätzen (zum Beispiel bei dem Bau einer neuen Start- und Landebahn) ist für ein Planfeststellungsverfahren ein erster Flugroutenentwurf notwendig, um beispielsweise Kapazitätsanalysen durchführen zu können. Die Flugrouten selbst sind jedoch nicht Bestandteil des Planfeststellungsverfahrens. Folglich muss der eingereichte Flugroutenentwurf richtlinienkonform ausgelegt werden, aber nicht zwangsläufig mit den später geplanten An-und Abflugverfahren übereinstimmen. Die Detailplanung durch die DFS, unter Einbeziehung der jeweiligen Fluglärmkommission und des Umweltbundesamts, findet ein bis zwei Jahre vor der geplanten Inbetriebnahme des Flugplatzes statt [BDL10, DFS15a]. Gründe für wesentliche Änderungen gegenüber ersten Routenvorschlägen im Planfeststellungsverfahren können unter anderem sein: 
  • neue Technologien,
  • veränderter Verkehrsmix,
  • Gesetzesänderungen,
  • betriebliche Anpassungen,
  • bevölkerungsgeografische Entwicklungen [DFS11].
Die finale rechtskräftige Festlegung der Verfahren nach Paragraph 27a Luftverkehrsordnung [LuftVO] findet erst wenige Monate vor Inbetriebnahme der neuen Flugrouten durch das Bundesaufsichtamt für Flugsicherung statt. Zudem werden die bestehenden Verfahren kontinuierlich überprüft und bei Bedarf geändert.

Ein Sondergutachten des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) mit dem Titel "Fluglärm reduzieren: Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten" kommt zum Schluss, dass der Fluglärmschutz im geltenden Luftverkehrsrecht insgesamt nur unzureichend gewährleistet ist. Auf der verfahrensrechtlichen Ebene werden insbesondere die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und die Öffentlichkeitsbeteiligung beim Neu- und Ausbau von Flughäfen sowie bei der Festlegung der Flugverfahren nur sehr eingeschränkt beachtet. Laut der Studie verstößt das deutsche Recht in diesem Punkt sogar gegen die Richtlinie über die Umweltverträglichkeitsprüfung 2011/92/EU (UVP-Richtlinie). Der fairer Kompromiss zwischen den verschiedenen Akteuren sei möglich, wenn alle negativen Folgen des Flugbetriebs und potenziell Betroffenen beachtet werden. Auf der Ebene der inhaltlichen Anforderungen muss insbesondere zum aktiven Lärmschutz an der Quelle der Gesetzgeber Regelungen treffen und verabschieden [SRU14].

Wissenslandkarten

Glossar
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gestaltung von Flugrouten (Stand des Wissens: 03.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?389710
Literatur
[BAF13] Wolfgang Ruths Wie entsteht eine Flugroute?, 2013/06/11
[BDL10] Die Planung von Flugrouten folgt einem klaren Regelwerk, 2010
[DFS10a] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH Flughafen Berlin Brandenburg (BER) Flugrouten , 2010/10/22
[DFS11] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH DFS FAQ: Flugverfahrensänderung am Flughafen Frankfurt mit Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest, 2011
[DFS15a] DFS Deutsche Flugsicherung GmbH Flugverfahren, 2015
[SRU14] Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) (Hrsg.) Fluglärm reduzieren: Reformbedarf bei der Planung von Flughäfen und Flugrouten, Geschäftsstelle des Sachverständigenrates für Umweltfragen (SRU) Luisenstraße 46, 10117 Berlin , 2014/03, ISBN/ISSN 978-3-503-15683-2
Rechtsvorschriften
[LuftVG] Luftverkehrsgesetz (LuftVG)
[LuftVO] Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)
Glossar
UBA Umweltbundesamt

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?389149

Gedruckt am Dienstag, 7. Juli 2020 20:43:49