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Auswirkungen einer Staugebühr auf die Umwelt

Erstellt am: 18.04.2012 | Stand des Wissens: 28.05.2020
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Die aus der Gebühr resultierende Verkehrsvermeidung und -verlagerung führt zum einen zu weniger Verkehr und zum anderen zu einer Beschleunigung der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Verkehrs. Infolgedessen ergeben sich für das gebührenpflichtige Gebiet positive Auswirkungen auf die Umwelt. Die verringerte Verkehrsdichte lässt eine effizientere und schadstoffärmere Fahrweise der Fahrzeuge zu und reduziert die Schadstoffbelastung innerhalb des Mautgebietes. Gleichzeitig führt eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit des Car-Sharing und des ÖPNV zu einer erhöhten Auslastung des Fahrzeugbestands, wodurch wiederrum positive Effekte für die Umwelt entstehen [SRU05b, S. 453].

Besonders zeitlich und räumlich variable Gebührensysteme weisen ein hohes Potenzial zur Stauvermeidung und damit zu höheren Umweltentlastungen auf. Somit ist die individuelle Entlastungswirkung maßgeblich vom jeweiligen Systemdesign abhängig [SRU05b, S. 453].
Zusätzliche Anreize zur Umweltreduzierung kann eine Differenzierung der Maut nach Umweltaspekten setzen. Die Einführung einer Maut kann einerseits zu einer Schadstoffreduzierung und einer Emissionsminderung beitragen und andererseits leisere und klimafreundlichere Fahrzeuge fördern. Um Trends wie alternative Antriebe zu fördern, ist eine Befreiung der Maut für diese Fahrzeugtypen denkbar.
Negative Auswirkungen auf die Umwelt können durch Ausweichreaktionen in die mautfreien Zonen verursacht werden. Um die Umweltziele nicht zu gefährden, müssen daher ständige Anpassungen der Systemgestaltung vorgenommen werden. Attraktive Angebote im öffentlichen Nahverkehr sind eine weitere Voraussetzung für positive Umweltwirkungen.
Darüber hinaus wäre denkbar, nicht nur die Zeitkosten, sondern zusätzlich die externen Umweltkosten mit der Straßenbenutzungsgebühr zu bepreisen.
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Erhebung von Staugebühren zum Management knapper Kapazitäten (Stand des Wissens: 28.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?388207
Literatur
[SRU05a] k.A. Umwelt und Straßenverkehr: Hohe Mobilität - Umweltverträglicher Verkehr (Sondergutachten), 2005/06
[SRU05b] Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) Umwelt und Straßenverkehr: Hohe Mobilität - Umweltverträglicher Verkehr, 2005
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?387808

Gedruckt am Samstag, 8. August 2020 11:01:12