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Auswirkungen einer Staugebühr auf den Verkehr

Erstellt am: 16.04.2012 | Stand des Wissens: 28.05.2020
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Die Erhebung einer Gebühr führte in vielen Städten zu einer Reduktion des Verkehrsaufkommens und zu einer Verbesserung des Verkehrsflusses innerhalb des gebührenpflichtigen Gebiets, wodurch Staus reduziert werden konnten. Beispielsweise reduzierte sich das Verkehrsaufkommen der PKW in London um 33 Prozent innerhalb eines Jahres. Infolgedessen stieg die durchschnittliche Geschwindigkeit von 14,4 km/h im Jahr 2002 auf 17 km/h im Jahr 2006 [TfL07, TfL08a, DIW07, S. 145].

Auf die Erhebung einer Staugebühr können die Verkehrsteilnehmer unterschiedlich reagieren:

Besonders der Freizeit- und Einkaufsverkehr kann flexibel infolge einer Bepreisung das Ziel der Fahrt ändern. Andere Ziele werden im Vergleich zum Ziel innerhalb der Gebührenzone attraktiver. Langfristig kann eine Zielverlagerung zu städtebaulichen Veränderungen von Betrieben und Geschäften führen.

Durch die Verteuerung des PKW werden andere Modi wie der öffentliche Verkehr oder der städtische Fahrradverkehr relativ attraktiver. Daher ist mit der Einführung einer Gebühr eine Verlagerung zu erwarten. Damit diese erreicht werden kann, müssen genügend Alternativen vorhanden sein. In London wurde ein Großteil der Einnahmen beispielsweise für die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs eingesetzt. Daraufhin stieg die Anzahl der Passagiere in Bussen um 6 Prozent [TfL07].

Eine Staugebühr, die zeitlich und räumlich variabel erhoben wird, liefert Anreize, die vorhandene Infrastruktur entweder zu Nicht-Spitzenlastzeiten oder nicht gebührenpflichtige Routen zu nutzen. Damit wird die optimale Nutzung der vorhandenen Infrastruktur durch eine gleichmäßige Verteilung des Verkehrs gefördert [Miets07, S.26ff, UBA10n, S. 11].
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Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Erhebung von Staugebühren zum Management knapper Kapazitäten (Stand des Wissens: 28.05.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?388207
Literatur
[BörjEl12] Börjesson, M,; Eliasson, J.; Hugosson, M.; Brundell-Freij K. The Stockholm congestion charges - 5 years on. Effects, acceptability and lessons learnt, veröffentlicht in Transport Policy, Ausgabe/Auflage 20, 2012
[DIW07] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Kloas, J.; Voigt, U. Erfolgsfaktoren von City-Maut-Systemen, Ausgabe/Auflage Wochenbericht Nr. 9/2007, 2. Bericht, DIW, Berlin, 2007/09
[Miets07] Mietsch, F. City-Maut - Internationale Erfahrungen, Perspektiven für Deutschland, 2007
[TfL07] Transport for London (TfL) Central London Congestion Charging - Impacts monitoring
Fifth Annual Report, 2007
[TfL08a] Transport for London (TfL) Central London Congestion Charging - Impacts monitoring
Sixth Annual Report, 2008
[UBA10n] o.A. PKW-Maut in Deutschland? Eine umwelt- und verkehrspolitische Bewertung, 2010/04
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?387514

Gedruckt am Sonntag, 9. August 2020 01:25:18