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Neu- und Ausbau des deutschen Schienennetzes

Erstellt am: 24.08.2011 | Stand des Wissens: 22.07.2019
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Seit Beginn des nationalen Eisenbahnverkehrs im Jahre 1835 war das deutsche Schienennetz bis in das 20. Jahrhundert hinein einem kontinuierlichen Erweiterungsprozess unterworfen. Angestoßen durch kriegsverursachte Zerstörungen und im Laufe des anschließend steigenden Stellenwertes individueller Mobilitätsangebote verzeichnete der spurgebundene Verkehrsträger ab Mitte des 20. Jahrhunderts eine erhebliche Gesamtstreckenlängenreduktion [Fleg11, S. 11; Allianz pro Schiene e.V.] Seit einigen Jahren hat sich die Netzlängenreduktion in Deutschland verlangsamt. Zwar können weiterhin wenig genutzte Streckenabschnitte beziehungsweise Teilnetze von einer Streckenstilllegung weiterhin betroffen sein, teilweise wurden stillgelegte Strecken bereits aber auch wieder reaktiviert. Trotz der Tatsache sind in absehbarem Zeitraum allerdings keine umfangreichen Gesamtlängenzuwächse zu erwarten. Aktuelle Zahlen zum deutschen Schienennetz finden sich in den Syntheseberichten "Historische Entstehungsgeschichte des deutschen Schienennetzes" beziehungsweise "Basisdaten der deutschen Schieneninfrastruktur" dieser Wissenslandkarte.
Steigende Anforderungen des Transport- und Verkehrssektors ziehen die Notwendigkeit einer fortschreitenden Neu- und Ausbauvorhabensrealisierung nach sich. So sind beispielsweise der Wunsch nach kürzeren Reisezeiten oder erforderliche Achslasterhöhungen bei der Frachtbeförderung häufig nur durch infrastrukturelle Eingriffe umsetzbar, sodass Schienennetzinvestitionen auch zukünftig nicht ausschließlich auf bestandserhaltende Maßnahmen und reine Ersatzleistungen beschränkt bleiben werden. Insbesondere im Hinblick auf prognostizierte Verkehrsleistungssteigerungen erscheint die Schaffung ergänzender Fahrwegkapazitäten als nahezu unumgänglich.
Als Eigentümer von knapp 80 Prozent der in der Bundesrepublik Deutschland existierenden Eisenbahnstrecken (vgl. hierzu [StaBu18a, S. 4; DBAG17d, S. 127]) und aufgrund seiner gesetzlichen Verpflichtung zur Daseinsvorsorge obliegt dem Bund die Hauptverantwortung für eine adäquate Schienennetzausgestaltung. Konkret hat er gem. Art. 87e GG zu gewährleisten, "dass dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz [...] Rechnung getragen wird." Mit Hilfe der Bundesverkehrswegeplanung (BVWP), dem Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwAG) sowie dem Bedarfsplan für die Bundesschienenwege, welcher vorgenanntem Gesetzestext als Anlage beigefügt ist, wird daher sowohl die verkehrspolitische als auch die finanzierungsseitige Grundlagen für mittel- bis langfristig umzusetzende Infrastrukturvorhaben geschaffen [BMV03a; BSWAG]. Sämtliche dem sogenannten vordringlichen Bedarf zugeordneten Projekte haben vor diesem Hintergrund eine uneingeschränkte Planungsfreigabe erhalten [BMVI16d, Seite 161 ff.]. Für die Projekte des vordringlichen Bedarfs sind im Bundesverkehrswegeplan über 40 Milliarden Euro vorgesehen, wovon über 80 Prozent für Aus- und Neubauprojekte verwendet wird. Detaillierte Informationen hinsichtlich der betreffenden Neu- und Ausbauvorhaben, insbesondere zu deren gegenwärtigem Realisierungsstand finden im Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2015 [DeBu17a] sowie im Bundesverkehrswegeplan 2030 [BMVI16d, Seite 162 ff.] sowie in der Wissenslandkarte "Bundesverkehrswegeplanung" hier im Forschungsinformationssystem.
Eine hohe Priorität genießen derzeit mit 130 Millionen Investitionsvolumen bis 2020 in erster Linie Infrastrukturvorhaben, welche dazu beitragen, schienenseitige, von den deutschen Hochseehäfen kommende beziehungsweise zu diesen führende Frachttransporte flüssiger abwickeln zu können. Die Durchführung entsprechender Hinterlandverkehre wird bereits zum jetzigen Zeitpunkt durch zahlreiche Netzkapazitätsengpässe erschwert, sodass mit zunehmendem Beförderungsaufkommen weitreichende Trassenkonflikte drohen, in deren Folge eine Bedienung der bestehenden Transportnachfrage nicht mehr vollumfänglich realisierbar ist. Darüber hinaus sind - neben Neu- und Ausbaumaßnahmen - Lärmschutz aber auch die Förderung von Umschlaganlagen des Kombinierten Verkehrs bedeutende Schwerpunkte der Finanzierung für ein zukunftsfähiges Schienennetz in Deutschland. [DeBu17a, Seite 2 f.]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Das Schienennetz der Bundesrepublik Deutschland (Stand des Wissens: 25.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?359042
Literatur
[BMV03a] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Bundesverkehrswegeplan 2003 , Berlin, 2003
[BMVI16d] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Bundesverkehrswegeplan 2030, Ausgabe/Auflage März 2016, Berlin, 2016/03
[DBAG10] o. A. Daten und Fakten der Deutschen Bahn AG 2009, Ausgabe/Auflage 2009, Berlin, 2010
[DBAG17d] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung - Infrastrukturzustands- und -entwicklungsbericht 2016, 2017/09
[DeBu11a] o. A. Verkehrsinvestitionsbericht 2010 (Berichtsjahr 2009), 2011/03/01
[DeBu12] Bundesregierung Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2010, 2012/02/20
[DeBu17a] Deutscher Bundestag Verkehrsinvestitionsbericht für das Berichtsjahr 2015, 2017/06/15
[Fleg11] Flege, Dirk Wir brauchen eine neue Infrastrukturpolitik, veröffentlicht in Deine Bahn, Ausgabe/Auflage 02/2011, Bahn Fachverlag GmbH / Berlin , 2011/02, ISBN/ISSN 0948-7263
[StaBu18a] Verkehr, Eisenbahnverkehr, Betriebsdaten des Schienenverkehrs, Fachserie 8 Reihe 2.1 - 2016, 2018/06/07
[StBu10a] o. A. Verkehr, Eisenbahnverkehr, Betriebsdaten des Schienenverkehrs, Fachserie 8 Reihe 2.1 - 2009, Wiesbaden, 2010/10/27
Rechtsvorschriften
[BSWAG] Gesetz über den Ausbau der Schienenwege des Bundes (Bundesschienenwegeausbaugesetz)
[GG] Grundgesetz (GG)
Glossar
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?359020

Gedruckt am Samstag, 30. Mai 2020 22:45:33