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Metropolregionen

Erstellt am: 27.06.2011 | Stand des Wissens: 15.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky

Metropolregionen sind "räumliche und funktionale Standorte, deren herausragenden Funktionen im internationalen Maßstab über die nationalen Grenzen hinweg ausstrahlen. Als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung sollen sie die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas erhalten und dazu beitragen, den europäischen Integrationsprozess zu beschleunigen" [ARL18]. Der Begriff wurde 1995 im Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen des Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) definiert, 2005 im Raumordnungsbericht des BBR übernommen und schließlich 2006 durch die Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) in den Leitbildern und Handlungsstrategien für die Raumentwicklung in Deutschland aufgegiffen.
In Deutschland gibt es zurzeit elf von der MKRO anerkannte Metropolregionen, welche in Abbildung 1 dargestellt sind. Diese Regionen schließen sich im Initiativkreis Europäische Metropolregionen in Deutschland (IKM) zusammen.
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Abbildung 1: Metropolregionen in Deutschland nach [Pütz16]
Die Konzentration an Funktionen wird vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBSR) mit dem Metropolfunktionsindex gemessen und in vier Typen eingeteilt:
  • Metropolräume mit umfassender funktionaler Vielfalt (mindestens vier der fünf Funktionsbereiche weisen überdurchschnittliche Indexwerte auf),
  • Metropolräume mit hoher funktionaler Vielfalt (nur noch zwei Funktionsbereiche überdurchschnittlich besetzt),
  • Metropolräume mit eingeschränkter funktionalen Vielfalt (metropolitane Funktionsvielfalt eingeschränkt und wird zumeist von der kulturellen Funktion stark dominiert),
  • Metropolräume mit eingeschränkter funktionaler Vielfalt und hoher Spezialisierung (geringe funktionale Bedeutung und gleichzeitig hohe Spezialisierung auf einen Funktionsbereich, der den Gesamtindex zu mindestens 50 Prozent dominiert).
Kriterien sind dabei Indikatoren aus den Funktionsbereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verkehr und Kultur. [BBSR10b]. Abbildung 2 zeigt die Metropolraumtypen in Europa.

Metropolraumtypen.PNGAbbildung 2: Metropolraumtypen [BBSR10b, S.14] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

In der Diskussion um die Zukunftsperspektiven von Städten und Regionen sind Metropolregionen ein zentrales Element. Die Ausrichtung der Strukturförderung der Europäischen Union (EU) von der bisherigen nachteilsausgleichenden Förderung strukturschwacher Räume zu einer regionalen Wachstums- und Innovationspolitik unterstreicht die stärkere Fokussierung auf Wachstumskerne bei der Entwicklung von Standorten. Metropolregionen stehen dabei einerseits untereinander in Konkurrenz, wirken andererseits zum Teil in Netzwerken arbeitsteilig zusammen. Besonders in Deutschland besteht eine ausgeprägte Funktionsteilung zwischen den Metropolregionen. So ist München beispielsweise das Versicherungszentrum und die Region Rhein-Main das Finanzzentrum Deutschlands [Mreg05].
Metropolregionen weisen privatwirtschaftliche und öffentliche Leistungsangebote hoher Qualität und Differenzierung auf. Sie verfügen damit über eine ausgesprochene politische und wirtschaftliche Steuerungsfunktion sowie eine starke Verflechtung und Integration in das internationale Städtesystem. Durch die räumliche Konzentration der verschiedenen Funktionen entstehen unterschiedliche Agglomerationsvorteile, wie etwa ein hohes Arbeitsplatzangebot, eine Vielzahl an Expertisen, die Nähe zu Infrastrukturen und Einrichtungen etc. Sie ermöglichen eine höhere Produktivität und steigern die Wettbewerbsfähigkeit dieser Region. Neben den ökonomischen Vorteilen zeichnen sich Metropolregionen durch ein großes Angebot an kulturellen Einrichtungen, Veranstaltungen und Bildungsmöglichkeiten aus, die die Attraktivität der Region erhöhen.
Glossar
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Raumordnung und Raumentwicklung (Stand des Wissens: 09.01.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?45947
Literatur
[ARL18] Anna Growe Metropolregion, veröffentlicht in Handwörterbuch der Stadt- und Raumentwicklung, 2018, ISBN/ISSN 9783888385599
[BBSR10b] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Metropolräume in Europa. Kurzfassung einer neuen Studie des BBSR, veröffentlicht in BBSR-Berichte KOMPAKT, Ausgabe/Auflage 4/2010, 2010/04
[Mreg05] Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), KoRiS - Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung Metropolregion Halle/Leipzig-Sachsendreieck - Handlungskonzept, 2005/04
[Pütz16] Pütz, T. Empirische Zusammenschau der europäischen Metropolregionen in Deutschland, veröffentlicht in BBSR: Informationen zur Raumentwicklung, Ausgabe/Auflage Heft 5/2016, 2016
Weiterführende Literatur
[Blot07] Blotevogel, Hans H. Die Bedeutung der Metropolregionen in Europa, veröffentlicht in MIRAktuell1/2007, 2007
[Mreg06] Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), KoRiS - Kommunikative Stadt- und Regionalentwicklung, Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V. Dresden Metropolregionen - Chance der Raumentwicklung durch Polyzentralität und regionale Kooperation, 2006/11
[MKRO95] Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bonn Raumordnungspolitischer Handlungsrahmen, 1995/04
Glossar
BBSR
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Das BBSR im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ist seit 2018 eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI). Es berät die Bundesregierung bei Aufgaben der Stadt- und Raumentwicklung sowie des Wohnungs-, Immobilien- und Bauwesens. (BMVBS bis 2013, BMUB bis 2018)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?355270

Gedruckt am Mittwoch, 27. Oktober 2021 08:32:02