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Grundtendenzen der Raumentwicklung

Erstellt am: 27.06.2011 | Stand des Wissens: 09.01.2020
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im Raumordnungsbericht 2011 werden zu den Entwicklungen in städtischen und ländlichen Räumen die im Folgenden beschriebenen Schlussfolgerungen festgestellt.

Regionale Disparitäten werden weiter zunehmen. Die demographische Entwicklung und der Rückgang der Arbeitslosigkeit führen zum Erwerbstätigenmangel. Eine Diskussion um Mindeststandards in der Versorgungsqualität wird wahrscheinlich, wenn gleichzeitig der Bevölkerungsrückgang und die damit einhergehende Siedlungsdichte in dünn besiedelten Räumen betrachtet werden. Gleichzeitig kann nachhaltiges Wachstum das Ost-West-Gefälle möglicherweise weiter abflachen. Hiervon sind auch die künftigen teilräumlichen Wohlstandsverhältnisse abhängig. Bei diesen Entwicklungen kann die Raumordnung nur unterstützend wirken, zum Beispiel durch Sicherstellen der Versorgung oder durch Verbesserung der Mobilität [BBSR12a, S.55ff].
Diese Entwicklungen führen dazu, dass eine Anpassung des Zentrale-Orte-Konzepts notwendig wird. Denkbar sind Funktionsteilungen in Städteverbünden oder -netzwerken. Dabei müssen zumutbare Erreichbarkeitsstandards gewährleistet bleiben. Neue Formen der Sicherstellung der wohnungsnahen Grundversorgung werden notwendig. Dabei ist eine stärkere Orientierung der kommunalen Politik an Kosten-Nutzen-Bilanzen empfehlenswert [BBSR12a, S.55ff].
Im Bereich des Verkehrs und der Mobilität ist abzusehen, dass Bestandserhalt von Verkehrsinfrastruktur eine größere Bedeutung als Neubau erlangen wird. Mit Beginn der postfossilen Epoche, das heißt fossile Energieträger stehen im heutigen Umfang zum heutigen Preis künftig nicht mehr zur Verfügung, können heutige Ausprägungen des Verkehrs nicht eins zu eins auf die mittelfristige Zukunft übertragen werden [BBSR12a, S.89f].
Die Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende bedürfen einer integrierten Planung wie die Landes- und Regionalplanung, um konkurrierende Nutzungsansprüche auf Flächen auszugleichen und rechtsgültig in der Raumplanung zu fixieren [BBSR12a, S.106ff].
Mit der Novellierung des Raumordnungsgesetzes in der Fassung 2008 ist der Wohnbedarf kein Belang der Raumordnung mehr. Die niedrige Neubauquote zeigt die Entspannung der Wohnungsversorgung in vielen Teilräumen. Jedoch kann dies mittelfristig in stark nachgefragten Immobilienmärkten zu Wohnungsknappheit führen. Hier sind insbesondere Kernstädte und der suburbane Raum in nachfragestarken, regionalen Immobilienmärkten zu nennen, in denen die Raumplanung den Wohnungsneubau unterstützen kann. Allerdings muss sie auch den Schutz von Freiräumen sicherstellen. Dementsprechend wird eine Innenentwicklung empfohlen, die auch zu einer effizienteren Nutzung der Infrastrukturen beiträgt. Aus selbigem Grund sollten in nachfragestarken sowie in nachfrageschwachen Gebieten eine Konzentration der Neubebauung an zentralen Orten und im Umfeld von ÖPNV-Zugangsstellen erfolgen [BBSR12a, S.119].
Die Abbildung 1 veranschaulicht räumliche Unterschiede hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklungen in Deutschland.
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Abbildung 1: Bevölkerungsentwicklung 1990-2015 [DPBL16]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Raumordnung und Raumentwicklung (Stand des Wissens: 09.01.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?45947
Literatur
[BBSR12a] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Raumordnungsbericht 2011, Bonn, 2012/06
[DPBL16] Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) Große regionale Unterschiede im Bevölkerungswachstum, 2016
Weiterführende Literatur
[BBSR16] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Leitbilder und Konzepte der Raumordnung, 2016/03/09
[BBSR10b] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung Metropolräume in Europa. Kurzfassung einer neuen Studie des BBSR, veröffentlicht in BBSR-Berichte KOMPAKT, Ausgabe/Auflage 4/2010, 2010/04
[BBR05a] Lutter, H. Raumordnungsbericht 2005, 2005
[BBSR12a] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) Raumordnungsbericht 2011, Bonn, 2012/06

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?355144

Gedruckt am Mittwoch, 8. Juli 2020 05:23:47