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Förderung des multi- und intermodalen Personenverkehrs

Erstellt am: 21.06.2011 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Verkehrsteilnehmer, die unterschiedliche Verkehrsmittel innerhalb eines definierten Zeitraumes nutzen, werden als multimodal bezeichnet. Diejenigen, die während eines Weges mehrere Verkehrsmittel nutzen, werden als intermodal bezeichnet. Da zur Zeit noch über 40 Prozent der Verkehrsteilnehmer im Laufe einer Woche "monomodal" ausschließlich mit dem Auto unterwegs sind [Interde10, S. 25], nutzen multi- und intermodale Verkehrsteilnehmer Verkehrsmittel gezielter und abwägender als die sogenannten "habitualisierten", streng auf ein Verkehrsmittel fixierten, monomodalen Verkehrsteilnehmer, die es fast ausschließlich mit Bezug auf das Auto gibt.
Maßnahmen, die zum Kombinieren von Verkehrsmitteln anregen und somit multi- beziehungsweise intermodales Verkehrsverhalten fördern, dienen einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung. Vor dem Hintergrund der zunehmend strengen, europäischen Emissionsgrenzwerte können solche Maßnahmen einen wertvollen Beitrag zur Einhaltung dieser Vorgaben leisten.
Verschiedene Studien analysieren die Zusammenhänge zwischen personenspezifischen Merkmalen und der Verkehrsmittelwahl [Interde10; BMP03]. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge ist eine wichtige Grundlage, um Verlagerungspotenziale zum Umweltverbund durch die Förderung des multi- und intermodalen Personenverkehrs zu quantifizieren [Witt10], aber auch um konkrete Maßnahmen abzuleiten [Hoff03; LeitfInterde10].
Einige praktische Beispiele für die erfolgreiche Förderung des inter- und multimodalen Personenverkehrs sind die Folgenden:
  • Förderung von Carsharing: Untersuchungen haben gezeigt, dass sich durch "Autonutzung statt Autobesitz" wie durch den Beitritt in eine Carsharing-Organisation die individuelle Pkw-Kilometer-Leistung reduziert [Pesc96] und Wege auf die Verkehrsmittel des Umweltverbundes verlagert werden [Krie03, Pesc96].
  • die Förderung von Mobilitätspunkten zur intelligenten Verknüpfung alternativer Verkehrsmittelangebote.
  • Betriebliches Mobilitätsmanagement (MM): Maßnahmen (Beratung und Information über den Öffentlichen Verkehr, Fahrradabstellanlagen und andere) und umgesetzte Konzepte für betriebliches MM können erfolgreich zur Verlagerung von Pkw-Fahrten der Mitarbeiter auf den Umweltverbund führen [HRNR06].
  • Autofreier Stadtteil in Vauban in Freiburg: Im Verkehrskonzept des Stadtteils Vauban ist festgelegt, dass Pkws in Hochgaragen am Rande des Stadtteils und nicht in unmittelbarer Nähe der Grundstücke abgestellt werden. Die Wohnstraßen können aber zum Be- und Entladen befahren werden. Bei den meisten Bewohnern hat mit dem Einzug eine entscheidende Änderung im Mobilitätsverhalten stattgefunden [Vauban13].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Förderung des multi- und intermodalen Personenverkehrs (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?354205
Literatur
[BMP03] Von der Ruhren, S., Rindsfüser, G., Beckmann, K.J., Kuhimhof, T., Chlond, B., Zumkeller, D. Bestimmung multimodaler Personengruppen, Aachen/Karlsruhe, 2003
[Hoff03] Hoffmann, Jürgen Busbeschleunigung aus Sicht des Planungsingenieurs - Systematische Umsetzung von Maßnahmenpaketen im Zuge eines umfangreichen Beschleunigungsprogramms, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9/2003, Alba Fachverlag, Düsseldorf, 2003, ISBN/ISSN 0722-8287
[HRNR06] Rau, Petra, Holz-Rau , Christian , Prof. Dr.-Ing., Nickel, Wolfgang Betriebliches Mobilitätsmanagement mit Erfolgskontrolle, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Kirschbaum-Verlag, 2006/06
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[Krie03] Krietemeyer, Hartmut, Dr. Effekte der Kooperation von Verbund und Car-Sharing-Organisation, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9, alba-Verlag, Düsseldorf, 2003
[LeitfInterde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, G.-A., Aurich, T., Böhmer, T., Klotzsch, J. Leitfaden Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung , 2010/01
[Pesc96] Pesch, Stephan Car-Sharing als Element einer Lean Mobility im Pkw-Verkehr - Entlastungspotentiale, gesamtwirtschaftliche Bewertung und Durchsetzungsstrategien, veröffentlicht in Buchreihe des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Universität Köln, Verkehrs-Verlag J.Fischer, Düsseldorf, 1996, ISBN/ISSN 3-87841-086-7
[Vauban13] Andreas Delleske (privat) Stadtteil Vauban, Freiburg, 2013
[Witt10] Wittwer, Rico Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz - Zwischenergebnisse eines FuE-Projektes im Auftrag des UBA, Berlin, 2010/09/20
Weiterführende Literatur
[Böll19] Heinrich Böll Stiftung (Hrsg.) Mobilitätsatlas 2019 - Daten und Fakten zur Verkehrswende, 2019/11
[UBA13] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Becker, Udo, Böhmer, Thomas, Richter, Falk, Wittwer, Rico Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz, veröffentlicht in TEXTE, Ausgabe/Auflage 19/2013, Dessau-Roßlau, 2013/03, ISBN/ISSN 1862-4804
Glossar
Umweltverbund
Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV: Bahnen und Busse), Fahrrad und zu Fuß gehen. Carsharing eignet sich als ÖPNV-ergänzendes Verkehrsmittel und ist ein wichtiger Baustein des Umweltverbundes (4. Säule des Umwelt-/Mobilitätsverbundes).
In neueren Publikationen (ab etwa 2010) wird zunehmend vom Mobilitätsverbund gesprochen.
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?354189

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 03:23:41