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Multimodale Verkehrsteilnehmer

Erstellt am: 21.06.2011 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Untersuchungen zur Quantifizierung multimodaler Personengruppen unterscheiden sich durch:
  • die Definitionen des Begriffs Multimodalität (bezüglich Anzahl der Verkehrsmittel, Betrachtungszeitraum) sowie durch
  • die Datengrundlage. Bezogen auf eine Woche beträgt der Anteil multimodaler Personen nach [Interde10, Nob07] rund 50 Prozent.
In [Interde10, S. 24] werden als monomodal diejenigen beschrieben, die innerhalb einer Woche üblicherweise mit nur einem Verkehrsmittel unterwegs sind, das bedeutet seltener als einmal in der Woche ein zweites Verkehrsmittel nutzen. Als Datengrundlage dienen die Ergebnisse der Erhebung "Mobilität in Deutschland" im Jahr 2017. Die Charakterisierung der mono- und multimodalen Personengruppen über die Woche zeigt die Abbildung 1 [Nobi18, S.57]. 
Abbildung 1: Anteile mono- und multimodaler Personengruppen [Nobi18, S.57]
Die Definition der Untergruppen der multimodalen Personen können der folgenden Tabelle 1 entnommen werden.
Tabelle 1: Definition der multi-/monomodalen Gruppen in MiD-Auswertung [Interde10, S. 25 nach eigener Darstellung] 
[BMP03] unterscheidet vier Gruppen der multimodalen Verkehrsteilnehmer hinsichtlich der Einsatzzwecke und Nutzungshäufigkeiten von Öffentlichem Verkehr (ÖV) und Motorisiertem Individualverkehr (MIV) (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Multimodalitätstypen nach [BMP03, S. 40 nach eigener Darstellung]
Eigenschaften multimodaler Personengruppen: In der Abbildung 3 charakterisiert [Nobis06] multimodale Personengruppen in Abhängigkeit von Alter und Führerscheinbesitz. Personen mit Führerschein verhalten sich tendenziell eher monomodal. Die Erhebungen zum Verkehrsverhalten zeigen, dass der Führerscheinbesitz gepaart mit Pkw-Verfügbarkeit die stark ausgeprägte Auto-Monomodalität und auch den Modal Split der Verkehrsteilnehmer maßgeblich determinieren [LeitfInterde10]. 
Gruppen in Abhängigkeit von Alter und FührerscheinbesitzAbbildung 3: Gruppen in Abhängigkeit von Alter und Führerscheinbesitz [Nobis06, S. 9]
[Interde10, Nobi18, ESrV18] zeigen wie folgt den Zusammenhang zwischen Altersstruktur, Ortsgrößenklasse, Netto-Haushaltseinkommen und multimodalem Verkehrsverhalten. Demnach sinkt der Anteil multimodaler Personen tendenziell mit zunehmendem Alter.  Jedoch steigt aber der Anteil dieser Personengruppe tendenziell mit zunehmender Ortsgröße (siehe Abbildung 5). Die Abbildung 6 zeigt zusätzlich die Personengruppen bezogen auf das Netto-Haushaltseinkommen. Der Anteil der Multimodal (Rad + ÖV + MIV)-Gruppe ist besonders hoch bei sehr geringem Einkommen, nimmt aber auch tendenziell mit dem Einkommen zu.
Abbildung 4: Mono- und multimodale Personengruppen nach Alter [Nobi18, S.57]
Abbildung 5: Multi- und monomodale Nutzergruppen nach Ortsgrößenklassen [ESrV18]
Abbildung 6: Multi- und monomodale Nutzergruppen nach monatlichem Netto-Einkommen des Haushalts [Interde10, S. 28]
[Fran04, S. 105] beschreibt eine neue Zielgruppe für die Weiterentwicklung integrierter Mobilitätsangebote, die sich "durch seine hohe Affinität zu innovativen Mobilitätsdienstleistungen" auszeichnet. Diese "neuen Multimodalen" sind charakterisiert durch die folgenden Eigenschaften:
  • höherer Bildungsgrad,
  • eher überdurchschnittlicher Verdienst,
  • meist männlich und
  • zwischen Ende 20 bis Mitte 40 Jahre alt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Förderung des multi- und intermodalen Personenverkehrs (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?354205
Literatur
[BMP03] Von der Ruhren, S., Rindsfüser, G., Beckmann, K.J., Kuhimhof, T., Chlond, B., Zumkeller, D. Bestimmung multimodaler Personengruppen, Aachen/Karlsruhe, 2003
[ESrV18] TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, Gerike, Regine, Hubrich, Stefan, Ließke, Frank, Wittig, Sebastian, Wittwer, Rico Was sich zeigt.
Präsentation und Diskussion der Ergebnisse des SrV 2018, 2020/03/13
[Fran04] Franke, S. Die "neuen Multimodalen" - Bedingungen eines multimodalen Verkehrsverhaltens, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Heft-Nr. 3, 2004/03
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[LeitfInterde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, G.-A., Aurich, T., Böhmer, T., Klotzsch, J. Leitfaden Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung , 2010/01
[Nob07] Nobis, C. Multimodality - Facets and Causes of Sustainable Mobility Behaviour, veröffentlicht in Behavioral Responses to Policy and System Changes, Ausgabe/Auflage Transportation Research Record Vol. 2010, 2007, ISBN/ISSN 0361-1981
[Nobi18] Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH (infas),, Deutsches Zentrum für Raum- und Luftfahrt (DLR),, IVT Research GmbH,, infas 360 GmbH Mobilität in Deutschland - Ergebnisbericht , 2018
[Nobis06] Nobis, C. Multimodalität: Entstehung und Förderungsmöglichkeiten nachhaltigen Mobilitätsverhaltens, Leipzig, 2006/07/11
Glossar
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?354106

Gedruckt am Donnerstag, 1. Oktober 2020 07:10:48