Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Ausgestaltungsoptionen im Produktionsbereich bei PPP-Eisenbahninfrastrukturprojekten

Erstellt am: 28.04.2011 | Stand des Wissens: 28.11.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Im Bahnbereich bestehen vielfältige Möglichkeiten zum Einbezug von (Wertschöpfungs-)Aufgaben in ein PPP-Vorhaben. Im Einzelnen können die Wertschöpfungsstufen des Baus und der Erhaltung der folgenden Wertschöpfungsbereiche Bestandteil eines PPP-Vorhabens sein:
  • Unterbau: Mit dem Begriff Unterbau bezeichnet man die Gesamtheit der Konstruktionen, die die Kräfte aus dem Oberbau bzw. Gleisbau allgemein sicher aufnehmen. Dazu gehört neben den klassischen Formen des Erdkörpers auch eine Reihe von Kunstbauten. Im hier verwendeten Sinne umfasst der Unterbau im Wesentlichen die Elemente Planum und Tragschichtsystem, Stützbauwerke und Durchlässe.
  • Oberbau: Zum Oberbau gehören das Gleisbett, Schienen und Weichen, wobei hier insbesondere die traditionelle Bauweise (Schwellen und Schotter) und die feste Fahrbahn (Oberbau-Fahrbahnstrang aus Beton oder Asphalt) unterschiedliche Ausgestaltungen der Teilelemente aufweisen.
  • Ingenieurbauwerke: Die Ingenieurbauwerke umfassen Tunnel und Brücken. Im Bereich von Ingenieurbauwerken existiert kein den Streckenbereichen vergleichbarer Unterbau.
  • Leit- und Sicherungstechnik (LST): Unter der Leit- und Sicherungstechnik werden alle Systemelemente verstanden, die der Sicherung der Abstandshaltung im Betrieb sowie der Steuerung und Sicherung der Fahrwegelemente dienen. In Abhängigkeit vom verwendeten Zugbeeinflussungssystem - punktförmige Zugbeeinflussung, Linienzugbeeinflussung oder "European Train Control System"(ETCS) - unterscheiden sich die eingesetzten Elemente der Leit- und Sicherungstechnik zwar; zentral sind jedoch in allen Systemen Signale, Gleisfreimeldeanlagen, Stellwerke sowie die Steuerungs- und Kontrollelemente an Weichen.
  • Energieversorgung: Unter dem System Energieversorgung werden hier ausschließlich die Infrastrukturelemente verstanden, die der Stromversorgung im Eisenbahnbetrieb dienen und bahnspezifisch sind. Dabei handelt es sich insbesondere um Fahrleitungen sowie Strommasten (inkl. Fundament, Tragarm, Radspanner usw.).
Die aufgeführten fünf Bereiche umfassen den Großteil der kostenverursachenden Elemente der Infrastruktur und daher auch das Hauptpotential für Kostenoptimierungen, weshalb mit Bezug zu diesen Bereichen eine Diskussion der Anwendung des PPP-Ansatzes bei Eisenbahninfrastrukturprojekten sinnvoll durchführbar ist, auch wenn sie nicht die Gesamtheit aller Bahninfrastruktureinrichtungen und -funktionen abbilden. Nicht berücksichtigt in dieser Wissenslandkarte werden insbesondere Anlagen und Funktionen, die im Rahmen der fünf Bereiche intern benötigt werden (wie z.B. Kommunikationseinrichtungen) sowie ergänzende Service-Funktionen, die zwischen Infrastruktur und Bahnbetrieb stehen und zum Teil auch durch (bahn-)externe Unternehmen erbracht werden, wie z.B. Vegetationsarbeiten und Winterdienst (Betriebsdienst). Nicht dargestellt sind weiterhin alle Funktionen, die zur Vermarktung von Trassen erforderlich sind, da diese keine relevanten Interdependenzen mit dem PPP-Ansatz als Produktionsansatz aufweisen.
Die in dieser Studie berücksichtigte Wertschöpfungsstufe der Erhaltung korrespondiert im Übrigen nicht mit den in den einschlägigen Regelwerken niedergelegten Begriffen. In Regelwerken wie der DIN 31051 steht vielmehr regelmäßig die so genannte "Instandhaltung" im Mittelpunkt, die als Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen des Managements während des Lebenszyklus einer Betrachtungseinheit zur Erhaltung des funktionsfähigen Zustandes oder der Rückführung in diesen definiert wird. Danach beinhaltet die Instandhaltung insbesondere vier Aufgabenbereiche: (1) Wartung (Maßnahmen zur Verzögerung des Abbaus des vorhandenen Abnutzungsvorrats), (2) Inspektion (Maßnahmen zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes einer Betrachtungseinheit), (3) Instandsetzung (Maßnahmen zur Rückführung einer Betrachtungseinheit in den funktionsfähigen Zustand) und (4) Verbesserung (Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen zur Steigerung der Funktionssicherheit einer Betrachtungseinheit). Der hier verwendete (Ober-)Begriff der Erhaltung umfasst auch die aufgeführten vier Aufgabenbereiche, wobei der Aufgabenbereich der Wartung folgend auch als Instandhaltung bezeichnet wird.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Eignung des PPP-Ansatzes für Eisenbahninfrastrukturprojekte (Stand des Wissens: 28.11.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?350655
Glossar
ETCS
Standard eines EU-weit harmonisierten Zugbeeinflussungssystems, welches im Falle einer entsprechenden Streckeninfrastrukturausstattung und Fahrzeugertüchtigung die unterbrechungsfreie Durchführung grenzüberschreitender Schienenverkehre ermöglicht, ohne zu diesem Zweck das triebfahrzeugseitige Mitführen unterschiedlicher, auf nationaler Ebene verwendeter Systemkomponenten vorauszusetzen.

Mit Hilfe von Zugbeeinflussungssystemen lassen sich auf dem Streckennetz stattfindende Fahrten beispielsweise hinsichtlich einer Einhaltung erlaubter Höchstgeschwindigkeiten oder der Befolgung signalisierter Befehle überwachen, um gegebenenfalls automatische Schutzreaktionen auszulösen. So können etwa Triebfahrzeuge, welche ein Halt zeigendes Signal überfahren, selbsttätig zum Stillstand gebracht werden.

In Zukunft wird der automatische Zugbetrieb (Automatic Train Operation, ATO) auf Grundlage des ECTS gebaut.
Punktförmige Zugbeeinflussung Die im Schienenverkehr verwendete punktförmige Zugbeeinflussung ist eine diskontinuierliche Methode zur Sicherung des Fahrens im festen Raumabstand. Die Zugbeeinflussung erfolgt ortsfest, daher punktförmig. Ihr Einsatz ist nur bis zu einer Höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h zulässig.
Leit- und Sicherungstechnik
Unter dem Begriff der Leit- und Sicherungstechnik (LST) werden technische Maßnahmen zusammengefasst, die getroffen werden, um einen sicheren, meist signalgeführten Eisenbahnbetrieb durchzuführen. Sie regelt die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen den Anlagen, den Signalen und den Fahrzeugen, die zur sicheren Durchführung von Zug- und anderen Fahrten notwendig sind. Wichtigster Bestandteil der LST ist die Stellwerkstechnik, mit Hilfe derer das Stellen von Weichen und Signalen sowie die Sicherung von Fahrstraßen erfolgt. Zur LST gehört auch die Zugbeeinflussung (z. B. PZB, LZB, ETCS).
PPP Public Private Partnership beschreibt Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Unternehmen. Normalerweise findet diese über eine Kapitalverflechtung bei den auszuführenden Projekten statt. Eine Gewinnerzielung ist durchaus erwünscht, um Anreize für das private Unternehmen zu schaffen.
Instandsetzung
Im Kontext der Straßenerhaltung versteht man unter "Instandsetzung" bauliche Maßnahmen zur Substanzerhaltung oder zur Verbesserung von Oberflächeneigenschaften von Verkehrsflächen, die auf zusammenhängenden Flächen in der Regel in Fahrstreifenbreite bis zu einer Dicke von 4 cm ausgeführt werden. Bei der Bauwerkserhaltung beschreibt der Begriff diejenigen Erhaltungsmaßnahmen an Bauteilen oder Bauteilgruppen, die keine Erneuerungsmaßnahmen sind.
Feste Fahrbahn Unter dem Begriff Feste Fahrbahnwird im allgemeinen ein Oberbau von Schienenfahrwegen verstanden, bei dem der herkömmliche Schotter durch ein anderes Material (insbesondere Beton oder Asphalt) ersetzt wird, welches im Gegensatz zum Schotter nur geringe Verformungen aufweist. Die geforderte Elastizität wird bei der FF durch Verwendung von elastischen Materialien zwischen Schiene und Schwelle und/oder unter der Schwelle (so genannte Zwischenlagen) erreicht.
Instandhaltung Im Kontext des Erhaltungsmanagements bezeichnen die Begiffe "Instandhaltung" und "bauliche Unterhaltung" bauliche Maßnahmen kleineren Umfangs zur Substanzerhaltung von Verkehrsflächen, die mit geringem Aufwand in der Regel sofort nach Auftreten eines örtlich begrenzten Schadens ausgeführt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?349448

Gedruckt am Sonntag, 9. August 2020 01:26:28