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Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion

Erstellt am: 25.03.2011 | Stand des Wissens: 20.09.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Laut IPCC (2007) sind momentan ca. 800 Millionen Menschen unterernährt. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich der weltweite Bedarf an Nahrungsmitteln in den nächsten 30 bis 40 Jahren noch einmal verdoppeln wird. Eine Ausweitung der Nahrungsmittelproduktion im benötigten Ausmaß, zum Beispiel durch künstliche Bewässerung, Kunstdüngereinsatz und ertragreichere Züchtungen, erscheint dabei als sehr unsicher. Zudem geht eine Intensivierung der Nahrungsmittelproduktion mit einer Verstärkung einer Vielzahl an negativen Umweltauswirkungen einher, wie beispielsweise [Quelle: IPCC_WG2]:
  • Biologische und Chemische Auslaugung von Böden
  • Grundwasserabsenkung
  • Versalzung von Böden
  • Bodenerosion und Bodenverdichtung

Desweiteren führt eine Ausweitung von Anbauflächen zu einer Verringerung der Kohlenstoffsenken in Form von Biomasse und stellt für verbleibende Ökosysteme eine zusätzliche Belastung dar.

Direkte Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft sind vor allem bedingt durch höhere Temperaturen, eine Veränderung der Niederschläge sowie einer Änderung in der Länge und des Beginns von Anbauphasen. Indirekte Auswirkungen betreffen das verstärkte Auftreten von Krankheiten, Unkraut und Schädlingen [Quelle: IPCC_WG2].

Bezüglich der Schadenswirkung muss regional strak unterschieden werden. Während heute eher gemäßigte oder kühle Regionen mit einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Bedingungen rechnen können, dürften heute bereits wenig fruchtbare Trockenregionen besonders stark von einer potentiellen Verschlechterung betroffen sein. Anpassungsmöglichkeiten bestehen im Einsatz anderer Nutzpflanzen oder neuer Züchtungen, eine Änderungen in den Anbauzyklen oder einem verbesserten Wassermanagement [Quelle: IPCC_WG2].
Nahrung.jpgAbb1: Änderung der Agrarproduktion [Quelle: Eden10]




Die weltweiten Fischbestände dürften gemäß dem IPCC (2007) ebenfalls sensibel auf eine Änderung des globalen Klimas reagieren, wenn auch mit regional sehr unterschiedlichen Auswirkungen. Die Fischzucht (insbesondere in höher gelegenen Süßwasserregionen) könnte dabei ausgebaut werden, wohingegen Änderungen im Reproduktionszyklus und den Wanderbewegungen regional oftmals zu einem Rückgang in der maritimen Fischerei führen dürften [Quelle: IPCC_WG2].
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Literatur
[Eden10] Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Edenhofer, Ottmar Eckpunkte einer globalen Klima- und Energiepolitik, 2010/10
[IPCC_WG2] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), M.L. Parry, O.F. Canziani, J.P. Palutikof, P.J. van der Linden , C.E. Hanson (eds) Contribution of Working Group II to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA., 2007
Glossar
Biomasse Biomasse umfasst:
  • Reststoffe wie z.B. Restholz, organische Abfälle (Biomüll, Gülle etc.), Stroh sowie
  • Energiepflanzen wie z.B. Raps, schnell wachsende Baumarten, Energiegetreide, Miscanthus.
IPCC Mandat Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), wurde ins Leben gerufen, um Entscheidungsträgern und anderen am Klimawandel Interessierten eine objektive Informationsquelle über Klimaänderungen zur Verfügung zu stellen. Der IPCC betreibt selbst keine Wissenschaft und überwacht keine Klimadaten oder -parameter. Seine Aufgabe besteht darin, die aktuelle wissenschaftliche, technische und sozioökonomische Literatur, die weltweit zu dem Thema publiziert wird, umfassend, objektiv, offen und transparent zusammenzutragen und zu bewerten. Das Themengebiet reicht vom Risiko menschengemachter Klimaänderung über ihre beobachteten und projizierten Auswirkungen bis hin zu Anpassungs- und Minderungsoptionen. IPCC-Berichte sollten politisch neutral sein, obgleich sie sich objektiv mit politisch relevanten wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Faktoren befassen müssen. Sie sollten hohen wissenschaftlichen und technischen Standards genügen und möglichst eine Vielzahl an Meinungen und Fachkenntnissen sowie eine breite geographische Verteilung widerspiegeln. Wer ist IPCC? Der IPCC ist ein wissenschaftliches zwischenstaatliches Gremium, das von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) ins Leben gerufen wurde. Es besteht aus:
  • Den Regierungen: der IPCC steht allen WMO- und UNEP-Mitgliedsstaaten offen. Deren Regierungen nehmen an IPCC-Vollversammlungen teil, auf denen die wichtigsten Beschlüsse über das Arbeitsprogramm gefasst werden und Berichte angenommen, verabschiedet und genehmigt werden. Sie sind außerdem an der Begutachtung der IPCC-Berichte beteiligt.
  • Den Wissenschaftlern: hunderte von Wissenschaftler aus der ganzen Welt tragen zur Arbeit des IPCC als Autoren und Gutachter bei.
  • Den Menschen: als ein Gremium der Vereinten Nationen strebt der IPCC nach der Förderung der UN Entwicklungsziele.
Die IPCC-Arbeitsgruppen und Task Forces Der IPCC hat zurzeit 3 Arbeitsgruppen und die Task Force on National Greenhouse Gas Inventories. Die Arbeitsgruppen und die Task Force haben klar umrissene, vom Ausschuss verabschiedete Mandate, und ihre Aktivitäten werden von je zwei Ko-Vorsitzenden geleitet. Sie werden je von einem Sekretariat (Technical Support Unit, TSU) und dem Arbeitsgruppen- bzw. Task Force-Vorstand unterstützt. Arbeitsgruppe 1 befasst sich mit den "Wissenschaftlichen Grundlagen von Klimaänderung", Arbeitsgruppe 2 mit "Auswirkungen, Anpassung und Verwundbarkeiten" und Arbeitsgruppe 3 mit der "Verminderung des Klimawandels". Das Hauptziel der Task Force besteht in der Entwicklung und Verfeinerung einer Methode zur Berechnung von und Berichterstattung über nationale THG-Emissionen und -Entnahmen. Zusätzlich zu den Arbeitsgruppen und der Task Force können weitere Task Forces und Leitungsgremien eingerichtet werden, um bestimmte Themen für einen begrenzten Zeitraum oder auch länger zu behandeln. Arbeitsgruppe 1: www.ipcc-wg1.unibe.ch/index.html Arbeitsgruppe 2: www.ipcc-wg2.gov/ Arbeitsgruppe 3: www.ipcc-wg3.de/ Quelle: Deutsche IPCC Koordinierungsstelle

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?345818

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 08:40:27