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Sattelauflieger im Kombinierten Verkehr

Erstellt am: 04.02.2011 | Stand des Wissens: 18.03.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Große Fahrzeuge des Straßengüterverkehrs lassen sich in Lkw mit Anhänger, so genannte Gliederzüge mit einer maximal zulässigen Gesamtaufbaulänge von 15,65 Metern und Zugmaschinen mit Sattelaufliegern, so genannte Lastzüge mit einer maximal zulässigen Aufbaulänge von 13,60 Metern, gliedern [Hoep13]. Für den unbegleiteten Kombinierten Verkehr sind vor allem Sattelauflieger von Bedeutung, da bei ihnen Fahrzeug und Ladeeinheit ohne technische Hilfsmittel trennbar sind [Lamp06, S. 8]. Daraus resultieren ein besseres Verhältnis von Nutz- zu Gesamtmasse sowie geringere Kosten. Zudem eignen sich Sattelauflieger aufgrund ihrer Abmessungen zum Transport in Taschenwagen und den meisten Containertragwagen der Bahn [ArIs08].
Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal bei Sattelaufliegern und Anhängern stellt die Kranbarkeit dar. Kranbare Ladeeinheiten verfügen über verstärkte Stellen am Außenrahmen, die als Greifkanten bezeichnet werden, und eignen sich daher für den Vertikalumschlag. Sie müssen für den Bahntransport zugelassen, kodifiziert werden und Mindestanforderungen an Stabilität aufweisen [ArIs08;Lamp06, S. 8]. Für den Horizontalumschlag nicht kranbarer Sattelauflieger, die einen Anteil von etwa 80 Prozent in Europa haben, wurden im Kombinierten Verkehr Straße-Schiene spezielle Waggons konzipiert, zum Beispiel Modalohr oder CargoBeamer. Bisher erfolgt ihr Transport wie bei Lastzügen mit Niederflurwagen der "Rollenden Landstraße"[Pfoh18a, S. 183].
Eine Besonderheit sind bimodale Sattelauflieger. Dabei handelt es sich um Straßenfahrzeuge, deren Zug- und Druckfestigkeit für den Schienenverkehr ausgelegt sind. Für den Hauptlauf auf der Schiene werden an den Enden der Sattelauflieger Drehgestelle befestigt. Dadurch wird ein günstiges Verhältnis von Nutz- zu Eigenmasse erreicht, da der Tragrahmen des Güterwagens entfällt [Pfoh18a, S. 183].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Ladeeinheiten im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 18.03.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?345477
Literatur
[ArIs08] Arnold, D., Isermann, H., Kuhn, A., Furmans, K., Tempelmeier, H. Handbuch Logistik, Ausgabe/Auflage 3., neu bearbeitete Auflage, Springer-Verlag / Berlin Heidelberg, 2008, ISBN/ISSN 3540729283
[Hoep13] Appel, W., Brähler, H., Breuer, S., Dahlhaus, U., Esch, Th., Hoepke, E., Kopp, S., Rhein, B. Nutzfahrzeugtechnik - Grundlagen, Systeme, Komponenten, Ausgabe/Auflage 7. Auflage, Vieweg & Teubner, Wiesbaden, 2013, ISBN/ISSN 978-3-8348-1795-2
[Lamp06] Lampe, H., Untersuchung von Dispositionsentscheidungen in Umschlagterminals des kombinierten Verkehrs Schiene-Straße, Praxiswissen, Dortmund, 2006, ISBN/ISSN 978-3-89957-038-0
[Pfoh18a] Pfohl, Hans-Christian Logistiksysteme (9.Auflage), Springer Vieweg, Berlin, Heidelberg, 2018, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-662-56228-4
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Taschenwagen Eisenbahnwaggon für die Beförderung von Sattelanhängern im Kombinierten Verkehr. Die Wagen haben zwischen den Drehgestellen eine tiefliegende Tasche zur Aufnahme der Achsaggregate des Sattelanhängers.
Hauptlauf Unter dem Hauptlauf ist im Kombinierten Verkehr der gebündelte Transport von Ladeeinheiten zwischen zwei Umschlagpunkten zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Transportmittel. Transporte vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger werden als Vor- bzw. Nachlauf bezeichnet.
Horizontalumschlag Beim Horizontalumschlag werden zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln Ladeeinheiten entlang der Waagerechten umgeladen, das heißt ohne sie in nennenswertem Umfang anzuheben.
Sattelauflieger Ein motorloses Fahrzeug für den Güterverkehr, das dazu bestimmt ist, so an eine Zugmaschine angekuppelt zu werden, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Ladung von diesem Kraftfahrzeug getragen wird. Eine Anpassung der Sattelanhäger für die Verwendung im Kombinierten Verkehr kann erforderlich sein. Der Begriff Sattelanhänger wird im FIS synonym verwendet.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Rollende Landstraße
Die Rollende Landstraße (RoLa) ist ein Produkt im Bereich des Schienengüterverkehrs. Sie stellt eine spezifische Form des begleiteten Kombinierten Verkehrs dar. Dabei werden Lastkraftwagen bzw. Sattelzüge mit Hilfe der Roll-On/Roll-Off-Technik auf einen Güterzug aus durchgehenden Niederflurwagen verladen und über eine bestimmte Strecke transportiert. Die Fahrer begleiten ihre Fahrzeuge i. d. R. in einem mitgeführten Reisezugwagen. In Europa wird die RoLa z. B. für alpenquerende Verkehre angeboten. Sie kann eine betriebswirtschaftliche und/oder ökologische Alternative zum Straßengütertransport sein.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?341382

Gedruckt am Dienstag, 6. Dezember 2022 01:40:42