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Wechselbrücken im Kombinierten Verkehr

Erstellt am: 02.02.2011 | Stand des Wissens: 31.07.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Wechselbrücken, auch Wechselaufbauten oder Wechselbehälter genannt, sind abnehmbare, an den Unterseiten mit verstärkten Greifzangenleisten ausgestattete Lastwagenaufbauten, die ein gutes Verhältnis zwischen Nutz- und Eigenlast bieten [ArIs08].

Die Außenmaße der Wechselbrücken wurden 1992 vom europäischen Normenkomitee CEN im Einklang mit den Bestimmungen zu Außenmaßen des Straßengüterverkehrs festgelegt. Die Breite beträgt außen 2,50 Meter und innen 2,44 Meter, was für den Transport von Euro-Paletten von Vorteil ist. Die Außenlänge liegt zwischen 6,25 Metern und 13,60 Metern. Sehr gebräuchlich sind Wechselbrücken der Längen 7,15 Metern und 7,45 Metern mit 17 beziehungsweise 18 Palettenstellplätzen [BuCl09]. Ihre Zuladung beträgt bis zu 16 Tonnen, sodass ein Lkw mit Anhänger zwei Wechselbrücken transportieren kann [Vahr05].

Es wird zwischen Planen- und Stahlkoffer-Wechselaufbauten unterschieden. Letztere haben den Vorteil, dass sie stabiler, weniger druckempfindlich und dadurch bis zu dreifach stapelbar sind - eine Eigenschaft, die zur Ausnutzung der Kapazität insbesondere in der Binnenschifffahrt von Bedeutung ist. Die nicht stapelbaren Planenaufbauten eignen sich in der Praxis vor allem im Kombinierten Verkehr nur für die Verknüpfung Schiene - Straße [Boga08].

Wechselbrücken verfügen über Stützfüße, die vor der Abstellung ausgeklappt werden. Die Standard-Abstellhöhe beträgt 1320 Millimeter [Hoep13]; die Bodenhöhe entspricht also etwa der von Lkw-Ladeflächen. Dadurch weisen sie große logistische Vorteile auch außerhalb des Kombinierten Verkehrs auf. So können sie direkt vor Ladetore, die in der Regel den Abmessungen des Straßengüterverkehrs angepasst sind, abgestellt und be- oder entladen werden, während das Fahrzeug für andere Transportaufträge genutzt wird [BuCl09]. In Speditionsnetzwerken werden Wechselbrücken aufgrund des schnell und ohne weitere technische Hilfsmittel möglichen Umschlags zwischen Straßenfahrzeugen in Begegnungsverkehren eingesetzt [ArIs08]. Im Kombinierten Verkehr ist bei ausgeklappten Stützfüßen ebenfalls kein Portalkran oder Reachstacker zur Be- und Entladung der Straßenfahrzeuge erforderlich. Der Umschlag von oder zu Güterwagen oder Binnenschiff muss jedoch in der Regel vertikal erfolgen.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Ladeeinheiten im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 06.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?345477
Literatur
[ArIs08] Arnold, D., Isermann, H., Kuhn, A., Furmans, K., Tempelmeier, H. Handbuch Logistik, Ausgabe/Auflage 3., neu bearbeitete Auflage, Springer-Verlag / Berlin Heidelberg, 2008, ISBN/ISSN 3540729283
[Boga08] Bogatu, Christian SmartContainer als Antwort auf logistische und sicherheitsrelevante Herausforderungen in der Lieferkette, veröffentlicht in Schriftenreihe Logistik der Technischen Universität Berlin, Universitätsverlag der TU Berlin, Berlin, 2008
[BuCl09] Sieke, Harald, Clausen, Uwe Große Netze der Logistik - Die Ergebnisse des Sonderforschungsbereichs 559, Springer, München / Berlin, 2009
[Hoep13] Appel, W., Brähler, H., Breuer, S., Dahlhaus, U., Esch, Th., Hoepke, E., Kopp, S., Rhein, B. Nutzfahrzeugtechnik - Grundlagen, Systeme, Komponenten, Ausgabe/Auflage 7. Auflage, Vieweg & Teubner, Wiesbaden, 2013, ISBN/ISSN 978-3-8348-1795-2
[Vahr05] Vahrenkamp Logistik - Management und Strategien, Ausgabe/Auflage 5. Auflage, 2005
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
CEN Comité Européen de Normalisation (CEN) ist eine der drei großen Normungsorganisationen in Europa. Sie ist verantwortlich für europäische Normen (EN) in allen technischen Bereichen außer der Elektrotechnik und der Telekommunikation.
Palette Eine Palette ist ein Ladungsträger, auf dem eine größere Anzahl von Transportgütern zu gleichartigen (unifizierten) Ladungseinheiten zusammengefasst werden kann. Durch Normierung von Bauart und Größe jeweils verwendeter Paletten sowie korrespondierender Transport-, Umschlags- oder Lagersysteme lassen sich anfallende logistische Prozesse sowohl in zeitlicher als auch monetärer Hinsicht rationalisieren.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Wechselbehälter Ein für den Gütertransport bestimmter Behälter, der im Hinblick auf die Abmessungen von Straßenfahrzeugen optimiert wurde und mit Greifkanten für den Umschlag zwischen den Verkehrsmitteln - in der Regel Straße-Schiene - ausgestattet ist. Gebräuchlich sind Behälter mit Längen von 7 m (Klasse C) und 13 m (Klasse A).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?341206

Gedruckt am Montag, 6. April 2020 06:28:35