Forschungsinformationssystem des BMVI

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Verkehrstelematik für den Motorisierten Individualverkehr

Erstellt am: 19.01.2011 | Stand des Wissens: 07.03.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die Verkehrstelematik im motorisierten Individualverkehr (MIV) hat zwei wesentliche Ziele: die Verbesserung von Verkehrssicherheit und Verkehrseffizienz.
Diese Ziele können durch Anwendungen verfolgt werden, die steuernd, leitend oder informierend Einfluss auf den Verkehr nehmen. Steuernde, leitende oder informierende verkehrstelematische Anwendungen können entweder alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen (kollektiv), oder den einzelnen Fahrer (individuell) adressieren. Darüber hinaus gibt es noch verkehrstelematische (individuelle) Dienste [TUM04].

Steuernde Anwendungen haben rechtlich verbindlichen Charakter. Der Fahrer muss sich an die Vorgaben dieser Systeme halten. Dadurch bieten sie die Möglichkeit einer starken Beeinflussung des Verkehrs.
Die folgenden steuernden Anwendungen zählen zum Stand der Technik:
  • Steuerung von Lichtsignalanlagen
  • Zuflussregelung
  • Variable Fahrstreifenzuweisung / Seitenstreifenfreigabe
  • Streckenbeeinflussung (Geschwindigkeitsvorgaben)
  • Parkraumbewirtschaftung
  • Zugangskontrolle
Leitende Anwendungen haben empfehlenden Charakter. Der Fahrer ist nicht rechtlich daran gebunden, er kann die Empfehlung akzeptieren, er kann sie aber auch ignorieren. Die Beeinflussung des Verkehrs ist trotzdem wirkungsvoll, sofern sich die Befolgung der Empfehlung wiederholt als vorteilhaft für den Fahrer herausstellt.
Die folgenden leitenden Anwendungen zählen zum Stand der Technik:
  • Wechselwegweisung
  • Parkleitsystem
  • Individuelle Navigation / Routenplanung
  • Geschwindigkeitsempfehlung
Informierende Anwendungen haben informativen Charakter. Der Fahrer kann die Information nutzen, um sein Verhalten anzupassen. Die Information kann auch eine Warnung sein.
Sofern die Informationen zuverlässig sind, wird der Fahrer sein Verhalten anpassen und der Verkehr entsprechend beeinflusst.
Die folgenden informierenden Anwendungen zählen zum Stand der Technik:
  • straßenparallele Warnung
  • kollektive Parkinformation
  • dynamische Information zu Park-and-ride (P+R)
  • kollektive Verkehrsinformation
  • Rundfunkverkehrsinformation
  • individuelle Verkehrsinformation vor und während der Reise (Reiseinformation)
  • Wetterinformation/-warnung
  • Gefahrenwarnung (Hinderniswarnung, Baustellenwarnung, Stauende-Warnung, Einsatzfahrzeugwarnung, Warnung vor Rotlichtverstoß, Elektronisches Bremslicht, ...)
Verkehrstelematische Dienste und sonstige (Komfort-)Anwendungen adressieren nicht direkt die Ziele Verkehrssicherheit und Verkehrseffizienz, sondern sollen vorwiegend dem einzelnen Fahrer einen Nutzen bringen oder die Erhebung bestimmter Gebühren vereinfachen.
Die folgenden Dienste/Anwendungen zählen zum Stand der Technik:
  • Infotainment (Information und Entertainment)
  • automatischer Notruf
  • Pannenhilfe
  • Maut-/Gebührenerhebung
  • Diebstahlverfolgung
  • Ferndiagnose
  • Rest-Rot-Anzeige
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrstelematik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340318
Literatur
[TUM04] Busch, Fritz, Univ.-Prof. Dr.-Ing., Keller, Hartmut, Prof. Dr./UCB Verkehrsmanagement Straßenverkehr für München und sein Umland - Rahmenkonzept, 2004/04
Weiterführende Literatur
[BMVI18t] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Mobilität Aktionsplan, 2018/11
[EVKA98] Evers, H., Kasties, G. Kompendium der Verkehrstelematik, Technologien - Applikationen - Perspektiven, Grundwerk 1998,, TÜV Verlag GmbH, 1998, ISBN/ISSN ISBN 3-8249-0421-7
[HOKR06] Hoyer, R., Kretschmer, A. Sicherheitsverbesserungen durch telematische Anwendungen im Straßenverkehr, Magdeburg, 2006
Glossar
Park & Ride Prinzip der Verkehrslenkung durch Abstellmöglichkeiten für Pkw in der Nähe von ÖV-Haltestellen bereits im Außenbereich von Ballungsräumen, um einen Umstieg vom Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen mit dem Ziel Innenstädte zu entlasten
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Verkehrseffizienz
Beurteilungskriterium, welches beschreibt, inwieweit verkehrliche Maßnahmen, wie beispielsweise Ersparnisse in Fahrzeit, Spritverbrauch und Abgasausstoß, dass vorgegebene Ziel in einer bestimmten Art und Weise erfüllen

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?340267

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 00:52:03