Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Pilotanlagen zur Lkw-Parkraumbewirtschaftung durch Telematik

Erstellt am: 18.01.2011 | Stand des Wissens: 15.06.2018
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die Ziele der Parkraumbewirtschaftung durch Telematik sind, vorhandene Parkkapazitäten optimal auszunutzen und Suchverkehre zu vermeiden sowie den Parkverkehr durch Lastkraftwagen (Lkw) gleichmäßig zu verteilen. Bundesweit werden 15 unterschiedliche Pilotvorhaben betrieben [BMVB09], bei denen unterschiedliche telematische Ausprägungen erprobt werden, um Vorzugslösungen zu identifizieren. Die Lkw-Parkraumbewirtschaftung durch telematische Systeme soll an stark betroffenen Autobahnabschnitten mittelfristig verstärkt eingesetzt werden. Es werden unterschiedliche Systemansätze zur Unterstützung der Lkw-Parkraumbewirtschaftung mittels Telematik unterschieden [ISLB10]:
Im Rahmen des sogenannten Kolonnenparkens erhalten die Lkw gemäß der geplanten Abfahrtszeiten Stellplätze zugewiesen. Durch die Sortierung der Fahrzeuge in Kolonnen können die verfügbaren Flächen an Rastanlagen besser ausgenutzt werden. Durch das Kolonnenparken kann bei geeigneten entwurfstechnischen Randbedingungen aufgrund der dichten Aufstellung der Lkw theoretisch eine Verdoppelung der verfügbaren Stellplätze erzielt werden [BrFo05]. Beispiele für diesen Anlagentyp sind die seit 2005 an der Bundesautobahn A3 befindliche Tank- und Rastanlage Montabaur in Rheinland-Pfalz sowie der Autohof Bordesholm in Schleswig-Holstein an der Bundesautobahn A7.
Ein auf Basis des Kolonnenparkens entwickelter Steuerungsansatz für das Parkraummanagement von Lkw auf Rastanlagen ist das sogenannte Kompaktparken. Hier soll eine weitere Erhöhung der Kapazitäten von Rastanlagen erreicht werden, indem mehrere Lkw gemäß der geplanten Abfahrtszeiten kompakt hinter- und nebeneinander parken. Dynamische Anzeigen über den Stellplatzreihen liefern Informationen zu der spätesten Abfahrtszeit innerhalb der jeweiligen Reihen. Es wird von einem Betrieb ohne Einweisungspersonal ausgegangen. Die Fahrer sollen selbständig und freiwillig geeignete Parkstände wählen [KlLe09].
KompaktparkenPrinzip.JPGAbb. 1: Prinzip des Kompaktparkens [BASt17,S.13] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Das Kompaktparken wurde im Rahmen eines Pilotprojekts auf der Rastanlage Jura West an der A3 in Fahrtrichtung Regensburg realisiert und ist seit 2016 in Betrieb [AuNo17]. Um das Kompaktparken künftig auch auf andere Raststätten anwenden zu können, sollen durch das Pilotprojekt insbesondere Erkenntnisse zur Nutzerakzeptanz und Leistungsfähigkeit gewonnen werden [BASt17, S. 13].
Kollektiv wirksame elektronische Anzeigen an Bundesautobahnen informieren Lkw-Fahrer über die Zahl der freien Stellplätze in der nächstgelegenen Rastanlage (Information über Belegungsgrad einer singulären Rastanlage). Dies führt zu einer Verringerung der Suchfahrten auf den Parkplätzen. Diese Maßnahme wird beispielsweise in Bayern an der Bundesautobahn A8 vor der Tank- und Rastanlage Aichen und in Rheinland-Pfalz an der Tank- und Rastanlage Brohltal-Ost (Bundesautobahn A61) eingesetzt.
Mittels der Information zu freien Stellplätzen mehrerer hintereinander liegender Rastanlagen entlang eines Streckenzuges soll eine gleichmäßige Auslastung der Parkplätze und somit eine optimierte Nutzung erreicht werden. Die Information zu der Stellplatzverfügbarkeit kann über straßenseitige Anzeigen sowie weitere Medien übertragen werden. Für einen Streckenabschnitt der Bundesautobahn A9 wurde eine Vorstudie durchgeführt, Anlagen in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg sind geplant [GlDi10].
Die Ausführungen zeigen, dass die wesentlichen Aspekte, die den Betrieb der Pilotanlagen charakterisieren, die Detektion der Belegung sowie die Übermittlung der Informationen an die Lkw-Fahrer sind.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lkw-Parkraumbewirtschaftung durch Telematik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340003
Literatur
[AuNo17] Autobahndirektion Nordbayern (Hrsg.) Kompaktparken Rastanlage Jura-West, 2017
[BASt17] Bundesanstalt für Straßenwesen (Hrsg.) Jahresbericht 2015 / 2016, Fachverlag NW in der Carl Schünemann Verlag GmbH / Bremen, 2017/03, ISBN/ISSN ISBN 978-3-95606-260-5
[BMVB09] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Pilotvorhaben zur Parkraumbewirtschaftung durch Telematik, 2009
[BrFo05] Breßler, Dierk, Dipl.-Ing. (FH), Follmann, Jürgen, Dr.-Ing. Kolonnenparken für Lkw auf Rastanlagen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage Heft Nr. 10 /2005, Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2005/10
[GlDi10] TRANSVER GmbH, Dr.-Ing. K. Bogenberger, Glöckl, U., Dinkel, A. Vorstudie zum RE-Entwurf - Telematisches Lkw-Parken auf der BAB A9, 2010/04
[ISLB10] ISL Baltic Consult, urbane ressourcen Evaluierung von Pilotprojekten zu telematischen Verfahren für Lkw-Parken auf Bundesautobahnen, Ausgabe/Auflage 1. Zwischenbericht, 2010/05
[KlLe09] Kleine, J., Lehmann, R. Neuer telematischer Steuerungsansatz für das Parkraummanagement von Lkw auf Rastanlagen an Bundesautobahnen, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 12, Kirschbaum Verlag / Bonn, 2009
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Telematik Der Begriff Telematik ist aus den Worten Telekommunikation und Informatik zusammengesetzt und bezeichnet Technologien, die Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik miteinander verknüpfen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?340039

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 14:37:07