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Lösungsansätze zur Minderung der Probleme des Lkw-Verkehrs beim Parken an Autobahnen

Erstellt am: 18.01.2011 | Stand des Wissens: 27.08.2018
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die Bundesregierung will das bestehende Stellplatzdefizit für Lastkraftwagen (Lkw) an deutschen Autobahnen schnellstmöglich beseitigen. Dieses Ziel ist auch im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2013 verankert [Bund13f].
Mögliche Maßnahmen zur Minderung (der negativen Auswirkungen) des Stellplatzdefizits an Autobahnen sind [Rams10]:
  • Neu-, Um- und Ausbaumaßnahmen zur Verbesserung des Parkflächenangebots
  • Zusätzliche Lkw-Parkflächen durch die Einbindung privater Anbieter
  • Parkraumbewirtschaftung durch Telematik
Die Lkw-Fahrer wollen ihre Fahrzeuge vornehmlich auf den Rastanlagen der Bundesautobahnen parken. In diesem Sinne wurden die Planung und der Bau aktueller Neu-, Um- und Ausbaumaßnahmen beschleunigt. Im Zeitraum von 2008 bis 2013 konnten rund 14.000 zusätzliche Lkw-Stellplätze auf den Rastanlagen bereitgestellt werden. Diese Erhöhung des Parkangebots auf den Rastanlagen soll eine merkliche Verbesserung der Situation für die Lkw-Fahrer bewirken. Zukünftig sollen durch Bund und Länder weitere Lkw-Stellplätze geschaffen werden [KaSc14].
Durch die Konjunkturprogramme I und II wurden die Haushaltsmittel für den Neu-, Um- und Ausbau von Rastanlagen deutlich erhöht. Im Jahr 2013 wurden den Ländern durch den Bund wiederum 130 Millionen Euro zur Verfügung gestellt [BMVBS12j].

Der Bund entwickelt Public-Private-Partnership (PPP)-Modelle, die private Investoren für die bedarfsgerechte Realisierung zusätzlicher Lkw-Stellplätze einbinden.
Diese neuen Modellstrukturen sind:
  • Erweiterungsmodell - Private Anbieter erweitern Verkehrsanlagen bestehender bewirtschafteter Rastanlagen und vermieten diese Flächen an die Straßenbauverwaltung.
  • Aufwertungsmodell - Auf unbewirtschafteten Rastanlagen soll neben der Schaffung zusätzlicher Lkw-Parkkapazitäten ab einem bestimmten Umfang ein speziell auf die Bedürfnisse der Lkw-Fahrer zugeschnittenes niederschwelliges Versorgungsangebot bereitgestellt werden.
  • Regionalmodell - Entlang eines Autobahnabschnittes von 50 bis 60 Kilometern, der als konkrete Bedarfsregion definiert ist, werden durch einen privaten Anbieter zusätzliche Lkw-Stellplätze geschaffen [BMVB10].

Ziel der Parkraumbewirtschaftung durch Telematik ist es, vorhandene Parkkapazitäten optimal auszunutzen und Suchverkehre zu vermeiden. Telematische Systeme sollen zudem dazu beitragen, den Lkw-Parkverkehr gleichmäßig zu verteilen.
Bundesweit werden 15 unterschiedliche Pilotvorhaben betrieben, bei denen zum Beispiel verschiedene Detektionsverfahren getestet werden [BMVB09].
An stark betroffenen Autobahnabschnitten soll die Lkw-Parkraumbewirtschaftung mittelfristig durch telematische Systeme unterstützt werden.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lkw-Parkraumbewirtschaftung durch Telematik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340003
Literatur
[BMVB09] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Pilotvorhaben zur Parkraumbewirtschaftung durch Telematik, 2009
[BMVB10] ÖPP Deutschland AG Übersicht ÖPP - Vertragsmodelle, 2010
[BMVBS12j] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Neuer Lkw-Stellplatz Nr. 10.000 fertiggestellt, 2012/12/29
[Bund13f] CDU Deutschlands, CSU-Landesleitung, SPD Deutschlands Zukunft gestalten
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
18. Legislaturperiode, 2013/12/16
[KaSc14] Kathmann, T., Schroeder, S., Bär, A. Lkw-Parken auf BAB - Auswertung der bundesweiten Erhebung der Parkstandnachfrage an BAB 2013, 2014/02
[Rams10] Dr. Ramsauer Mehr Lkw-Parkplätze auf Autobahnen, 2010/04/06
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Telematik Der Begriff Telematik ist aus den Worten Telekommunikation und Informatik zusammengesetzt und bezeichnet Technologien, die Datenverarbeitung und Nachrichtentechnik miteinander verknüpfen.
PPP Public Private Partnership beschreibt Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Unternehmen. Normalerweise findet diese über eine Kapitalverflechtung bei den auszuführenden Projekten statt. Eine Gewinnerzielung ist durchaus erwünscht, um Anreize für das private Unternehmen zu schaffen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?340035

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 10:52:57