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Beschreibung der Probleme des Lkw-Verkehrs beim Parken an Autobahnen

Erstellt am: 18.01.2011 | Stand des Wissens: 18.02.2019
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Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Ein Großteil des Güterfernverkehrs in Deutschland wird straßengebunden mittels Lastkraftwagen (Lkw) abgewickelt [BMVI16i]. Der Ausbau von Rastanlagen auf den Bundesautobahnen konnte und kann weiterhin an einigen Stellen nicht mit dem starken Verkehrszuwachs im Güterverkehr mithalten [Rams10]. Da den Lkw-Fahrern im Rahmen der Sozialvorschriften der europäischen Gemeinschaft für Fahrpersonal gesetzlich erforderliche Lenkzeitunterbrechungen und Ruhepausen vorgeschrieben werden, ist es besonders wichtig, den Bedarf an Stellplätzen zu erfüllen. Widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge und übermüdete Fahrer bergen ein hohes Sicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS, seit 2013 Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur BMVI) werden auf bewirtschafteten und unbewirtschafteten Rastanlagen der Bundesautobahnen sowie auf Autohöfen alle fünf Jahre die Stellplatzsituation für Lkw erfasst. Die bundesweiten Erhebungen fanden in vier Nächten des Jahres 2008 statt. Ein Ergebnis ist, dass zum Zeitpunkt der Erhebungen ein Defizit von rund 14.000 Lkw-Stellplätzen auf und an den Bundesautobahnen bestand. Die Erhebungsergebnisse wurden in einer Karte dargestellt. Das rund 12.200 Kilometer lange Bundesautobahn-Netz wurde auf Basis der Straßenverkehrszählung 2005 in 419 Abschnitte untergliedert, die möglichst eine einheitliche Länge und einen homogenen Schwerverkehrsanteil aufweisen. Die Erhebungen zeigten, dass vor allem abends und nachts, insbesondere von Montag bis Donnerstag, auf den Rastanlagen zu wenige Lkw-Stellplätze zur Verfügung standen [BMVBS08]. 
KapazitaetLkwParkstaende2013.jpgAbb. 1: Lkw-Parkmöglichkeiten auf und an Bundesautobahnen (BAB) in Deutschland (Stand: April 2013) (Eigene Darstellung auf Grundlage von KaSc14, S. 6)
Die Verkehrszählung aus dem Jahr 2013 attestiert wie in Abbildung 1 zu erkennen ein Defizit von rund 11.000 Lkw-Parkplätzen, bei insgesamt rund 72.000 abgestellten Lkw. Aufgrund eines höheren Lkw-Aufkommens auf deutschen Autobahnen im Vergleich zu 2008 konnte das Defizit trotz der Schaffung 14.000 neuer Lkw-Parkplätze nicht noch weiter verringert werden [KaSc14].
Aus dem festgestellten Defizit an Lkw-Parkplätzen resultiert ein 'Lkw-Parksuchverkehr', was für die Lkw-Fahrer entweder bedeutet, dass die maximal erlaubte Lenkzeit überschritten werden muss bis ein geeigneter Stellplatz gefunden wird oder dass ordnungswidrig auf nicht gekennzeichneten Flächen geparkt werden muss. Dieser Parksuchverkehr und die damit verbundenen Parkvorgänge stellen aufgrund der ermüdeten Fahrer und der beengten Fahrverhältnisse auf zugeparkten Rastanlagen ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko für alle Verkehrsteilnehmer dar. Zudem resultieren aus den zum Teil unnötigen Suchfahrten zusätzliche Emissionen.
In autobahnnahen Bereichen, wie zum Beispiel Gewerbegebieten, kommt es zudem zu vermehrtem Lkw-Parken, das in bestimmten Bereichen nicht erwünscht ist.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lkw-Parkraumbewirtschaftung durch Telematik (Stand des Wissens: 24.09.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?340003
Literatur
[BMVBS08] Bundesanstalt für Straßenwesen Parksituation für Lkw auf BAB in Deutschland in den Nachtstunden, 2008
[BMVI16i] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2016/2017, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2016/09, ISBN/ISSN ISBN 978-3-87154-591-7
[KaSc14] Kathmann, T., Schroeder, S., Bär, A. Lkw-Parken auf BAB - Auswertung der bundesweiten Erhebung der Parkstandnachfrage an BAB 2013, 2014/02
[Rams10] Dr. Ramsauer Mehr Lkw-Parkplätze auf Autobahnen, 2010/04/06
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?340031

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 14:50:55