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Organisation des Güterverkehrs

Erstellt am: 24.11.2010 | Stand des Wissens: 11.07.2020
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Dieser Synthesebericht befasst sich mit Innovationsansätzen in der Organisation des Güterverkehrs. Die Ansätze lassen sich in Anlehnung an eine Studie des Öko-Institut e.V. in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Verkehrssysteme und -logistik der Universität Dortmund und dem Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik (vgl. [SCHM07a]) in die Bereiche Optimierung von bestehenden Logistiknetzen, Neuorganisation von Logistiknetzen und Kooperation und Vernetzung der Verkehrsträger kategorisieren:
Optimierung von bestehenden Logistiknetzen
Die Optimierung von bestehenden Logistiknetzen ist eine klassische Aufgabenstellung der Logistik und findet Anwendung im Güterverkehr der Straße, aber auch auf den Schienen. Zur Routen- und Tourenoptimierung im Bereich der Straße wurde eine Vielzahl von Forschungsvorhaben durchgeführt, um die Umsetzung in ausgewählten Logistikbereichen zu unterstützen. Ziel dieser Studien ist eine Erarbeitung von innovativen Lösungen, um die ökonomische und ökologische Effizienz zu verbessern.
Innovationen im Schienenverkehr zielen darauf ab, die Attraktivität von Netzen durch schnellere Transporte zu steigern. Dazu zählt ein getaktetes Systemverkehrsnetz für den Schienengüterverkehr, aber auch das Güterverkehrsnetz für Einzelwagen und Wagengruppen (vgl. [SCHM07a], S.28).
Neuorganisation von Logistiknetzen
Im Gegensatz zur oben genannten Optimierung von bestehenden Logistiknetzen steht an dieser Stelle die Neuorganisation von Logistiknetzen im Fokus. Dazu werden komplett neue Ansätze entwickelt, um jeden Aspekt des Güterverkehrs zu optimieren. Beispiele finden sich unter anderem zur Lösung des Problemfeldes der letzten Meile. So werden innovative Lösungen eingesetzt, um die ökonomische Effizienz zu verbessern und ökologische Vorteile zu realisieren. Dazu zählen Paketstationen, bei der die Zustellung zum Kunden entfällt und durch eine Abholung durch den Kunden ersetzt wird (vgl. [SCHM07a], S.28).
Ein weiteres prominentes, bereits älteres Beispiel für die Neuorganisation von Logistiknetzen ist das Konzept der City-Logistik. Darunter versteht man überbetriebliche Konzepte zur Versorgung und Entsorgung von Verdichtungsräumen mit dem Ziel der Optimierung des Liefer- und Abholverkehrs durch Vernetzung der individuellen Lieferketten von Einzelwirtschaften in Innenstädten (vgl. [GABL10]). Dieses Konzept, das allerdings keinen echten Neuigkeitswert darstellt, wurde in verschiedenen Städten Mitte der 90er Jahre erprobt, aber selten erfolgreich umgesetzt (vgl. [SCHM07a], S.28).
Kooperation und Vernetzung der Verkehrsträger
Die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsträger kann einen immensen Beitrag zur effizienteren Gestaltung des Güterverkehrs beitragen. Sogenannte Güterverkehrszentren (GVZ) oder Güterverteilzentren (GVtZ) stellen dabei logistische Knotenpunkte dar und unterstützen eine effiziente Gestaltung der Güterverkehrsabwicklung (vgl. [SIGR01], S.553). Gleichzeitig entwickeln sich diese Terminals zu trimodalen Logistikstandorten, die neben Straße und Schiene auch das Schiff als Verkehrsmittel integrieren (vgl. [SCHM07a], S.28).
trimodaler.jpgAbbildung 1: Trimodaler Container-Umschlag im Logport Logistic-Center Duisburg (vgl. [EBN10])
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Innovation und Verkehr (Stand des Wissens: 08.07.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?334383
Literatur
[EBN10] European Business Network Glückauf-Der Hafen kommt, 2010
[GABL10] Wirtschaftslexikon Gabler.de City-Logistik, 2010
[SCHM07a] Schmidt, Martin et al. Nachhaltige Mobilität durch Innovationen im Güterverkehr, 2007
[SIGR01] Siegmann, Jürgen , Große, Christine Güterverkehrsanlagen und Güterumschlagsanlagen Schiene/Straße, veröffentlicht in Verkehr-Straße, Schiene, Luft, Ingenieurbau, 2001
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Letzte Meile
Im Bereich der Telekommunikation bezeichnet die "letzte Meile", auch Teilnehmeranschlussleitung genannt, die Netzstrecke zwischen dem lokalen Verteilerkasten des entsprechenden Kommunikations-Unternehmens und dem Hausanschluss des Endkunden.
In der Logistik steht der Begriff für die Belieferung des Endkunden im Liefer- und Abholverkehr, also dem letzten notwendigen Transportvorgang.
Güterverkehrszentrum Ein Güterverkehrszentrum (GVZ) ist ein logistischer Knoten, an dem ein Übergang zwischen mindestens zwei Verkehrsträgern, i. d. R. jedoch drei Verkehrsträgern, möglich ist und weitere logistische Funktionen, wie bspw. die Lagerung, angeboten werden.
City Der in der Stadtforschung und im allgemeinen Sprachgebrauch für die Kennzeichnung des Stadtzentrums meist größerer Städte verwendete Begriff City ist nicht eindeutig, da er im Englischen eine völlig andere Bedeutung hat. Im englischen Sprachgebrauch kann der Begriff City für drei verschiedene Varianten stehen:
  1. allgemein für eine Großstadt,
  2. für eine historische Stadt mit Bischofssitz und Kathedrale,
  3. für eine Stadt mit königlicher Urkunde und zeremoniellen Privilegien.
Der deutsch Begriff der City leitet sich aus der frühen Konzentration von Bürofunktionen in der historischen City of London ab, da sich dort bereits im 18. Jahrhundert mit dem aufkommenden und rasch entfaltenden Banken- und Versicherungswesen der neue Typ des Bürohauses herausbildete, der den Prozess der Citybildung enorm beschleunigte. In erster Linie ist City ein Funktionsbegriff. Die City ist der zentralst gelegene Teilraum einer größeren Stadt mit einer räumlichen Konzentration hochrangiger zentraler Funktionen des tertiären und quartären Sektors.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?334227

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 14:59:29