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Finanzierung und Förderung

Erstellt am: 24.11.2010 | Stand des Wissens: 11.07.2020
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Die Entwicklung neuer Technologien verbraucht finanzielle Ressourcen. Die Finanzierung und Förderung einzelner F&E-Projekte und die notwendige Verfügbarkeit von Kapital haben somit entscheidenden Einfluss auf die Umsetzung von innovativen Produktideen. Die öffentliche Förderung von F&E-Aktivitäten ist wesentlicher Bestandteil der Technologiepolitik und zielt darauf ab, die technologische Leistungsfähigkeit eines Landes weiterzuentwickeln, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Ausreichende Finanzmittel erlauben es, Inventionen zu forcieren und durch geeignete Maßnahmen am Markt zu Innovationen werden zu lassen (vgl. [VABU02], S.380). Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass finanzielle Engpässe die Innovationsmöglichkeiten einschränken und diese behindern können (vgl. [HAUS97], S.32). Die Bereitstellung (externer) finanzieller Mittel ist demnach für die Entwicklung neuer Technologien ein wichtiger Innovationstreiber. Der dadurch entstehende Innovationsschub durch Verbesserung der ökonomischen Rahmenbedingungen sollte von Seiten des Staates als vorrangig angesehen werden (vgl. [VABU02], S.39). Konkrete Finanzierungsmöglichkeiten ergeben sich aus (technologiespezifischen oder technologieunspezifischen) Förderprogrammen im Rahmen der direkten öffentlichen Förderung und der indirekten Förderung. Durch die staatliche Vergabe von Fördermitteln werden Anreize gesetzt und die Richtung der privaten F&E-Aktivitäten beeinflusst. Von besonderer Bedeutung sind dabei folgende Themen:
  • hoheitlich als notwendig definierte Themen, z.B. Verteidigung,
  • staatlich gewünschte Themen, z.B. Wettbewerbsfähigkeit, Schaffung von Arbeitsplätzen,
  • öffentlich nachgefragte Themen, wie Energieversorgung, Umweltschutz (vgl. SEWO05, S.5)
Ziele der direkten öffentlichen Förderung von F&E sind eine Stärkung des Innovationswettbewerbs sowie der Wettbewerbsfähigkeit der Akteure. Ausgewählte F&E-Felder, die aus gesellschaftlichen und ökologischen Gründen als förderungswürdig gelten, werden durch den Staat gezielt unterstützt, der dadurch zum Beispiel seiner Vorsorgepflicht bei Umwelt- und Klimafragen nachkommt (vgl. [SPBE96], S.460). Grundsätzlich handelt es sich bei der direkten Förderung um eine Anteilsfinanzierung, die von den Unternehmen eine Aufwendung von Eigenmitteln voraussetzt (50 Prozent per Zuschuss). Gleichzeitig erfolgt verstärkt eine Förderung von sogenannten Verbundprojekten, um Synergien zwischen den beteiligten Partnern zu nutzen und die Bildung von Konsortien zu stimulieren. Durch die Vergabe von Fördergeldern erhofft sich der Staat einen "Payback" in Form von Steuern oder Schaffung von Arbeitsplätzen (vgl. [SEWO05], S.5). Ein weiteres wichtiges Standbein der direkten Förderung ist die institutionelle Förderung, die nicht nur einzelne Forschungsvorhaben, sondern die gesamte Einrichtung unterstützt, häufig als jährliche Zuschüsse zu den Ausgaben staatlicher Forschungseinrichtungen (vgl. [BROC99]; S.124).
Neben dieser Form der direkten finanziellen Förderung von F&E-Projekten kann auch die indirekte Förderung beansprucht werden, die in Form von steuerlichen Vergünstigungen erfolgt und auf einem Einnahmeverzicht des Staates beruht. Diese Form der Förderung ist in Deutschland allerdings nicht sehr verbreitet. Anwendung findet diese Art der Unterstützung vor allem in Großbritannien und Japan, die seit Ende der 90er Jahre diese steuerliche Förderung eingeführt und bis heute massiv ausgebaut haben. Nachteil der indirekten Förderung über Steuervergünstigungen ist der Verlust der direkten Einflussnahme auf die technologische Ausrichtung (vgl. [SEWO05], S.6).
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Innovation und Verkehr (Stand des Wissens: 08.07.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?334383
Literatur
[BROC99] Brockhoff, Klaus Forschung und Entwicklung, Ausgabe/Auflage 5.Auflage, 1999
[HAUS97] Hausschildt, Jürgen Innovationsmanagement, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Vahlen, 1997
[SEWO05] Seethaler, Toni, Wolf, Claudia Wegweiser durch den Förderdschungel - Förderformen im Überblick, veröffentlicht in Freudenberg Forschungsdienste KG, Ausgabe/Auflage 1/2005, 2005
[SPBE96] Specht, Günter, Beckmann, Christoph F&E-Management, Schäffer-Poeschel Verlag, 1996
[VABU02] Vahs, Dietmar, Burmester, Ralf Innovationsmanagement - Von der Produktidee zur erfolgreichen Vermarktung, Schäfer-Pöschel, 2002

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?334209

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 13:47:12