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Ziele des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) 2030

Erstellt am: 24.11.2010 | Stand des Wissens: 14.01.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) weist drei Ziel-Ebenen auf, die sich auf die unterschiedlichen Arbeitsschritte beziehen. Diese sind wie folgt charakterisiert [GeH01, S. 580]:
  • Die Metaebene enthält übergeordnete verkehrspolitische Ziele.
  • Die Szenarienebene enthält unterschiedliche Grundannahmen für Verkehrsprognosen.
  • Auf der Bewertungsebene werden die Wirkungen der Infrastrukturprojekte (Schiene, Straße, Wasserstraße) für die Prognose eines ausgewählten Szenarios ermittelt.
Zielebenen der BVWPAbbildung 1: Zielebenen der BVWP [GeH01, S. 580]

Zu den Zielen der Bundesverkehrswegeplanung gehört:
  • Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland zur Schaffung beziehungsweise Sicherung von Arbeitsplätzen,
  • Förderung nachhaltiger Raum- und Siedlungsstrukturen,
  • Schaffung fairer und vergleichbarer Wettbewerbsbedingungen für alle Verkehrsträger,
  • Verbesserung der Verkehrssicherheit für Verkehrsteilnehmer und die Allgemeinheit,
  • Verringerung der Inanspruchnahme von Natur, Landschaft und nicht erneuerbaren Ressourcen,
  • Reduktion der Emissionen von Lärm, Schadstoffen und Klimagasen (vor allem CO2) sowie
  • Förderung der europäischen Integration.
Weiterhin liegen die Schwerpunkte des Zukunftsprogramms Mobilität vom 06. März 2002 dem BVWP 2003 zu Grunde, die auch im Bundesverkehrswegeplan 2030 bestand haben:
  • Beseitigung von Verkehrsengpässen,
  • Verkehrsentlastung und Steigerung der Lebensqualität in Städten und Gemeinden durch den Bau von Ortsumgehungen,
  • Stärkung des maritimen Standorts durch Ausbau der Hinterlandanbindungen.
Der BVWP 2030 folgt den Leitzielen "Erhalt vor Neubau" und "Engpassbeseitigung in hoch belasteten Korridoren". Die übergeordneten und die daraus abgeleiteten Ziele und Lösungsstrategien des BVWP 2030 sind die folgenden [BMVI16d, S.5ff und S.II]:
334122_Ziele_BVWP_2030.PNGTabelle 1: Übergeordnete und abgeleitete Ziele beziehungsweise Lösungsstrategien für den BVWP 2030 [BMVI16d, S. 6]
Aufgrund des normativen Charakters und der Heterogenität der Ziele, die teilweise sogar zu Widersprüchen der Ziele untereinander führen [Heus14], stellt die Zielsetzung einen aktuellen Diskussionsschwerpunkt der BVWP dar. Sie wurden nur zum Teil operationalisiert und über konkrete Anspruchsformulierungen als Gradmesser des Nutzens verwandt [BUND16c]. Es wird empfohlen im Rahmen einer vorgeschalteten Arbeitsphase strategische Ziele festzulegen, die eine Operationalisierung in quantifizierbaren Teilzielen erfahren, z. B. als Reduktionsbeiträge des Sektors Verkehr hinsichtlich der CO2-Emissionen [WB09, S.10, UBA16f]. Des Weiteren wird die Notwendigkeit der Kontrolle der Zielerreichung diskutiert [BUN02, S. 7; UBA04c].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Bundesverkehrswegeplanung (BVWP) (Stand des Wissens: 25.01.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?27781
Literatur
[BMVI16d] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Bundesverkehrswegeplan 2030, Ausgabe/Auflage März 2016, Berlin, 2016/03
[BUN02] Reh, Werner Der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2003 - Ziele, Methodik, Verfahren - Kritik und Alternativen aus der Sicht des BUND., 2002
[BUND16c] Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Hrsg.) Stellungnahme des BUND Bundesverbandes zum Bundesverkehrswegeplan 2030 mit unmittelbarem Bezug zu einem oder mehreren Einzelprojekten, 2016
[GeH01] Gehrung, Peter, Hugo, Joachim, Weber, Reinhard, Bundesverkehrswegeplanung - Neue Ansätze bei der Bewertungsmethodik , veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 53 Jg., 2001/12
[Heus14] Die Bundesverkehrswegeplanung: Anforderungen an die zukünftige Verkehrsinfrastrukturpolitik des Bundes, veröffentlicht in Handbuch Verkehrspolitik, Springer, 2014/12/31
[UBA04c] Köppel, Johann,, Langenheld, Alexandra,, Peters, Wolfgang,, Wende, Wolfgang, Anforderungen der SUP-Richtlinie an Bundesverkehrswegeplanung und Verkehrsentwicklungsplanung der Länder, 2004, ISBN/ISSN 0722-186X
[UBA16f] Umweltbundesamt (Hrsg.) Stellungnahme des Umweltbundesamtes zum Entwurf des BVWP 2030 mit Umweltbericht, Ausgabe/Auflage Anlage, 2016/04/29
[WB09] Ahrens, Gerd-Axel, Baum, Herbert, Beckmann, Klaus J., Brilon, Werner, et al. Strategieplanung "Mobilität und Transport" - Folgerungen für die Bundesverkehrswegeplanung -, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrswissenschaft, Ausgabe/Auflage 80, Nr. 3, 2009, 2009/07, ISBN/ISSN 0044-3670
Weiterführende Literatur
[Wil03] Willeke, Rainer Bundesverkehrswegeplan 2003 - Eine kritische Bestandsaufnahme, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 11/2003, Hamburg, 2003
[Sch03] Schüller, U. , Weber, R. , Gutknecht, J. , Gehrung, P. Generalverkehrsplanung für Deutschland - Der neue Bundesverkehrswegeplan 2003, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 11/2003, Hamburg, 2003
Glossar
Bundesverkehrswegeplan Als Instrument einer mittel- bis langfristigen Investitionsrahmenplanung für den Erhalt und Ersatz bundeseigener Verkehrsinfrastruktur erfasst der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) das zwecks zielgerichteter Ausgestaltung sowie Erweiterung von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Schienenwegen des Bundes erforderliche Finanzierungsvolumen. Auf Basis verkehrsträgerübergreifender Prognosen findet in diesem Zusammenhang eine Priorisierung vorgesehener Neu- und Ausbauprojekte gemäß ihrer gesamtwirtschaftlichen Bewertung sowie ökologischer und raumordnerischer Einschätzungen statt. Grundsätzlich wird infolgedessen zwischen "vordinglichem Bedarf" (VB) und "weiterem Bedarf" (WB) unterschieden. Der BVWP tritt auf Beschluss des Bundeskabinetts in Kraft und umfasst jeweils einen Zeithorizont von ca. 10 bis 15 Jahren. Seit 1973 sind bereits fünf konsekutive Verkehrswegepläne verabschiedet worden. Der letzten, dem Jahr 2003 entstammenden Fortschreibung liegt ein Planungszeitraum bis 2015 und ein Investitionsvolumen i. H. v. 150 Mrd. EUR zugrunde.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. Eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Szenarien Ein Szenario ist ein Bild der Zukunft, das sich aus einer bestimmten Kombination von relevanten Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen entwickelt. Das grundsätzliche Anliegen von Szenarien besteht darin, verschiedene Handlungsoptionen zu verdeutlichen und ihre Folgewirkungen transparent zu machen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?334122

Gedruckt am Dienstag, 21. Mai 2019 03:37:09