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Spezifische Emissionsziele

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 29.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Alternativ zu absoluten Reduktionszielen können leistungs- oder produktspezifische Emissionsziele vorgegeben werden. Diese beziehen sich auf eine Verminderung der CO2-Emissionen pro hergestellter Einheit und sind damit unabhängig von der gesamten Produktionsmenge. Das ist der wesentliche Grund, warum spezifische Reduktionsziele über eine höher Akzeptanz bei den betroffenen Unternehmen verfügen: Sie sind besser vom Emittenten abzuschätzen und zu beeinflussen als absolute Minderungsvorgaben, da sie unabhängig von konjunkturellen Schwankungen oder Wachstumsprozessen sind (z.B. [PWC02, S. 25 f.; Deu02, S. 41]).

Die Festlegung auf spezifische Minderungsziele hat fundamentale Bedeutung für die Art des Emissionshandelssystems: Statt des Cap-and-Trade-Systems der umweltökonomischen Theorie (vgl. Synthesebericht Wirkungsweise von Emissionshandelssystemen) wird ein sogenanntes Baseline-and-Credit-System benötigt. Dieses setzt im Gegensatz zum Cap-and-Trade-System ein Referenzszenario voraus, die sogenannte Baseline, anhand derer sich Emissionsminderungen bestimmen lassen [PWC02, S. 26]. Bereits die Definition dieser Baseline ist, wie jede Prognose, unsicherheitsbehaftet und nicht frei von politischen Einflüssen. Für ein Midstream-Handelssystem für den Verkehrsektor (vgl. Synthesebericht Midstream-Handelssysteme) böte sich beispielweise die Selbstverpflichtungen der Automobilindustrie als Baseline an [StBL02, S. 202 f.]. Gehandelt werden im Baseline-and-Credit-System Emissionsgutschriften, die aus dem Unterschreiten der Referenzwerte entstehen. Werden diese Werte dagegen überschritten, müssen Emissionsrechte zugekauft werden. Damit lassen sich potentiell Teile des Handelsgewinnes realisieren, die in einem idealtypischen Cap-and-Trade-System anfallen. Im Gegensatz zum Handelssystem mit absoluten Minderungsvorgaben ist die ökologische Treffsicherheit bei Baseline-and-Credit-Systemen aber nicht gewährleistet, da eine Ausweitung der Produktionsmenge die pro Einheit eingesparten CO2-Emissionen überkompensieren kann. Bei einer Koppelung von einem Baseline-and-Credit-System mit einem Cap-and-Trade-System besteht ohne entsprechende Gegensteuerung die Gefahr, dass Emissionsgutschriften aus relativen Emissionsminderungen inflationär wirken, und absolute Ziele auch im Cap-and-Trade-System verfehlt werden. Wie eine Verbindung beider Handelsmodelle erreicht werden kann, die das verhindert, wird im Synthesebericht Hybride Emissionsziele beschrieben.
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Handel mit CO2-Emissionszertifikaten (Stand des Wissens: 10.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?333632
Literatur
[Deu02] Deuber, Odette Einbeziehung des motorisierten Individualverkehrs in ein deutsches CO2-Emissionshandelssystem, 2002
[PWC02] Hohenstein, Christine; , Pelchen, Dr. Arthur; , Wieler, Barbara Zertifikatehandel im Verkehrsbereich als Instrument zur CO2-Reduzierung, 2002/11
[StBL02] Stronzik, Markus , Bühler, Georg , Lamprecht, Udo Ansatzpunkte für einen Emissionshandel im Verkehrssektor, veröffentlicht in Zeitschrift für Energiewirtschaft - ZfE, Ausgabe/Auflage Nr. 3, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH / Wiesbaden, 2002/03
[VDA00] o.A. Auto 2000 - Jahresbericht, Druckerei Henrich GmbH Schwanheimer Straße 110 60528 Frankfurt a. M., 2000

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333607

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 07:24:46