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Freiwillige vs. verpflichtende Teilnahme am Emissionshandel

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 17.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Auch wenn sich ein Handel unter freiwilliger Beteiligung der Emittenten wegen voraussichtlich geringerer politischer Widerstände leichter umsetzen ließe, fehlt ihm ein entscheidendes ökonomisches Merkmal eines echten Zertifikatehandelssystem: Die Fixierung der Gesamtemissionsmenge. Zutreffend bezeichnet der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen beim BMU freiwillige Handelssysteme auch als "subventionierte freiwillige Vereinbarungen mit Austauschflexibilität" und kritisiert deren mangelnde Effizienz und Zielerreichung [SRU2002, S. 236].

Da die gehandelte Menge CO2 durch jeden zusätzlichen Teilnehmer steigt, kann die ökologische Treffsicherheit des Instrumentes nicht mehr gewährleistet werden. Gerade Emittenten mit hohen Grenzvermeidungskosten, also potenzielle Käufer von Emissionsrechten, werden nicht freiwillig an einem solchen System teilnehmen. Mit einer geringeren Nachfrage geht aber ceteris paribus auch ein niedrigerer Zertifikatspreis einher. Damit sinken die Anreize für potenzielle Verkäufer von Emissionsrechten, relativ kostengünstige Vermeidungsoptionen überhaupt umzusetzen und die freiwerdenden Zertifikate zu veräußern. Diese Fakten sprechen für eine verpflichtende Teilnahme an dem Emissionshandelssystem.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Handel mit CO2-Emissionszertifikaten (Stand des Wissens: 10.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?333632
Literatur
[SRU2002] Rat von Sachverständigen für Umweltfragen Umweltgutachten 2002, Berlin, 2002/04/15
Glossar
ceteris paribus unter (sonst) gleichen Umständen
EU-Emissionshandelssystem Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) ist ein 2003 vom Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament beschlossenes marktwirtschaftliches Instrument, die im Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Anlagenbetreiber (zur Zeit sind etwa 11.000 Fabriken und Kraftwerke erfasst) müssen bei Überschreiten der ihnen fest vorgegebenen Emissionsberechtigungen Strafen bezahlen (100 Euro pro Tonne CO2), sofern keine Zertifikate zur Tilgung vorgelegt werden können. Diese Zertifikate vergeben solche Betreiber, die die o.g. Grenzwerte unterschritten haben. Die Nachweispflicht liegt in jedem Fall bei dem Anlagenbetreiber.
BMUB Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (bis 2013 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, BMU)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333559

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 06:21:16