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Ökologische Treffsicherheit umweltpolitischer Instrumente

Erstellt am: 14.11.2010 | Stand des Wissens: 19.08.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Unter der ökologischen Treffsicherheit versteht man, wie gut sich mit einem politischen Instrument die Einhaltung eines Umweltqualitätszieles, z.B. einer Immissionsnorm, erreichen lässt. Die Konkretisierung muss fallweise für bestimmte Umweltziele erfolgen; denkbar ist z.B. eine Wahrscheinlichkeitsverteilung der tatsächlichen über die angestrebte Umweltqualität [Quelle: Fees07 S.63]. Teilkriterien der ökologischen Treffsicherheit einer Maßnahme können nach Wicke [Wic93, S. 400] u.a. sein:
  • eine Verminderung des Verbrauchs von Umweltgütern einschließlich der Rohstoff- und Energieressourcen (geringere Extraktion)
  • die Verringerung der Schadstoffabgabe an die Umwelt (geringere Deposition)
  • die Beschränkung von Rückstanden durch Wiederverwendung oder Recycling (Einrichtung ökonomisch-ökologischer Kreisläufe)
  • die Verbesserung der Regenerationsfähigkeit von Ökosystemen.
Um die ökologische Treffsicherheit eines Internalisierungsinstrumentes zu überprüfen, muss zuvor ein ökologisches Ziel definiert werden. Da eine Emission gleichzeitig verschiedene Schäden hervorrufen kann, erschwert dies in der Praxis oftmals eine konkrete Zieldefinition.
Ebenso ist auf die Verzögerungs-Problematik bei Ökosystemen hinzuweisen: Unter Umständen ist die Wirkung heute eingesetzter umweltpolitischer Instrumente erst nach langer Zeit zu spüren, was eine Zielüberprüfung und -revision mit eventuell notwendigem Maßnahmenwechsel enorm erschwert. Als Paradebeispiel hierfür können die mit dem Kyoto-Protokoll zu erreichenden CO2-Minderungziele gelten. Diese lassen erst mit beträchtlicher Verzögerung positive Auswirkungen auf das Klima und die Erdatmosphäre erwarten. Da Umweltqualitätsziele oft für die Zukunft gesetzt werden, muss diese Verzögerung der Umweltreaktion auf entsprechende Maßnahmen bei der Bewertung der Treffsicherheit eines Instrumentes berücksichtigt werden.

Die Definition von Umweltqualitätszielen ist sorgfältig abzuwägen und alle ökonomischen und ökologischen Konsequenzen sind zu berücksichtigen. Naturwissenschaftliches und ökonomisches Expertenwissen müssen hierfür zwingend genutzt werden, nur dann lässt sich auch die Zielvorgabe der ökologischen Treffsicherheit sinnvoll mit Inhalt füllen [Quelle: SRU94].
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Internalisierung negativer externer Effekte (Stand des Wissens: 19.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?333625
Literatur
[Fees07] Feess, Eberhard, Prof. Dr. Umweltökonomie und Umweltpolitik, Ausgabe/Auflage 3. Auflage, Vahlen Verlag München, 2007, ISBN/ISSN 3800633507
[SRU94] Rat von Sachverständigen für Umweltfragen Umweltgutachten 1994, Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1994
[Wic93] Wicke, L. Umweltökonomie, Ausgabe/Auflage 4. Aufl., Vahlen / München, 1993, ISBN/ISSN 380061720X

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?333511

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 06:33:26