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Einführung von RBL im Regionalverkehr

Erstellt am: 26.10.2010 | Stand des Wissens: 15.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König

Wegen ihrer großen Komplexität sowie der umfangreichen individuell zu beschaffenden Infrastruktur und der damit verbundenen hohen Kosten waren Rechnergestützte Betriebsleitsysteme bzw. ITCS-Systeme lange Zeit den großen städtischen Verkehrsunternehmen und deren ÖPNV-Kunden vorbehalten.
Auch für kleine und mittlere Verkehrsunternehmen in der Region bringt die Einführung eines RBL-Systems großen Nutzen. Der zunehmende Wettbewerb, die Forderung nach der Beibringung von Qualitäts- und Leistungsnachweisen bei der Vergabe von Verkehrsverträgen und die Notwendigkeit nach konsequenter Ausrichtung des ÖPNV auf den Fahrgast machen ein RBL zunehmend für alle Verkehrsunternehmen erforderlich [Grun05].

Die Lösung, RBL-Systeme auch in regionalen Verkehrsunternehmen einführen zu können, liegt in der Nutzung bereits vorhandener Systeme bei benachbarten Unternehmen oder in der gemeinsamen Beschaffung von neuen Leitsystemen durch mehrere Verkehrsunternehmen.
Letzteres wird durch die Entwicklung mandantenfähiger Software, die den getrennten Betrieb mehrerer ITCS mit getrennten Datenbeständen in einem Regio-RBL umsetzt, realisierbar [Blic10].

Für Unternehmen in stark ländlich geprägten Regionen wurden Ortungs- und Monitoringsysteme auf Basis von GPS-Ortung und Mobilfunk, so genannte RBL- oder ITCS-light, entwickelt. Diese Systeme können mandantenfähig betrieben werden und eignen sich für Unternehmen, die über keine weitere Fahrzeugausrüstung verfügen. Die Ermittlung der Fahrzeugposition erfolgt mit Hilfe von Personal Digital Assistans (PDA) oder Smartphones mit GPS-Ortung mit denen die Busfahrer oder Triebfahrzeugführer ausgerüstet werden [Blic10].

Insbesondere durch die Aufteilung von Investitions- und Betriebskosten auf die beteiligten Partner sowie die Nutzung öffentlicher Dienste (GPS-Ortung zur Fahrzeugidentifikation und -verfolgung, GSM-Netze für die Datenübertragung und Internet für sichere Datenkommunikation) wurden ITCS für die regionalen Verkehrsunternehmen finanzierbar [Grun05; Blic10].
Regio_RBL_Bild.jpgAbb.1: Prinzip des Regio-RBL [Grun10]


RBL_light_Bild.jpgAbb.2: Prinzip des RBL-light [Grun10]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Rechnergestützte Betriebsleitsysteme (RBL) / Intermodal Transport Control System (ITCS) für den ÖPNV (Stand des Wissens: 15.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?306433
Literatur
[Blic10] Dipl.-Ing. Volker Grunow, Dipl.-Volksw. Petra Jaunich Datendrehscheiben und ITCS-light ermöglichen landesweit Echtzeit, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 1-2/2010, Alba-Fachverlag/Düsseldorf, 2010/02, ISBN/ISSN 0722-8287
[Grun05] Grunow, V., Conrad, L., Fleischer, V., et al. RBL geteilt durch X - Rechnergestützte Betriebsleitsysteme bei regionalen Unternehmen, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 6, 2005
[Grun10] Dipl.-Ing. Volker Grunow RBL light und Fahrgastinformation in der Fläche (Vortrag beim ÖPNV-Kongress des WBO am 27.04.2010), 2010/04
Glossar
Global System for Mobile Communication
Der GSM-Standard (Global System for Mobile Communication) - ursprünglich ein rein europäisches Mobilfunkkonzept - hat inzwischen weltweite Verbreitung gefunden. In Deutschland nutzen die Mobilfunknetzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica mit ihren Mobilfunknetzen gegenwärtig die Frequenzbereiche GSM 900 und GSM 1800.
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.
Personal Digital Assistant Ein Personal Digital Assistant (PDA) (englisch für persönlicher digitaler Assistent) ist ein kompakter, tragbarer Computer, der neben vielen anderen Programmen hauptsächlich für die persönliche Kalender-, Adress- und Aufgabenverwaltung benutzt wird. PDAs können häufig zusätzlich Office-Dateien verarbeiten. Durch die zunehmende Verbreitung von Internetverbindungen für Mobilgeräte (beispw. per UMTS) sind PDAs mittlerweile maßgeblich durch das sog. Smartphone abgelöst worden, welches alle Fähigkeiten eines PDA mit denen von internetfähigen Mobiltelefonen vereint.
Betriebskosten Betriebskosten sind laufende Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Erbringung von Verkehrsleistungen entstehen. Hierzu zählen bspw. Aufwendungen für Energie, Personal, Trassen- oder Mautgebühren.
ITCS
Intermodal Transport Control System (ITCS) ist ein Rechnerverbund-System im ÖPNV, welches über einen zentralen Server alle anfallenden Betriebsdaten sammelt und mit den ursprünglichen Planungsdaten vergleicht. In gewissen Grenzen kann es daraufhin selbstständig auf die jeweilige Betriebssituation reagieren.
Im Jahr 2005 ersetzte der Begriff ITCS die Bezeichnung rechnergestütztes Betriebsleitsystem (RBL), worauf sich VDV und Industrie aufgrund von überholter Funktionalität einigten.
Global Positioning System Global Positioning System (GPS), offiziell NAVSTAR GPS, ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung und Zeitmessung. GPS basiert auf Satelliten, die mit kodierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können GPS-Empfänger dann ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.
RBL
Rechnergestützte Betreibsleitsysteme sind Rechner-Verbundsysteme mit denen Steuerungs-, Überwachungs- und Informationsprozesse im Fahrbetrieb untereinander verknüpft werden. Diese kommen hauptsächlich in folgenden Bereichen zum Einsatz:
  • Informations- und Kommunikationsmöglichkeit zwischen Fahrzeug und Leitstelle
  • rechnergestützter Fahrbetrieb
  • Fahrgastinformation in Fahrzeugen und an Haltestellen sowie über Mobilfunk und Internet (dynamische Fahrgastinformation)
Inzwischen wurde der Begriff "RBL" durch "ITCS" (Intermodal Transport Control System) ersetzt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?332421

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 23:31:51