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Theoretische Grundlagen externer Effekte

Erstellt am: 13.08.2010 | Stand des Wissens: 19.08.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Marktwirtschaftliche Systeme basieren auf dezentralen Entscheidungen individueller Konsumenten und Produzenten über die Verwendung begrenzter Güter und Ressourcen. Aus den einzelnen Handlungsplänen der Wirtschaftssubjekte bilden sich am Markt Angebot und Nachfrage, zu deren Koordination Marktpreise dienen.
Diese Preise liefern den Marktteilnehmern in komprimierter, allgemeinverständlicher Form Informationen über die relativen Knappheitsverhältnisse von Gütern. Diese fließen in das individuelle Nutzen-Kosten-Kalkül der Marktakteure ein und dienen so als Grundlage ihrer künftigen Wirtschaftspläne. Der für eine Leistung zu zahlende Preis repräsentiert den Güter- und Ressourcenaufwand, den deren Erstellung verursacht hat. Mit seiner Entrichtung tragen die am Markt handelnden Wirtschaftssubjekte die ökonomischen Konsequenzen ihrer Entscheidungen. Als Knappheitsindikatoren sorgen Preise dafür, dass Ressourcen in ihre produktivste Verwendung gelenkt und Güter dort konsumiert werden, wo sie den größten Nutzen stiften. Die entstehende Allokation ist in dem Sinne effizient, dass durch Reallokation kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zu stellen [vgl. dazu: Thie99]. Eine solche Allokation wird nach ihrem Entdecker Vilfredo Pareto (gestorben 1923), Pareto-effizient genannt.

Dies ist nicht der Fall, wenn externe Effekte vorliegen. Externe Effekte sind direkte Wirkungen der Handlungen ökonomischer Akteure auf die Kosten- oder Nutzensituation Dritter, die sich nicht ausschließlich und vollständig in Relativpreisänderungen widerspiegeln [vgl. dazu: Weim95]. Das Vorliegen von Externalitäten ist damit gleichbedeutend mit der Existenz unfreiwilliger Austauschbeziehungen und daraus folgend, unzureichenden Kompensationszahlungen zwischen Wirtschaftssubjekten. Eine verursachungsgerechte Anlastung von Ressourcenverzehr (negativer externer Effekt) oder die ausreichende Kompensation für Wissensbereitstellung (positiver externer Effekt) ist nicht mehr gegeben. Die Allokation von Faktoreinsatz und Gütern wird somit suboptimal und man spricht von Marktversagen [vgl. dazu: EwFW07].
Eine Folge des Abweichens der privaten von den sozialen Kosten ist, dass gesamtwirtschaftlich gesehen zuviel vom entsprechenden Gut - z.B. der mit Externalitäten behafteten Verkehrsleistung produziert und/oder konsumiert wird. Im Fall von positiven Externalitäten weichen der private Nutzen und der soziale Nutzen voneinander ab. Damit kommt es volkswirtschaftlich betrachtet zu einer zu geringen Bereitstellung des entsprechenden Gutes.
Von größerer Bedeutung für die Praxis sind aber negative Externalitäten. Generell lässt sich das mit den hohen Anreizen der Betroffenen begründen, externe Nutzer zu internalisieren. Umgekehrt bestehen für die physischen Verursacher externer Kosten immer Anreize, diese auch weiterhin zu sozialisieren, d.h. Dritten aufzubürden.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Theoretische Grundlagen externer Effekte (Stand des Wissens: 19.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?328955
Literatur
[EwFW07] Ewers, Hans-Jürgen, Prof. Dr., Fritsch, Michael, Prof. Dr., Wein, Thomas, PD Dr. rer. oec. Marktversagen und Wirtschaftspolitik: Mikroökonomische Grundlagen staatlichen Handelns, Ausgabe/Auflage 7. Auflage, Vahlen, München, 2007, ISBN/ISSN ISBN 3800634627
[Thie99] Thieme, H. J. Wirtschaftssysteme, veröffentlicht in Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Ausgabe/Auflage Bd.1, 7. Auflage, Vahlen / München, 1999
[Weim95] Weimann, J. Umweltökonomik - Eine theorieorientierte Einführung, Ausgabe/Auflage 3.Auflage, Springer Verlag / Heidelberg, Berlin u.a., 1995
Glossar
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?328946

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 07:51:40