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Umweltbelastungen aus Bau und Betrieb von Seehäfen

Erstellt am: 07.07.2010 | Stand des Wissens: 22.10.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Direkte und indirekte Umweltwirkungen des Hafenbetriebs lassen sich in Verbrauch und Belastungen von Umwelt gliedern. Sie resultieren grundsätzlich aus
  • Inanspruchnahme von Land- und Wasserfläche sowie des Ufersaums für Hafenanlagen und den Belastungen aus ihrem Bau und Unterhalt,
  • Umweltbelastungen aus dem Betrieb von Häfen (Schiffs- und Landfahrzeugverkehr, Umschlag und Lagerung) und der im Hafengelände beziehungsweise seiner Nachbarschaft angesiedelten Hafenindustrie.
Ein besonderer Stellenwert kommt den oft umfangreichen und laufend erforderlichen Baggerarbeiten im Wasser und der Deponierung des anfallenden Aushubs zu, die Auswirkungen weit über die Hafengrenzen hinaus haben.

Zu berücksichtigen sind sowohl aus dem normalen Betrieb resultierende Belastungen innerhalb der zulässigen Grenzwerte für Emissionen und Einleitungen wie auch Umweltrisiken aus möglichen Betriebsstörungen und Unfällen, also die Sicherheit der Schifffahrt und des Hafenbetriebs.
Umweltwirkungen können eine erhebliche geografische Reichweite von der offenen See bis ins Inland haben [vgl. Wen08, S.11f.].

Umweltbelastende Aktivitäten finden in allen Bereichen des Baus und des Betriebs von Häfen statt. Im Folgenden sind sie geordnet nach Bereich aufgelistet.

Hafenbetrieb:
  • Ladungsumschlag
  • Umgang und Lagerung von Chemikalien
  • Luftschadstoffe und Abwässer aus dem Schiffsbetrieb
  • Bunkerung
  • Farbe waschen und anstreichen, Instandhaltung von Schiffen
  • Gütertransport mit Kfz und Bahn, Publikumsverkehr
  • Instandhaltung von Infra- und Suprastruktur
  • Instandhaltung von Fahrzeugen und Umschlagtechnik
aus Hafenentwicklungsaktivitäten
  • Bauarbeiten für Neubau, Reparaturen, Abbruch von Infra- und Suprastrukturbauwerken
  • Baggerarbeiten und Deponierung von Baggergut
  • Pflasterungen und Aufnahme von Pflasterungen
  • Rodung
  • Verlegung von Leitungen
Aus Sicht der Hafenverwaltungen wurden als die 5 wichtigsten Umweltfragen benannt [ESPO03, App. 2]:
1. Staub
2. Baggermaterialablagerung
3. Hafenentwicklung (Land)
4. Baggerarbeiten
5. Abfallentsorgung

Hauptquelle für Umwelteinflüsse in Seehäfen und ihrem Einzugsgebiet sind die Seeschiffe, während Lkw und andere Quellen durch Erfolge von teilweise bereits seit Jahren verfolgten Programmen relativ geringe Emissionen verursachen, die jedoch direkt durch die Hafenverwaltungen und -betreiber beeinflusst werden können. In Los Angeles/Long Beach stammten 2008 mehr als 99 Prozent des SOx und 36 Prozent des NOx von Seeschiffen [SPBP10].

Einträge in das Wasser von Schiffen sind nach den geltenden Bestimmungen verboten und dürften im Hafenbereich eigentlich nur noch die Folge von Unfällen sein. Sie resultieren heute zumeist aus beim Umschlag verwehten Stäuben.
Lärm durch Land- und Wasserfahrzeuge und Umschlaggeräte sowie die Hilfsmaschinen der Seeschiffe während der Liegezeit, Straßen- und Schienenverkehr auf den landseitigen Hinterlandanbindungen und Geräuschemissionen aus den Umschlagprozessen sind weitere wichtige Umweltbelastungen.

Die geografische Lage vieler Häfen in unmittelbarer Nähe zu Wohn- und Erholungsgebieten oder direkt in Stadtzentren lässt die Umweltbelastungen besonders spürbar werden und bewirkt eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seehäfen (Stand des Wissens: 25.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[ESPO03] European Sea Ports Organisation ESPO ENVIRONMENTAL CODE OF PRACTICE, 2003
[SPBP10] k.A. San Pedro Bay Ports Clean Air Action Plan, Technical Report, Draft 2010 Update, Los Angeles, 2010/04
[Wen08] Wenske, Christian Umweltmanagement in Seehäfen , veröffentlicht in Beiträge und Infomationen aus dem Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock, 2008/09
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
Suprastruktur
Gegenbegriff zu Infrastruktur. Die Suprastruktur umfasst alle Einrichtungen, die für Transport-, Umschlag- und Lager- sowie Beschaffungs- und Verarbeitungsprozesse innerhalb einer Verkehrsanlage, wie einem Seehafen, nötig sind. In einem Hafen gehören zur Suprastruktur beispielsweise Kräne, Lager- und Kühlhäuser sowie Bürokomplexe. Im Gegensatz zur Infrastruktur wird die Suprastruktur häufig nicht von der öffentlichen Hand finanziert, sondern von den Betreibergesellschaften beschafft, gewartet und entsorgt.
Instandhaltung Im Kontext des Erhaltungsmanagements bezeichnen die Begiffe "Instandhaltung" und "bauliche Unterhaltung" bauliche Maßnahmen kleineren Umfangs zur Substanzerhaltung von Verkehrsflächen, die mit geringem Aufwand in der Regel sofort nach Auftreten eines örtlich begrenzten Schadens ausgeführt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?325182

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 23:33:29