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Nachhaltigkeit und Gefahrenabwehr in Seehäfen

Erstellt am: 04.06.2010 | Stand des Wissens: 22.10.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Ein sicherer und nachhaltiger Hafenbetrieb erfordert den Ausschluss beziehungsweise die Minimierung von Gefahren sowohl für die in der Hafengemeinschaft Tätigen als auch für die im Umfeld Lebenden und die natürliche Umwelt.
Diese Auffassung folgt dem vom Rat der Europäischen Union für nachhaltigen Verkehr formulierten allgemeinen Ziel: "Sicherstellen, dass Verkehrssysteme den wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Ansprüchen genügen, bei gleichzeitiger Minimierung von nachteiligen Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt." [EURat06, S.10].
Nach dieser allgemeinen Zielbestimmung bestehen drei Achsen nachhaltiger Entwicklung mit wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Dimensionen, die sich auch auf die Seehäfen übertragen lassen. [vgl. TraVi09, S. 179f.]

Auf der Unternehmensebene reflektiert sich dieser Zusammenhang auch in dem abgestimmten Normensystem zur Zertifizierung der Qualität (ISO 9000), des Umwelmanagements (ISO 14000) und der Lieferkettensicherheit (ISO 28000).

Die Verlagerung von Verkehren von der Straße auf den Wasserweg ist einer der Hauptwege zur nachhaltigen Verkehrsentwicklung. Als Knotenpunkte des Verkehrs spielen Häfen dabei eine wichtige Rolle beim Umschlag von Gütern beziehungsweise dem Umstieg von Personen zwischen see- und landgestützten Verkehrsträgern. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur Integration der Verkehrsträger in ein ganzheitliches System. In den Seehäfen werden Güterströme gebündelt. Dies ermöglicht eine kosteneffiziente Abwicklung der Verkehrsströme.
Ein schneller und kostengünstiger Umschlag ist entscheidende Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit intermodaler Verkehre. Intermodale Verkehre erfordern gegenüber ungebrochenen Verkehren zusätzliche Umschlagvorgänge. Die damit verbundenen Kosten, Risiken und Zeitverluste können die Vorteile des intermodalen Verkehrs aufzehren und den Transport mit dem umweltfreundlichen Verkehrsträger Seeschiff wirtschaftlich unattraktiv werden lassen [Bött02]. Seehäfen spielen daher eine entscheidende Rolle bei der Förderung und Integration des Kurzstreckenseeverkehrs in die multimodale Transportkette und der Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit.

Für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung müssen die Häfen selbst auch ressourcen- und klimaschonend und emissionsarm arbeiten. Damit verbunden sind folgende Problempunkte: Die Hafentätigkeiten verursachen häufig Lärmemissionen, die teilweise rund um die Uhr auftreten können. Der Umschlag von Schüttgütern kann mit erheblichen Staubbelastungen verbunden sein. Der Ausbau der Seehäfen erfordert oft große Flächen, die aufgrund einer stadtnahen Lage vieler Häfen nur begrenzt zur Verfügung stehen. Beim Ausbau der Fahrrinnen und Hafenbecken fallen große Mengen Baggergut an, die aufgrund einer spezifischen Belastung gesondert behandelt werden müssen. Um die genannten Auswirkungen der Seehafentätigkeit so gering wie möglich zu halten, müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Einige Häfen (beispielsweise Hamburg, Lübeck, Helsinki) sind bereits dazu übergegangen, Umweltbilanzen nach dem Vorbild großer Industriebetriebe aufzustellen [Wen08, S.11f].

Sicherheitsfragen im Seeverkehr betreffen einerseits die betriebliche Sicherheit (safety) und andererseits die Abwehr äußerer Gefahren (security), als Verkehrs- und Datenknoten sind sie hochgradig sicherheitsrelevant [Jeni04].
In Verbindung mit Sicherheitsfragen in und um Seehäfen sind drei Themenkomplexe hervorzuheben:
  • Sicherheit in den Seehäfen
  • Sicherheit in der Seeschifffahrt
  • Sicherheit im Containerverkehr im Besonderen
Bei der Abwehr äußerer Gefahren in Seehäfen (security) geht es generell um die Kontrolle der Bewegung von Personen in sensiblen Bereichen. Hauptmittel dazu sind Zugangskontrollen. Nach den Terrorangriffen vom 11.09.2001 wurden international, auf Ebene der EU und national umfangreiche Regelungen und Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Seeverkehr getroffen. [Wild04; Orde04]

Als Schnittstelle See/Land spielen die Seehäfen eine wichtige Rolle für die Sicherheit in der Seeschifffahrt. Dabei geht es auch hier hauptsächlich um die Kontrolle der Bewegung von Personen und das Fernhalten Unbefugter [Esch04; Clau04].

Für die Sicherheit im Containerverkehr im Besonderen sind wegen des hohen Gefährdungspotenzials weitere Maßnahmen in Seehäfen durchzuführen, die zum Teil erhebliche Aufwendungen nach sich ziehen.

Bei der betrieblichen Sicherheit in Seehäfen (safety) sind unter anderem folgende Teilgebiete zu erwähnen:
  • Regelung des Schiffsverkehrs im Hafen und den Ansteuerungen durch Revierzentralen
  • Hafenlotsen
  • Arbeitssicherheit beim Umschlag
  • Verkehrssicherheit im Hafen
  • Brandschutz
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seehäfen (Stand des Wissens: 25.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[Bött02] Böttger, Christian, Dr. Integrating Ports into the Intermodal Supply Chain, Bremen, 2002
[Clau04] Clauß, R. Die praktische Umsetzung des ISPS-Codes durch den Bund, veröffentlicht in Terrorabwehr im Transport- und Verkehrswesen - 2. Rechtsforum der DVWG, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 276, Ausgabe/Auflage B 276, Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3-937877-06-1
[Esch04] Escherich, P. Die Vorgaben des internationalen und supranationalen Rechts: Grundzüge der Regelungen der IMO zur Abwehr terroristischer Gefahren in der Seeschifffahrt, veröffentlicht in Terrorabwehr im Transport- und Verkehrswesen - 2. Rechtsforum der DVWG, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 276, Ausgabe/Auflage B 276, Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3-937877-06-1
[EURat06] Europäische Gemeinschaften ERNEUERTE EU-STRATEGIE FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG, Brüssel, 2006
[Jeni04] Jenisch, U. Neue Maßnahmen für die Sicherheit in Nordsee und Ostsee, veröffentlicht in Hansa: international maritime journal, Ausgabe/Auflage 2/2004, Schiffahrts-Verlag / Hamburg, 2004/02, ISBN/ISSN 0017-7504
[Orde04] Ordemann, U. Die Umsetzung der IMO-Regelungen in den deutschen Seehäfen, veröffentlicht in Terrorabwehr im Transport- und Verkehrswesen - 2. Rechtsforum der DVWG, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 276, Ausgabe/Auflage B 276, Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3-937877-06-1
[TraVi09] Steen Petersen, Morten , Sessa, Carlo , Enei, Riccardo , Ulied, Andreu , Larrea, Efrain , Obisco,Oriol , Timms, Paul M. , Hansen, Christian O. Report on Transport Scenarios with a 20 and 40 year Horizon, Final report, Kopenhagen, 2009/02/27
[Wen08] Wenske, Christian Umweltmanagement in Seehäfen , veröffentlicht in Beiträge und Infomationen aus dem Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock, 2008/09
[Wild04] Wilde, C. "Pragmatische" Einführung des ISPS-Codes erwünscht, veröffentlicht in Hansa: international maritime journal, Ausgabe/Auflage 07/2004, Schiffahrts-Verlag / Hamburg, 2004/07, ISBN/ISSN 0017-7504
Weiterführende Literatur
[ZDS11] Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe e.V. Port Security - A Perspective on Trade Facilitation in a Secure Supply Chain, Hamburg, 2011/01
Glossar
Intermodaler Verkehr Transport von Gütern in ein und derselben Ladeeinheit oder demselben Straßenfahrzeug mit zwei oder mehreren Verkehrsträgern, wobei ein Wechsel der Ladeeinheit, aber kein Umschlag der transportierten Güter selbst erfolgt.
Transportkette
Nach DIN 30781 eine Folge von technisch und organisatorisch miteinander verknüpften Vorgängen, bei denen Personen oder Güter von einer Quelle zu einem Ziel bewegt werden, im weiteren Sinne alle Transferprozesse zwischen Quelle und Senke.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?321241

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 08:40:21