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Umweltmanagementsysteme in Seehäfen

Erstellt am: 25.05.2010 | Stand des Wissens: 24.10.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Seehäfen als Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette haben erkannt, dass auch sie in der Gesellschaft die Verantwortung für Umweltschutzbelange wahrnehmen müssen. Die European Seaports Organization (ESPO) und die ECOPORTS-Foundation (EPF) stellen dabei die derzeit wichtigsten Zusammenschlüsse auf dem Gebiet der nachhaltigen europäischen Hafenwirtschaft dar [Star09, S.53ff.].

Das Umweltmanagement beschreibt dabei den Teilbereich des Managements, der sich mit den betrieblichen Umweltschutzbelangen beschäftigt:
  • Umweltpolitik als Identifizierung und Festlegung einer Schnittmenge aus ökologisch und ökonomisch vorteilhaften Maßnahmen im Rahmen der Unternehmenspolitik, zumeist dokumentiert in Unternehmensleitbildern;
  • Umweltschutz, unter anderem mittels technischer Maßnahmen, Vermeidung und Reduzierung von Umweltschädigungen und Umweltinanspruchnahmen, Vorsorge und Sanierung;
  • Umweltleistung als die messbaren Ergebnisse an Umweltauswirkungen wie Luft-, Schall- und anderen Emissionen und Belastungen;
  • Einhaltung der behördlichen Auflagen und gesetzlichen Grenzwerte einschließlich der Schulung und Einsetzung der geforderten Beauftragten (zum Beispiel Gefahrgut);
  • Normierungsverantwortung durch Unterstützung ökologischer Verhaltensweisen der Akteure (Stakeholder).
Die DIN EN ISO 14001 für das Umweltmanagement definiert:
"Umweltmanagement ist der Teil des Managementsystems, der die Organisationsstruktur, Planungstätigkeiten, Verantwortlichkeiten, Methoden, Verfahren, Prozesse und Ressourcen zur Entwicklung, Implementierung, Erfüllung, Bewertung und Aufrechterhaltung der Umweltpolitik umfasst." Das Normensystem ISO 14000 legt den Schwerpunkt auf den Prozess der kontinuierlichen Verbesserung der jeweils definierten Zielsetzung zur Umweltleistung einer Organisation nach der Schrittfolge "Planen - Ausführen - Kontrollieren - Optimieren" (Plan-Do-Check-Act, PDCA) und folgt damit der im Management generell üblichen Schrittfolge.

Von der EU-Kommission wurde mit dem "Eco-Management and Audit Scheme" (EMAS) 1993 eine Verordnung zum Öko-Audit erlassen und 2001 revidiert. In die EMAS-Revision wurden die ISO 14001-Anforderungen zu Umweltmanagementsystemen übernommen.

Die European Sea Ports Organisation (ESPO) nahm 2003 die zweite Fassung ihres "Environmental Code of Practice" (erste Fassung 1994) an und empfahl sie allen Mitgliedshäfen zur Anwendung [ESPO03; Wen08, S.45ff.]. Die 10 Ziele für die Umweltpolitik zielen zusammengefasst auf:
  • frühzeitige Konsultation, Abstimmung und Kooperation zwischen Hafenverwaltungen und lokalen Akteuren auf lokaler Ebene, um divergierende Interessen rechtzeitig auszugleichen und Akzeptanz für Hafenprojekte zu gewinnen;
  • Entwicklung kosteneffizienter neuer Techniken und nachhaltiger Technologien für nachhaltige Transportketten mit dem Ziel der Selbstregulierung nach dem Bottom-up-Prinzip und in Kooperation der interessierten Seiten.
  • Steigerung des Umweltbewusstseins und der Integration nachhaltiger Entwicklungen in die Hafenpolitik hin zu einer "korporativen Umweltverantwortung" der Hafengemeinschaften;
  • Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen in frühen Phasen von Hafenentwicklungsprojekten;
  • Verbesserung der Umweltleistung der Häfen durch die Nutzung des von ECOPORTS entwickelten "Environmental Management Information System" und des ESPO Environmental Review;
  • Förderung von Umweltberichterstattung und Verbesserung der Kommunikation.
Die ESPO empfiehlt als Einstieg in das systematische Umweltmanagement das von der ECOPORTS Foundation (EPF) entwickelte "Environmental Management Information System" (EMIS). Es ist als standardisiertes System anwendbar für alle europäischen Häfen und legt den Nachdruck auf die Umweltbeziehungen innerhalb der Hafengemeinschaft.
Den Häfen werden eine Kommunikations-Website zu Umweltfragen und ein Werkzeugsatz (Toolkit) zur Verfügung gestellt. Dieses besteht aus:
  • Selbstauditwerkzeug (Self Diagnosis Method)
  • Datenbank realisierter Lösungen zu einer Vielzahl von Umweltproblemen,
  • Umweltleistungsindikatoren für Häfen,
  • Umweltprüfung nach dem "Port Environmental Review System" (PERS), basierend auf ISO 14001.
Als unabhängiger Auditor fungiert Lloyds Register. 2018 waren 31 europäische Häfen nach PERS zertifiziert [EcPo18]. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von 2 Jahren.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Umwelt- und Klimaschutz in Häfen (Stand des Wissens: 24.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?409235
Literatur
[EcPo18] EcoPorts (Hrsg.) Port Environmental Review System (PERS): the only port sector specific environmental management standard, 2018
[ESPO03] European Sea Ports Organisation ESPO ENVIRONMENTAL CODE OF PRACTICE, 2003
[Star09] Elisabeth Staritz Umweltmanagementsysteme in europäischen Häfen - Diskussion der Einführung eines Umweltmanagementsystems am Beispiel der Hamburg Port Authority, Lüneburg, 2009
[Wen08] Wenske, Christian Umweltmanagement in Seehäfen , veröffentlicht in Beiträge und Infomationen aus dem Ostseeinstitut für Marketing, Verkehr und Tourismus an der Universität Rostock, 2008/09
Glossar
Stakeholder Stakeholders sind alle internen und externen Personengruppen, die von den unternehmerischen Tätigkeiten gegenwärtig oder in Zukunft direkt oder indirekt betroffen sind. Gemäß Stakeholder-Ansatz wird ihnen - zusätzlich zu den Eigentümern (Shareholders) - das Recht zugesprochen, ihre Interessen gegenüber der Unternehmung geltend zu machen. Eine erfolgreiche Unternehmungsführung muss die Interessen aller Anspruchsgruppen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?319174

Gedruckt am Dienstag, 16. Juli 2019 20:21:24