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Regelungen zu Umwelt- und Klimaschutz in Seehäfen

Erstellt am: 25.05.2010 | Stand des Wissens: 24.10.2018
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Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die führende Rolle bei der Regelung des maritimen Umweltschutzes hat die International Maritime Organisation (IMO) mit ihrem Ausschuss für den Schutz der Meeresumwelt (Marine Environment Protection Committee, MEPC). Das wichtigste internationale Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt vor Verunreinigungen durch Schiffe ist die International Convention for the Prevention of Pollution from Ships von 1973/78 (MARPOL 73/78, inzwischen mehrfach ergänzt und modifiziert). MARPOL deckt Verschmutzungen aus Unfällen und Schiffsbetrieb ab. Für Häfen ist bedeutsam, dass sie zur Schaffung von Entsorgungsfazilitäten für Schiffe verpflichtet werden. Nord- und Ostsee werden aufgrund der besonders hohen Gefährdung als MARPOL-Sondergebiete ausgewiesen. Die Regelungen zur Abwasserbehandlung nach dem optionalen Annex IV traten 2003 in Kraft. Die EU hat hierzu eigene Richtlinien für die Häfen und die Gewässer der Gemeinschaft erlassen [EG 2000/59], die teilweise deutlich weiter gehen - bis hin zur strafrechtlichen Verantwortung für Umweltverschmutzungen. MARPOL Annex V betrifft die Umweltverschmutzung durch Müll von Schiffen, wobei besonders das vollständige Verbot der Entsorgung jeglicher Plastikmaterialien in die See bedeutsam ist. Die Regelungen sind seit 1988 in Kraft und unterliegen der Hafenstaatkontrolle.

Um den Ausstoß von Schwefeloxiden (SOx), Ruß und Feinstaub zu reduzieren, darf der maximal zulässige Schwefelgehalt von Treibstoffen seit 01. Januar 2012 nicht mehr als 3,5 Prozent des Gewichts betragen. Ab 2020 gilt der neue Grenzwert von 0,1 Prozent [GCAP16].  In SOx Emission Control Areas (SECAs), wie Nord- und Ostsee, sind seit 01. Januar 2015 maximal 0,1 Prozent zulässig. Alternativ müssen genehmigte Abgasreinigungsanlagen installiert sein. Weiterhin wurden Regeln für flüchtige organische Bestandteile (nur für Tanker) und die Abfallverbrennung beschlossen. 2011 erweiterte die IMO den MARPOL Annex VI. Demnach werden technische und betriebliche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz eingeführt, die die Emission von Treibhausgasen signifikant senken sollen. Der Nachtrag ist zum 1. Januar 2013 in Kraft getreten [IMO13].

Zur Begrenzung der Emission von Klimagasen wurde 2009 im Rahmen der IMO zunächst ein Paket freiwilliger und vorläufiger Maßnahmen verabschiedet. Es umfasst zum den CO2-Index für den Schiffsentwurf (Energy Efficiency Design Index - EEDI) und Leitlinien für die Erstellung eines Planes zum energieeffizienten Schiffsbetrieb (Ship Energy Efficiency Management Plan - SEEMP). Der EEDI ist seit dem 1. Januar 2013 für neue Schiffe verpflichtend. Zum selben Datum wurde das Mitführen eines SEEMP-Plans auf dem Schiff obligatorisch [IMO11a]. Die Welthäfen-Klimainitiative, World Ports Climate Initiative (WPCI), eine Tochterorganisation des Internationalen Dachverbandes der Hafenbehörden, International Association of Ports and Harbors (IAPH), hat Anfang 2011 einen Umweltindex "Environmental Ship Index" (ESI) für die Seeschifffahrt eingeführt. Die Hamburg Port Authority (HPA) hat zum 01. Juli 2011 Rabatt für umweltfreundliche Schiffe festgelegt, dieser wird anhand des ESI berechnet [HPA11a]. Der ESI basiert auf der Menge von Stickstoffoxiden (NOx), Schwefeloxiden (SOx) und Treibhausgasen die von einem Schiff abgegeben werden und ist freiwillig. Über den Index lässt sich feststellen, welche Seeschiffe bessere Emissionswerte aufweisen, als beispielsweise die von der International Maritime Organisation (IMO) festgelegten Richtwerte für Stickstoff- und Schwefeloxide. Die Bandbreite liegt zwischen 0 und 100. Wobei ein Wert von 100 bedeutet, dass keine der bewerteten Emissionen vorliegt. Hochseeschiffe erhalten in Hamburg einen Rabatt von bis zu 10 Prozent auf das Hafengeld. Die Untergrenze wird durch jeweils gültige IMO-Normen beschrieben.

Weitere wichtige internationale Abkommen zum Schutz der Meere sind die 2008 in Kraft getretene Anti Fouling-Konvention, die noch nicht in Kraft getretene Ballastwasser-Management-Konvention und die 2009 verabschiedete Recycling-Konvention für Schiffe. Zur Stärkung des Hafenstandortes Deutschland hat die Bundesregierung am 17.06.2009 ein Nationales Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen [BMVBS09] beschlossen. Wesentliche Ziele des Hafenkonzepts sind:
  • Ausbau der hafenrelevanten Verkehrsinfrastrukturen und Beseitigung von Kapazitätsengpässen in den Häfen,
  • Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Häfen,
  • Sicherung und Stärkung von Ausbildung und Beschäftigung,
  • nachhaltige Förderung von Umwelt- und Klimaschutz,
  • Optimierung der Sicherheit von Lieferketten.
2011 hat die deutsche Bundesregierung den Entwicklungsplan Meer - Strategie für eine Integrierte deutsche Meerespolitik [BMVBS11t] beschlossen. Er analysiert auf nationaler und internationaler Ebene die bestehenden und absehbaren Herausforderungen, Lösungsansätze und Chancen und leitet daraus in die Zukunft gerichtete strategische Rahmenziele und politische Schwerpunkte ab. Der "Entwicklungsplan Meer" verfolgt die folgenden strategischen Rahmenziele, die mit politischen Schwerpunkten und konkreten Maßnahmen unterlegt sind:
  • Wettbewerbsfähigkeit der deutschen maritimen Wirtschaft stärken und Beschäftigungspotenziale nutzen.
  • In Nord- und Ostsee bis 2020 einen guten Umweltzustand erreichen und sie so zu den saubersten und sichersten Meeren machen.
  • Mitverantwortung für globale ökologische Entwicklungen wahrnehmen und die Anstrengungen gegen den Klimawandel aktiv unterstützen.
Die Wirksamkeit des MARPOL-Übereinkommens wird maßgeblich durch die zu ihrer Durchsetzung getroffenen Maßnahmen bestimmt. So zeigten zum Beispiel Messungen angeschwemmter Schiffsabfälle trotz Verboten und vorgeschriebener Aufzeichnungen über die Müllbehandlung an Bord keinen spürbaren Rückgang. Die MARPOL-Regelungen wurden mit den Richtlinien 1999/32/EG und 2005/33/EG in EU-Recht umgesetzt und ergänzt. Danach gilt unter anderem seit 01.01.2010 für Schiffe in EU-Häfen und Binnenschiffe ein Schwefel Grenzwert von 0,1 Prozent.

Die EU-Kommission hat am 08. Juli 2008 unter dem Titel "Ökologisierung des Verkehrs" ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das die Internalisierung der externen Kosten, zunächst vor allem im Straßenverkehr, in den Mittelpunkt stellt [EuKom08f]. Während grundsätzlich die IMO als führendes Gremium für internationale Vereinbarungen zum Umweltschutz im Seeverkehr anerkannt wird, legt die Kommission zugleich ein "Inventar von Maßnahmen zur Ökologisierung des Verkehrs" vor, mit einem eigenen Kapitel für die verschiedenen Umweltbelastungen aus dem Seeverkehr [EuKom08g, S.25f.].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Umwelt- und Klimaschutz in Häfen (Stand des Wissens: 24.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?409235
Literatur
[BMVBS09] o.A. Nationales Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen, 2009/06/17
[BMVBS11t] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Entwicklungsplan Meer - Strategie für eine integrierte deutsche Meerespolitik, 2011
[EuKom08f] Europäische Kommission Ökologisierung des Verkehrs, MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DEN RAT UND DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, KOM(2008) 433 endgültig, Brüssel, 2008/7/8
[EuKom08g] Europäische Kommission COMMISSION STAFF WORKING DOCUMENT accompanying the COMMUNICATION FROM THE COMMISSION TO THE EUROPEAN PARLIAMENT AND THE COUNCIL - Greening Transport COM(2008) 433 final, Brüssel, 2008/7/8
[GCAP16] gcaptain (Hrsg.) IMO Sets Regulations to Cut Sulphur Emissions by Ships from 2020, 2016/10/27
[HPA11a] Hamburg Port Authority Grünes Hafengeld: HPA führt Umweltkomponente im Juli ein , Hamburg, 2011/06/23
[IMO11a] Marine Environment Protection Committee (MEPC) Mandatory energy efficiency measures for international shipping adopted at IMO environment meeting , 2011/06/15
[IMO13] International Maritime Organization (IMO) (Hrsg.) International Convention for the Prevention of Pollution from Ships (MARPOL), 2013
Rechtsvorschriften
[EG 2000/59] Richtlinie 2000/59/EG
Glossar
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
NOx = Stickoxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des Stickstoffs. Die wichtigsten Stickoxide sind Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid. Es sind gasförmige Verbindungen, die sich nur wenig in Wasser lösen. Die wichtigsten Stickoxid-Quellen sind natürliche Vorgänge, wie z. B. mikrobiologische Umsetzungen im Boden, sowie Verbrennungsvorgänge bei Kraftwerken, Kraftfahrzeugen und industrielle Hochtemperaturprozesse, bei denen aus dem Sauerstoff und Stickstoff der Luft Stickoxide entstehen. Stickstoffdioxid ist ein Reizstoff, der die Schleimhäute von Augen, Nase, Rachen und des Atmungstraktes beeinträchtigt.
SOx
= Schwefeloxide. Ist die Sammelbezeichnung für die Oxide des chemischen Elements Schwefel. Sie entstehen vor allem bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe oder bei natürlichen Vorgängen wie Vulkanausbrüchen. Die wichtigsten Schwefeloxide sind Schwefeldioxid SO2 und Schwefeltrioxid SO3. In Verbindung mit wässrigen Lösungen bilden beide Oxide Säuren, welche unter anderem für die Versauerung von Seen und das Waldsterben mitverantwortlich sind. Zudem sind die Schwefeloxide auch gasförmig giftig.
Energy Efficiency Design Index Mit dem EEDI können die Emissionen eines Schiffes unter seinen spezifischen Einsatzbedingungen ermittelt werden. Die EEDI-Formel setzt sich aus den Faktoren Antriebsleistung, spezifischer Treibstoffverbrauch und Emissionsfaktor zusammen, die ins Verhältnis zu Transportkapazität und Geschwindigkeit gesetzt werden.
Externe Kosten Kosten, die nicht vom eigentlichen Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden und deshalb nicht in den Marktpreisen enthalten sind, werden als externe Kosten bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?319164

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 20:47:48