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Akteure im Bereich der Schienenverkehrslärmbekämpfung

Erstellt am: 21.04.2010 | Stand des Wissens: 07.11.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Zahlreiche Institutionen sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene bemühen sich aktiv darum, die durch den Schienenverkehr hervorgerufene Lärmbelastung zu reduzieren. Im Folgenden sollen die wichtigsten Akteure vorgestellt werden.
Für die Bundesrepublik Deutschland sind auf staatlicher und supranationaler Ebene vor allem das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie die EU von Bedeutung. Beide wirken durch verpflichtende Vorgaben und ihre Wirtschafts- und Forschungsförderungsmaßnahmen auf den Eisenbahnverkehr, insbesondere mit Blick auf die Lärmthematik, ein.
Neben den allgemeinverbindlichen Lärmschutzbestimmungen, die beispielsweise eine effektive Lärmvorsorge bei Neu- und Ausbaustrecken im deutschen Eisenbahnnetz vorschreiben, ist der Bund, vertreten durch das BMVI, vor allem im Rahmen der folgenden drei Programme mit einer Reduktion schienenverkehrsinduzierter Geräuschbelastungen befasst:
  • Lärmsanierung an Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes
  • Pilot- und Innovationsprogramm zur Reduzierung des Lärms durch Güterverkehr auf der Schiene
  • Mittel für Lärmschutz an Schienenwegen aus dem Konjunkturprogramm
Zudem unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, kurz BMWi - ebenso im Bereich der Wirtschafts- und Forschungsförderung - gezielt die Entwicklung lärmreduzierender beziehungsweise lärmvermeidender Technologien [DBAG08l].
Hauptakteur bei der Schienenlärmbekämpfung auf nationaler Ebene ist der Deutsche Bahn AG Konzern (DB AG). Er formulierte im Jahr 2000 das Ziel, die Lärmbelastungen bis 2020 zu halbieren. Zur Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen sieht er sich jedoch fast ausschließlich auf Mittel des Bundes angewiesen. Die DB AG ist im Bereich sämtlicher oben genannten Maßnahmen des Bundes aktiv. [DBAG09e, S. 164; DBAG09d; DBAG07b]
Die Europäische Union verabschiedete mit der Umgebungslärmrichtlinie ein supranationales Regelwerk, das sämtliche Verkehrsträger sowie den Industrielärm adressiert. Sie verlangt von den Mitgliedstaaten regelmäßige Schallimmissionskartierungen der besonders stark betroffenen Gebiete beziehungsweise Strecken und schreibt darauf aufbauende Aktionsprogramme zu einer angemessenen Lärmbelastungsreduzierung vor. Für neu zugelassene beziehungsweise erneuerte oder umgerüstete, auf dem transeuropäischen Eisenbahnnetz verkehrende Schienenfahrzeuge liegen seitens der EU mit den Technischen Spezifikationen für die Interoperabilität (TSI) verbindliche Vorgaben zu den maximal zulässigen Geräuschemissionen vor [2008/232/EG; 2011/229/EU]. Außerdem unterstützt die EU durch Forschungs- und Demonstrationsvorhaben die Umrüstung des vorhandenen Güterwagenparks auf lärmreduzierende Bremssysteme [EG 2002/49; EUKOM08e].
Im internationalen, nichtstaatlichen Kontext sei noch auf den Internationalen Eisenbahnverband (UIC) verwiesen, dessen "Aktionsprogramm Lärmreduktion Güterverkehr" bereits 1998 ins Leben gerufen wurde [UIC07d, S. 4]. Einen wichtigen Beitrag zur Lärmminderung leistete der UIC mit der Zulassung der LL-Bremssohle im Juni 2013. Eine nationale Zulassung des Bremsbelags durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) war somit nicht erforderlich. [EBA13c]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lärmemissionen des Schienenverkehrs (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312886
Literatur
[DBAG07b] o.A. Effizienter Lärmschutz - Umrüstung von Güterwagen fördern, Berlin, 2007/01
[DBAG08l] o. A. Forschungsprojekt für eine leise Bahn gestartet, Berlin, 2008/03/25
[DBAG09d] o. A. Schallschutz - eine Investition in die Zukunft der Bahn [2009], Berlin, 2009/12
[DBAG09e] o. A. Nachhaltigkeitsbericht 2009, Berlin, 2009/06
[EBA13c] o. A. UIC gibt "LL-Sohle" frei - Nationale Zulassung nicht erforderlich, 2013/06/05
[EUKOM08e] o. A. Lärmschutzmaßnahmen am aktuellen Schienenfahrzeugbestand - Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat, 2008, 2008/07/08
[UIC07d] Hübner, Peter, Dipl.-Ing. Sachstandsbericht 2007 - Lärmreduzierung auf der europäischen Schieneninfrastruktur, Paris, 2007/05, ISBN/ISSN 2746113287
Rechtsvorschriften
[2006/66/EG] Technische Spezifikation für die Interoperabilität (TSI) zum Teilsystem "Fahrzeuge - Lärm" des konventionellen transeuropäischen Bahnsystems
[2008/232/EG] Technischen Spezifikation für die Interoperabilität Teilsystem "Fahrzeuge" des transeuropäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems
[2011/229/EU] Technische Spezifikationen für die Interoperabilität in Bezug auf das Teilsystem "Fahrzeuge - Lärm" des konventionellen transeuropäischen Bahnsystems
[EG2002/49] Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm
[EG 2002/49] Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm
Glossar
Ausbaustrecke Als Ausbaustrecken (ABS) werden im Bereich des spurgebundenen Verkehrs bestehende Netzabschnitte bezeichnet, die mittels umfangreicher Baumaßnahmen für höhere Kapazitäten und / oder Geschwindigkeiten ertüchtigt wurden. Häufig findet der Begriff im Zusammenhang mit für den Einsatz von Neigetechnikfahrzeugen angepassten Strecken Verwendung. Durch eine geeignete bauliche Auslegung des Fahrweges ermöglicht dieses System entsprechend ausgestatteten Triebwagen schnellere Gleisbogendurchfahrten, m. a. W. höhere Kurvengeschwindigkeiten.
Technical Specification for Interoperability Die Technical Specification for Interoperability (TSI) machen für Teilsysteme bzw. Teile von Teilsystemen der transeuropäischen (Hochgeschwindikgkeits-)Eisenbahnsysteme Vorgaben, um deren grundsätzliche (technische) Eignung sowie die Kompabilität untereinander zu gewährleisten. Dabei handelt es sich um eine unionsrechtliche, technische Vorschrift der Europäischen Kommission.
Eisenbahn-Bundesamt Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für die Eisenbahnen des Bundes und Eisenbahnunternehmen mit Sitz im Ausland für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Es nimmt darüber hinaus die Landeseisenbahnaufsicht über die nichtbundeseigenen Eisenbahnen auf Weisung und Rechnung von 13 Bundesländern für diese wahr.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
LL-Bremssohle
Eine LL-Bremssohle (eng. für wenig Lärm, wenig Abrieb = Low noise, Low friction) ist eine Verbundstoff-Bremssohle und stellt den zentralen Bestandteil der bei Eisenbahngüterwagen verwendeten Klotzbremse dar. Sie sind im Vergleich zur technologisch veralteten Grauguss-Bremssohle deutlich leiser und stellen eine preisgünstige Alternative zur Umrüstung mit der sog. Komposit-Bremssohle (K-Sohle) dar.
BMWi Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erarbeitet Rahmenbedingungen zur Stärkung der Robustheit und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?312852

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 16:44:57