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Barrierefreier Zugang zum ÖPNV

Erstellt am: 28.01.2003 | Stand des Wissens: 12.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Verkehrsangeboten ist eine wesentliche Voraussetzung zur Nutzung dieser Angebote von älteren und mobilitätseingeschränkten Personen. Die Abbildung 1 zeigt, welche Bedeutung eine Verbesserung der Erreichbarkeit von Bahnhöfen oder Haltestellen bezüglich einer Attraktivitätssteigerung des öffentlichen Verkehrs für ältere Menschen einnimmt. Vergleichsweise ist dazu die Einschätzung von Verkehrsexperten dargestellt.
Abbildung 1: Bedeutung der Verbesserung der Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsangebote für ältere Autofahrer [BMFSFJ02
Danach erachten 70 Prozent der älteren Autofahrer Maßnahmen zur Verbesserung der Erreichbarkeit von Umsteigeplätzen zumindest als wichtig [BMFSFJ02].
Ein ähnliches Bild zeigt sich bezüglich einer Verkürzung von Fußwegen vom Pkw/Fahrrad zum Bahnhof/Haltestelle in der Abbildung 2. Annährend zwei Drittel der älteren Autofahrer empfinden Lösungen zur Reduktion von Fußwegen zumindest wichtig. Allerdings wird dieses Problemfeld von Experten signifikant höher gewichtet [BMFSFJ02].
Abbildung 2: Bedeutung einer Fußwegverkürzung zur Attraktivitätssteigerung öffentlicher Verkehrsangebote für ältere Menschen [BMFSFJ02]
Generell soll der ÖPNV zur Gewährleistung der Mobilität von Behinderten eine geschlossene barrierefreie Beförderungskette vom Ausgangs- beziehungsweise Zielort zur Haltestelle, wie etwa  von der Wohnung, über Haltestellen und Verkehrsmittel, inklusive eventuell notwendiger Umsteigevorgänge bis zum Ziel und zurück anstreben.

Dazu sind neben barrierefreien Zu- und Abgangswegen sowie barrierefreier Fahrzeuge und Haltestellen aus Sicht der Netzgestaltung folgende Aspekte wesentlich:
  • Kurze Zu- und Abgangswege zu Haltestellen, da insbesondere in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen sehr empfindlich gegenüber Fußwegen sind. Empfohlen werden maximale Einzugsbereiche für Bus- und Straßenbahnhaltestellen von 300 bis 350 Meter für Innenstadtbereiche, 350 bis 400 Meter für Vorortbereiche und 450 bis 500 Meter für Außengebiete [BMVBW97].
  • Minimierung des Umsteigens, da mobilitätsbehinderte Personen aufgrund der eingeschränkten Beweglichkeit noch mehr als in ihrer Mobilität nicht eingeschränkte Personen Direktfahrten bevorzugen.
  • Barrierefreies Umsteigen, also ist ein Umsteigen unvermeidlich, so sind die Umsteigewege inklusive der Höhendifferenzen zu minimieren, die Anlage übersichtlich zu gestalten, die Informationen leicht erfassbarer anzuordnen [vgl. HBVA11].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Barrierefreie Mobilität (Stand des Wissens: 27.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?289388
Literatur
[BMFSFJ02] Engeln, Arnd Verbesserung der Attraktivität öffentlicher Verkehrsangebote für ältere Autofahrerinnen und Autofahrer - Probleme und praktikable Lösungen, 2002
[BMVBW97] Machule, Dittmar,, Echterhoff, Wilfried,, Ackermann, K., Bürgerfreundliche und behindertengerechte Gestaltung von Haltestellen des ÖPNV, veröffentlicht in direkt, Ausgabe/Auflage Heft 51, 1997
[HBVA11] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (H BVA), 2011/06
Weiterführende Literatur
[Nick03] Nickel, Bernhard EAÖ: Neue Planungsgrundlagen für ÖPNV auf Straßen, veröffentlicht in Bus & Bahn, Ausgabe/Auflage 5, 2003
[EAÖ13] Dittemer, T., Benzig, H.-P., Besier, S., Deutsch, V., Dietrich, O., Graf, K., Groneck, C., Heidenreich, S., Huber, F., Knöller, T., Neukirch, A., Nickel, B. E., Schweig, K.-H., Seyboth, A., Stephan, L., Zweibrücken, K. Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs - EAÖ, Ausgabe/Auflage FGSV-Nr. 289, FGSV Verlag, Köln, 2013, ISBN/ISSN 978-3-86446-054-8
[Prog03] Matthes, Ulrike , Leypold, Patrick , Schumacher, Irina , et al. Kundenorientierung im ÖPNV - Maßnahmen zur Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen, 2003/07/23
[Topp06a] Topp, Hartmut Mobil und barrierefrei in Stadt und Verkehr, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 11/2006, 2006/11

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?31013

Gedruckt am Samstag, 8. August 2020 10:59:20