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Horizontale Umschlagtechnologien und Konzepte

Erstellt am: 30.03.2010 | Stand des Wissens: 21.03.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Beim horizontalen Umschlag wird die Ladeeinheit nicht oder nur geringfügig angehoben, um diese aus ihrer Transportverankerung zu lösen. Der weitere Umschlag erfolgt horizontal, also quer, längs oder diagonal zum Transportmittel. Damit eignet sich der horizontale Umschlag vor allem für die Umladung von Gütern zwischen dem Lkw und der Eisenbahn. Die Umschlagtechnik ist dabei entweder an der Transporteinheit oder auf dem Transportmittel angebracht. Folgendes Schema zeigt eine Auswahl möglicher Umladevorgänge:
31a_abb1.JPGAbbildung 1: Prinzipskizze horizontaler Umschlag [SGKV04b]

Durch die genannten Systemspezifika ergeben sich folgende Vorteile für den horizontalen Umschlag [MoPf98]: In den Umschlagterminals sind nur wenige technische Anlagen oder Hilfsmittel erforderlich. Dies ermöglicht die Produktion in einem dezentralen System von kleineren Terminals und dem damit einhergehenden geringeren Mindestaufkommen zur wirtschaftlichen Darstellung eines Kombinierten Verkehrs. Intermodale Schnittstellen können gegebenenfalls direkt an die Be- und Entladestellen verlagert werden. In der Regel ist der Umschlag unter elektrischen Fahrleitungen möglich, so dass für Liniengüterzüge günstige Voraussetzungen bestehen.
Allerdings sind neben diesen Vorzügen auch die entstehenden Nachteile beim horizontalen Umschlag zu betrachten: Er geht mit einer Technisierung der Transporteinheit oder des Transportmittels einher. Die Umschlagfrequenz, die sich aus der Dauer von etwa 3 bis 5 Minuten pro Ladeeinheit ergibt, ist im Vergleich zum vertikalen Umschlag mit einer Dauer von etwa 0,4 Minuten pro Ladeeinheit und 10 bis 15 Minuten für den gesamten Zug gering [MoPf98]. Ein gleichzeitiger Umschlag aller Ladeeinheiten ist nur bei bestimmten Konzepten möglich und bedarf an sehr viel Fläche. Eventuell sind Modifikationen der Ladeeinheiten wie zum Beispiel Verstärkung des Sattelaufliegers bei bimodalen Systemen erforderlich.
Die bedeutendsten Systeme des horizontalen Umschlags sind [MoPf98]:
  • bimodale Systeme, bei denen die Sattelauflieger auf Drehgestell gesetzt werden, beispielsweise Trailerzüge,
  • Abrollcontainersysteme wie ACTS
  • ausschwenkbare Ladeflächen, zum Beispiel Modalohr
  • selbstladende Lkw (bspw. "Mobiler")
  • mobile Umschlaggeräte und Kräne (beispielsweise ULS) sowie
  • Roll-on-Roll-off-Verkehre als spezielle Form des horizontalen Umschlags.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Produktionskonzepte im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321727
Literatur
[MoPf98] Molitor, Romain, Pfeiler, Dietmar Umschlagsysteme für den Kombinierten Verkehr, Wien, 1998/07/14
[SGKV04b] o. A. Kombinierter Verkehr im erweiterten Europa - Innovative Fahrzeug- und Logistikkonzepte, veröffentlicht in Rationeller Transport Nr. 47 , 2004
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Horizontalumschlag Beim Horizontalumschlag werden zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln Ladeeinheiten entlang der Waagerechten umgeladen, das heißt ohne sie in nennenswertem Umfang anzuheben.
Sattelauflieger Ein motorloses Fahrzeug für den Güterverkehr, das dazu bestimmt ist, so an eine Zugmaschine angekuppelt zu werden, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Ladung von diesem Kraftfahrzeug getragen wird. Eine Anpassung der Sattelanhäger für die Verwendung im Kombinierten Verkehr kann erforderlich sein. Der Begriff Sattelanhänger wird im FIS synonym verwendet.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?306487

Gedruckt am Mittwoch, 17. Juli 2019 04:24:32