Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Kapazitätsengpässe der Straße als relativer Vorteil für den Kombinierten Verkehr

Erstellt am: 30.03.2010 | Stand des Wissens: 18.03.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Fahrleistung auf bundesdeutschen Autobahnen ist von 213,3 Milliarden Kilometer im Jahr 2005 auf 252,6 Mrd. Kilometer im Jahr 2019 gestiegen [BASt19c]. Trotz des leicht rückläufigen Bestandes an Pkw und Lkw über diesen Zeitraum stieg die gesamte Verkehrsleistung von Lkw in Deutschland an. Mit einer Zunahme um circa 15 Prozent auf 67 Milliarden Kilometer im Jahr 2019 gegenüber dem Jahr 2005 tragen Lkw überdurchschnittlich zu diesem Wachstum bei [BASt16a; BASt21a].

Der Anteil des Straßenverkehrs an der gesamten Transportleistung im Güterverkehr liegt bei über 70 Prozent [StaBu15a]. Das Wachstum des Güteraufkommens ist die wesentliche Ursache für die steigende Belastung überregionaler Straßen durch Lkw. Bereits 2005 wurden in einer Studie auf insgesamt 1050 Kilometern des deutschen Autobahnnetzes teilweise erhebliche Engpässe festgestellt. Demnach sind von den Störungen neben den Autobahnen in den Ballungsräumen Hamburg, Berlin, Rhein-Ruhr, Frankfurt und München insbesondere die A1 zwischen Hamburg und Bremen und im weiteren Verlauf Teilstrecken bis Köln, die A5 südlich Gießen, die A3 zwischen Frankfurt und Nürnberg, die A6 zwischen Heidelberg und Nürnberg sowie die A8 zwischen Karlsruhe und München betroffen [PLANCO07a, S. 5ff.]. Eine Studie der deutschen Akademie der Technikwissenschaften e. V. [Acat06] aus dem Jahr 2006 kommt zu ähnlichen Ergebnissen bezüglich der Lokalisierung der Engpassstellen. Außerdem betonte sie den Einfluss von Transitverkehren auf die Überbelastung der Infrastruktur. Allerdings ist diese stark rückläufig. 2019 gab es beispielsweise 42 Prozent weniger Transitverkehr in Deutschland als noch 2011 [Eurostat21a].

Um Verkehrsengpässe zu verringern, konnte das Autobahnnetz Deutschlands von 2.478 km auf 12.993 km erweitert werden. Die Entwicklung der Bundesautobahnen bis 2016 kann in Abbildung 1 nachvollzogen werden. "Der Bestand an Autobahnen mit sechs- oder mehr Fahrstreifen wuchs bis 2016 von 2.463 km auf 3.383 km. 40 % dieser Bauleistungen wurde in den neuen Bundesländern - hauptsächlich im Komplex der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit - realisiert. Darüber hinaus wurden rund 3.618 km Bundesstraßen aus- oder neugebaut [Destatis16c].
Kaarte - Entwicklung der Autobahnen in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990Abb. 1: Entwicklung der Autobahnen in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990 [Destatis16c] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verlagerungspotenziale im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 18.03.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321702
Literatur
[Acat06] Acatech - Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften e.V. Mobilität 2020. Perspektiven für den Verkehr von Morgen. Schwerpunkt: Strassen- und Schienenverkehr, Fraunhofer IRB Verlag Nobelstr. 12 70569 Stuttgart, 2006
[BASt16a] o.A. Verkehrs- und Unfalldaten - Kurzzusammenstellung der Entwicklung in Deutschland, 2016/09
[BASt19c] Bundesanstalt für Straßenwesen Entwicklung der gesamten Fahrleistung von Kraftfahrzeugen auf Autobahnen in Deutschland 1990 bis 2018, 2019/10
[BASt21a] Bundesanstalt für Straßenwesen Entwicklung der gesamten Fahrleistung von Lkw in Deutschland von 1970 bis 2019, 2019/10
[Destatis16c] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Entwicklung der Autobahnen in Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990, 2016/01/01
[Eurostat21a] Eurostat (Hrsg.) Jährliche Fahrzeugbewegungen der Straßengüterfahrzeuge im Transitverkehr nach Transitländern untergliedert nach Meldeländern (1 000 t, 1 000 tM), 2021/10/05
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[StaBu15a] o.A. Kombinierter Verkehr 2014: Fachserie 8 Reihe 1.3, Ausgabe/Auflage Fachserie 8 Reihe 1.3, 2015/12/10
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Transitverkehr Unter Transitverkehr ist vor allem Güterverkehr zu verstehen, der durch ein Land hindurchführt, das nicht Ziel der Warensendung ist.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
Verkehrsleistung
Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter oder Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] oder Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?306395

Gedruckt am Freitag, 12. August 2022 14:53:24