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Langfristszenarien der Mobilitätsentwicklung

Erstellt am: 27.03.2010 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Für mittel- und langfristige Prognosen komplexer Systeme wird häufig die Szenariotechnik verwendet. Die Nutzung von Szenarien ist angemessen, wenn Unsicherheiten über die weitere Entwicklung einzelner Rahmenbedingungen keine allgemeine Beschreibung der in Zukunft eintretenden Zustände erlauben [Mehl01a, S. 197].
Szenarien beschreiben alternative Entwicklungslinien möglicher Zukünfte, die sich unter bestimmten Bedingungen der Gegenwart ergeben können. Ein Vorteil der "Szenariotechnik besteht darin, dass aus einer Gegenüberstellung einer Bandbreite von möglichen Ergebnissen die kritischen Einflussgrößen sichtbar werden", deren Veränderung sich besonders auf den Prognosegegenstand (zum Beispiel das Verkehrsaufkommen, die Verkehrsleistung unter anderem) auswirkt [Stei05, S. 230]. Deshalb erlauben Szenarien auch Rückschlüsse auf die Effektivität von geplanten Eingriffen.
Wesentlicher Bestandteil von Szenarien des Personenverkehrs ist die Abschätzung der Bevölkerungspotenziale, die auf beabsichtigte Veränderungen und Eingriffe reagieren. Mit Hilfe der Szenariotechnik kann ein breites Spektrum möglicher Veränderungen abgedeckt werden [Stei05, S. 229].
Häufig werden Zukunftsbilder entworfen, die hinsichtlich ihrer Entwicklungspfade gegensätzliche Extreme darstellen. "Diese Extreme geben gesellschaftliche Wertvorstellungen wieder, in denen die Gewichte der Zielhierarchie maßgeblich verändert werden. Auf diese Weise erlauben Szenarien, den häufig zitierten Wertewandel in die Zukunftsbetrachtung aufzunehmen" [Stei05, S. 229].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Langfristszenarien der Mobilitätsentwicklung (Stand des Wissens: 20.04.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?237783
Literatur
[Mehl01a] Mehlhorn, G. Verkehr Straße, Schiene, Luft, veröffentlicht in Ingenieurbau, Ernst & Sohn, 2001, ISBN/ISSN 3-433-01576-7
[Stei05] Steierwald, G, et al. Stadtverkehrsplanung - Grundlagen, Methoden, Ziele, Ausgabe/Auflage 2, Springer-Verlag, Berlin 2005, 2005
Glossar
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.
Szenarien Ein Szenario ist ein Bild der Zukunft, das sich aus einer bestimmten Kombination von relevanten Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen entwickelt. Das grundsätzliche Anliegen von Szenarien besteht darin, verschiedene Handlungsoptionen zu verdeutlichen und ihre Folgewirkungen transparent zu machen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?303254

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 10:47:43